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Potsdam-Mittelmark Ruhlsdorfer kämpfen um ihren Röthepfuhl
Lokales Potsdam-Mittelmark Ruhlsdorfer kämpfen um ihren Röthepfuhl
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11:06 27.06.2017
Doreen Bartsch ist in Ruhlsdorf aufgewachsen. Für die Stadtverordnete ist der Röthepfuhl aus dem Dorf nicht wegzudenken. Quelle: Stich
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Ruhlsdorf

Die Nachricht wird viele Ruhlsdorfer schockieren: Der Röthepfuhl ist nicht mehr zu retten. Die Verlandung des ortsbildprägenden Dorfteichs sei „langfristig gesehen“ nicht aufzuhalten, heißt es in einem Schreiben der Teltower Stadtverwaltung, unterzeichnet von Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD). Weder die Entnahme von Schilf, noch eine „Notzufuhr von Grundwassereinleitung“ verspreche eine Besserung der Situation. Es sei nicht zu verantworten, weitere finanzielle Mittel für den „zwanghaften“ Erhalt des Röthepfuhls einzusetzen, so Schmidt. Man müsse die Verlandung „hinnehmen“. Dieser Meinung sei auch die Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Einigermaßen fassungslos hält die Teltower Stadtverordnete Doreen Bartsch (FDP/LTR) den Brief des Bürgermeisters in der Hand. Sie hatte sich offiziell nach der Pflege des Teichs erkundigt, weil sie sich große Sorgen um das Gewässer machte. „Die Antwort der Verwaltung hat mich völlig überrascht“, sagt Bartsch. Die Stadtverordnete ist in dem Dorf aufgewachsen und kann sich den Ort ohne Röthepfuhl nicht vorstellen. „Wir haben als Kinder hier gebadet und sind im Winter Schlittschuhe gelaufen. Das kann’s doch nicht gewesen sein.“

So schön war der Teich vor Jahrzehnten. Quelle: Archiv Doreen Bartsch

Flachsbauern legten ihre Ernte in den Teich

Die Namensgebung für den Röthepfuhl reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Der Überlieferung nach waren es Flachsbauern aus Ruhlsdorf, die ihre Ernte zum Einweichen in das Gewässer legten. Hierdurch lösten sich die Fasern in den Halmen, wodurch das Wasser eine rötlich-braune Farbe bekam. Die anschließende Trocknung der Fasern wird als „rösten“ oder „röten“ bezeichnet.

In den 1950er Jahren war der See vom Austrocknen bedroht. Eine Neugestaltung der Uferzone erfolgte 1980 und 1981, in dem Erdaushub aus einem angrenzenden neuen Wohngebiet eingesetzt wurde. 1986 unternahm man einen ersten Versuch, den Grund des Pfuhls zu entschlammen. Doch erst später standen ausreichende Finanzmittel für eine umfangreiche Sanierung zur Verfügung: Schlick wurde ausgebaggert, das Gelände von Wildwuchs befreit. Um die Insel, die auch als Vogelbrutfläche dient, wurde ein Graben gezogen. Weiterhin wurde die Teichsohle mit einem Fließ ausgestattet, um einen konstanten Wasserpegel zu gewährleisten.

Beim Gang rund um den Teich wird der ganze Jammer deutlich. Der Schilfgürtel wird immer breiter und droht den Pfuhl zu ersticken. Von Fischen, die hier eingesetzt wurden, ist in dem braunen Gewässer nichts zu sehen. Auf der Nordseite steht das Wasser zwischen Ufer und einer kleinen Insel. Holz verrottet, es riecht streng. „Die Anwohner auf dieser Seite haben sich gerade an heißen Tagen schon über den Gestank beschwert“, sagt Bartsch. Deutlich zu erkennen ist die alte Uferlinie, die weit oberhalb der jetzigen liegt.

Die Grundschule identifiziert sich mit dem Dorfteich. Der Gang zum Röthepfuhl gehört zum Unterricht. Quelle: Stich

Eine Gruppe von Kindern läuft über die Wiese auf den Röthepfuhl zu, begleitet von einer Erzieherin. „Es ist wirklich traurig, dass es dem Teich so schlecht geht“, sagt sie. „Wir kommen gerne und regelmäßig mit den Kindern hierher, um ihnen Pflanzen, Tiere und ganz allgemein die Natur näherzubringen.“ Sogar die Ruhlsdorfer Grundschule und die Kita sind nach dem Röthepfuhl benannt. Sie liegen – wie Feuerwehr und Verwaltungsgebäude mit Seniorentreff – direkt am Teich. Er bildet unbestritten den Mittelpunkt des Dorfes.

„Viele Bewohner sagen mir, dass der Zustand des Röthepfuhls eine Schande sei“, so Doreen Bartsch. Die Ruhlsdorfer fühlen sich von der Stadt Teltow im Stich gelassen, seit eine Sanierung des Gewässers vor Jahren gescheitert war. „Zwischenzeitlich gab es den Plan, die Straßenentwässerung über ein Klärwerk so aufzubereiten, dass sie dem Pfuhl gefahrlos zugeleitet werden kann“, erläutert die Stadtverordnete. Die örtliche Feuerwehr rückte viele Jahre aus, um das Schilf zu bändigen. Doch jetzt geschieht gar nichts mehr. Der Röthepfuhl droht auszutrocknen.

Wenige Meter vom sterbenden Dorfteich entfernt, wird ein künstlicher Park angelegt. Das ist fast surreal. Quelle: Stich

Besonders erbittert ist Doreen Bartsch darüber, dass nur wenige Meter vom Teich entfernt für viel Geld ein Park angelegt wird. Das Vorhaben ist Teil des Bebauungsplans für ein neues Wohngebiet. Die Häuser stehen bereits, jetzt rollen Bagger über eine Wiese, es werden Wege angelegt und Bäume gepflanzt. Es ist ein fast surrealer Vorgang. „Ein künstlich angelegter Park – was soll das in einem gewachsenen Dorf?“, fragt sich nicht nur Bartsch. Einerseits lasse man bestehende Natur verkommen, um andererseits Landschaft auf dem Reißbrett zu gestalten.

Immerhin hat der Hilferuf der Ruhlsdorferin nun auch andere Stadtverordnete alarmiert. Heute steht „Pflege und Zustand“ des Röthepfuhls auf der Tagesordnung im Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung. Bürgermeister Schmidt kündigte bereits an, dass die Verwaltung trotz seines Briefs an Doreen Bartsch weiterhin“an einer Lösung interessiert“ sei. In den kommenden Tagen wird sich nun zeigen, ob dem Gewässer doch noch eine Chance zum Überleben gegeben wird. Sonst wird man der Grundschule in wenigen Jahren wohl einen anderen Namen geben. „Am ehemaligen Röthepfuhl“, wird sie dann heißen.

Von Jürgen Stich

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