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Potsdam-Mittelmark Roter Teppich für die Stars der Berlinale
Lokales Potsdam-Mittelmark Roter Teppich für die Stars der Berlinale
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10:10 22.02.2018
Medienrummel am roten Teppich vor den Neuen Kammerspielen kurz vor Beginn des japanischen Beitrags „Blue Wind Blows“. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
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Kleinmachnow

Alle sind gekommen – zumindest scheint es so. Am Berlinale-Abend der Neuen Kammerspiele in Kleinmachnow gibt es gleich dreimal eine lange Schlange vor dem Gebäude – es sind hauptsächlich Einheimische. Darunter zeigen sich auch bekannte Gesichter wie Bürgermeister Michael Grubert in Begleitung seiner Ehefrau Jana, Gemeindevertreterin Martina Dettke, Malerin Frauke Schmidt-Theilig, Heimatvereinsvorsitzender Axel Müller und Cornelia Behm, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, um nur einige zu nennen.

Viele Kleinmachnower hatten sich Plätze im Kino gesichert. Alle drei Filme waren praktisch ausverkauft. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Nicht nur der irische Regisseur Lance Daly – an diesem Abend für seinen Film „Black 47“ vor Ort – zeigt sich überrascht, dass all diese Menschen tatsächlich im großen Saal Platz fanden. Doch „im Showbusiness ist alles möglich“, kommentiert er. Und so ist es am Sonntagabend auch möglich, dass die Welt ein wenig zusammenschrumpft, dass sich Japan, Irland und Deutschland hier treffen, in einem kleinen Programmkino südwestlich von Berlin.

Die Japaner begeisterten die Kinomacher

„Berlinale Goes Kiez“ machte dies möglich – und die Neuen Kammerspiele dürfen nach 2016 auch bereits das zweite Mal mit dabei sein. Für Valeska Hanel, die das Theater gemeinsam mit Carolin Huder leitet, beginnt der Abend auch gleich mit einem Höhepunkt: „Ein japanischer Film, mit den japanischen Schauspielern auf unserer Bühne, die japanisch sprechen – das ist einfach etwas Besonderes“, freut sie sich. Das Publikum reagiert jedoch etwas verhalten auf den Film, der auf einer kleinen Insel vor Japan spielt und mit wenigen Worten auskommt. Drei Kinder stehen im Mittelpunkt der Geschichte, ein Vater, der verschwunden ist, eine Mutter, die dazwischensteht, ein Monster, das immer wieder angesprochen wird, aber nicht greifbar wird. Der kulturelle Unterschied ist groß, das wird auch an den Fragen aus dem Publikum klar, auch die Moderatorin Anne Lakeberg vom Weddinger City Kino ist nicht gut vorbereitet und bezeichnet den Film mehrmals als Kinder- und Familienfilm, obwohl er erst ab elf Jahren empfohlen wird.

Das stört bei den Fragen und nicht nur der Regisseur stellt irgendwann klar, dass er „Küstennebel“ eigentlich für Erwachsene gedreht hat, sondern auch die beiden anwesenden Kinder-Darsteller, Geschwister im Film und auch im echten Leben, sonst sehr wortkarg, sagen ungewöhnlich deutlich, dass sie den Film „nur ungern“ mit ihren Freunden ansehen würden. Ein Zuseher äußert sich begeistert – er sieht in dem Film „fast ein konzeptuelles Kunstwerk, in Richtung Surrealismus“, und sorgt mit der Frage, wer von der Filmcrew denn vielleicht an Monster glaube, für einen kleinen philosophischen Diskurs, der erneut den Unterschied zur westlichen Welt deutlich macht.

Western über Hungersnot in Irland

Kam der japanische Film eher hintergründig und geheimnisvoll, fast schon schüchtern von der Leinwand, so folgte mit „Black 47“ ein Western über die große Hungersnot in Irland in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die von der Kartoffelfäule ausgelöst und durch die britische Besatzungsmacht verschlimmert wurde. Anhand der Geschichte des Heimkehrers Martin Feeney, gespielt von James Frecheville, erzählt Regisseur Daly Schicksale dieses dunklen Kapitels, Rachefeldzug inbegriffen. „Das ist das bedeutendste Ereignis in der irischen Geschichte, das so viel verändert hat“, schilderte Daly seine Motivation.

Nach der Weltpremiere am vergangenen Freitag in Berlin wird der Film am kommenden Mittwoch nun auch erstmals in Irland gespielt, beim Dublin Festival. Daly ist optimistisch: „Ich glaube, man wird ihn dort lieben.“ In England wird man ihn wohl nicht spielen, sagt er – „No Screenings here“, keine Aufführungen hier, das britische Königreich existiert noch. Mit dem Genre hat er übrigens durchaus gehadert: „Westernfilme geben normalerweise keinen sympathischen Blick auf die Eingeborenen“, sagt er. Deswegen habe er auch am Anfang immer wieder Western-Elemente gestrichen. Dem Kleinmachnower Publikum hat es gefallen, es gab Jubelrufe und Begeisterungs-Pfiffe.

Deutsche Trilogie über Ex-Freundinnen

Diese konnte auch der dritte Film für sich verzeichnen: „Rückenwind von vorn“, eine deutsche Produktion von Philipp Eichholz. Es ist sein dritter Langfilm und damit wohl das Ende einer Trilogie über Ex-Freundinnen, wie die Moderatorin Lakeberg ausplauderte. Als „Drei Liebesbriefe an Frauen aus seinem Leben“, bezeichnete Eichholz seine Motivation. Im aktuellen Film steht die Berlinerin Charlie im Mittelpunkt, eine junge Lehrerin mit fester Beziehung. Ihr Freund hätte gerne ein Baby, ist aber schon mit dem Leih-Baby seiner Schwester heillos überfordert. Und während ihre Freunde sich weiterentwickeln und Abenteuer erleben, hat sie das Gefühl, nicht mehr zu wissen, was sie selber will.

Charlie, die von der mehrfach als Nachwuchs-Schauspielerin ausgezeichneten Victoria Schulz äußerst charmant dargestellt wird, muss sich entscheiden – zwischen Routine und Ausbrechen. Oder gibt es doch einen Weg dazwischen? Schulz: „Das ist ein Thema unserer Zeit: Die vielen Möglichkeiten, die es heute gibt, und seinen Weg darin zu finden.“ Eichholz ist Autodidakt und forderte seinen Schauspielern einiges ab: Es gab kein Drehbuch, nur ein acht- bis zehnseitiges Manuskript mit Szenenbeschreibungen. Der Rest entstand während der Dreharbeiten: Die Figuren wurden gemeinsam erarbeitet, Dialoge am Set entwickelt, das Ende wurde lange diskutiert. „Es gibt Tage, an denen alles läuft, und andere, an denen man ins Stocken läuft und da ist man froh, wenn man einen Regisseur hat, der die Fäden in die Hand nimmt“, so Schulz.

Grundlos besorgt zeigte sich das Filmteam vor der Reaktion des Publikums auf eine besondere Wendung im Film: den Selbstmord von Charlies Oma, die gerade erfahren hat, dass sie innerhalb weniger Monate an Krebs sterben muss. Ihre Enkelin begleitet sie dabei. Der Tenor der Zuseher ist positiv: „Es war ein schönes Gehen“, formuliert es ein Zuschauer. Abschied nehmen heißt es dann auch kurz vor Mitternacht nach dem dritten Film – auf ein Neues möglichst bald, wenn „Berlinale goes Kiez“ hoffentlich wieder in Kleinmachnow Halt macht.

Film-Bewertungs-Stelle

Am Tag der „Berlinale goes Kiez“-Aufführungen gab es in den Neuen Kammerspielen auch eine Neuerung fürs Publikum: Das ehemalige Kassenhäuschen, das bisher nur als Abstellkammer für Besen und Co. gedient hatte, wurde zur Film-Bewertungs-Stelle umgewandelt.

Hier können begeisterte oder auch weniger faszinierte Kinobesucher einen 30 Sekunden langen Film aufnehmen, in dem sie ihre Meinung zum gerade gesehenen Titel abgeben können.

Das Team der Kammerspiele stellt diese dann nach einem Gegencheck auf die Homepage, so dass sie als weitere Informationsquelle für Cineasten dienen.

Valeska Hanel (l.) und Carolin Huder leiten die Neuen Kammerspiele. Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Von Konstanze Kobel-Höller

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