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Potsdam-Mittelmark Runter vom Gas in ganz Willichslust
Lokales Potsdam-Mittelmark Runter vom Gas in ganz Willichslust
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21:15 08.08.2016
Herannahende Autos sind hier an der Waldstraße schwer zu sehen: Rikus (2), Rafael (4) und Ruben Herzog (6, v.l.) müssen gehörig aufpassen. Quelle: Privat
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Michendorf

Die Michendorfer Siedlung Willichslust wird komplett in eine Tempo-30-Zone verwandelt. Wie Bauamtsleiter Christopher Gerhardt bestätigte, hat die mittelmärkische Verkehrsbehörde einen entsprechenden Antrag der Kommune jetzt genehmigt. „Die Verkehrsschilder haben wir schon bestellt, wir warten jetzt noch auf die Auslieferung“, sagte er. Sie werden voraussichtlich im Oktober aufgestellt, so Gerhardt. Sobald die Schilder an den jeweiligen Zugängen zum Viertel stehen, gilt für Autofahrer in allen Straßen der Siedlung: Runter vom Gas! Dann tritt die Geschwindigkeitsbegrenzung in Kraft, für die sich zuvor Anwohner mit einer Unterschriftensammlung eingesetzt hatten.

Es war genau vor einem Jahr, als sie sich mit einem Brief an Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) wandten, um ihrer Forderung nach einer Tempo-Begrenzung Nachdruck zu verleihen. Es ging vor allem auch um den Schutz der Jüngsten in der altehrwürdigen Siedlung, die sich in den vergangenen Jahren durch Zuzug vieler Familien zu einer kinderreichen Gegend entwickelt hat. Das Ansinnen wurde von der Kommune unterstützt, sowohl Ortsbeirat als auch die Gemeindevertretung votierten dafür, die Tempo-30-Zone beim Landkreis zu beantragen, der nun grünes Licht gegeben hat. „Es freut uns, dass die Straßenverkehrsbehörde ebenfalls den Handlungsbedarf gesehen und unserem Antrag stattgegeben hat. Die Reduzierung der Geschwindigkeit in diesem Gebiet wird die Wohnqualität steigern, für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl sorgen und die Sicherheit der Anwohner verbessern“, sagte der Bauamtsleiter, der derzeit auch die Geschäfte des Bürgermeisters führt, der im Urlaub ist.

Bei einer Stippvisite in Willichslust gab es zumindest unter den Befragten nur Zustimmung zur bevorstehenden Tempo-Begrenzung. „Es ist schon nicht ohne, wie manche Autofahrer hier durchfahren. Dabei sehen sie in dieser Kurve nichts“, sagte René Zirzow, der hinzufügte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Autofahrer da noch bremsen können, wenn hinter der Kurve ein Kind auftaucht.“ Der Vater einer kleinen Tochter, der sich eher wundert, dass die Temporeduzierung erst jetzt kommt, wohnt in der Waldstraße, die als Brennpunkt gilt. Dort leben besonders viele junge Familien mit Kindern, von dort kam der Hauptprotest gegen Tempo 50 in der Siedlung, in der Fußwege oft nur teilweise begehbar oder nicht vorhanden sind. Deshalb spielt sich viel auf der Straße ab.

Das ist ein Grund, warum auch die ältere Generation das Tempo-Limit begrüßt: „In der Dianastraße gibt es keinen Gehweg, wir müssen auf der Straße laufen“, sagte Christel Strate, die seit DDR-Zeiten dort wohnt. Ihr Wunsch: „Es wäre überhaupt schön, wenn allgemein mehr Rücksicht genommen würde.“

Rita Burdach aus der Waldstraße gehört zu jenen, die Rücksicht nehmen. „Ich fahre sowieso schon nicht mehr als 30, weil hier viele Kinder wohnen, die an den Wochenenden oft auf der Straße spielen. Ich habe ja selbst Enkelkinder“, sagte sie. „Ich bin sehr froh, dass die Gemeindevertreter sich einstimmig hinter die Forderung gestellt haben. Die Tempo-30-Schilder werden vernünftige Fahrer mahnen, auf der Waldstraße künftig nicht mehr zu rasen“, so Rüdiger Herzog. Er lebt mit seiner Familie in einem Haus in der Waldstraße, das direkt an einer Kurve liegt, die schwer einsehbar ist. Die Gefahr für ihre drei Kinder hatte Mina Herzog, seine Frau, vor gut einem Jahr dazu bewegt, die Unterschriftensammlung zu initiieren. „Tempo  30 schützt Fußgänger, Radfahrer und insbesondere Kinder, weil sich der Bremsweg von Autos mehr als halbiert“, sagte Rüdiger Herzog. Er verwies auch auf eine bundesweite Entwicklung, den Verkehr fußgänger- und radfahrerfreundlicher zu gestalten. So hat das Bundeskabinett Änderungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) auf den Weg gebracht, die vor Schulen, Kitas und Seniorenheimen auch auf großen Hauptverkehrsstraßen die Einführung von Tempo 30 erleichtern soll. „Es ist ein Fortschritt, wenn auch ein kleiner“, sagte Herzog. Aus seiner Sicht müsste für Wohnviertel die Regel in der StVO umgedreht werden. „In reinen Wohngebieten – wie unserem – sollte Tempo 30 die Norm sein. Und nur wenn die Kommune davon abweichen will, müsste sie das beantragen.“

Tempo-30-Zonen

Vorreiter bei der Einführung von Tempo-30-Zonen war in Deutschland Buxtehude.

Die Innenstadt dort wurde am 14. November 1983 in einem Modellversuch zur ersten Tempo-30-Zone in der Bundesrepublik Deutschland erklärt.

Später folgten andere Städte, die in Wohngebieten die Geschwindigkeit drosselten.

In der Region ist Wilhelmshorst fast flächendeckend in eine 30-Zone verwandelt worden. In dem Ortsteil der Gemeinde Michendorf gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung nur auf der Peter-Huchel-Chaussee nicht – der Hauptstraße im Ort.

Auch in Michendorf-West – ausgenommen die Bahnstraße – gilt Tempo 30. Nun kommt Willichslust im Norden Michendorfs hinzu.

Von Jens Steglich

Jutta Gehrke, 65, ist die Vorsitzende des Bad Belziger Vereins Arbeit und Leben. Seit 2002 setzt sich der eingetragene Verein für Menschen ein, die am Rande des Existenzminimums leben müssen. Nun starteten Gehrke und ihre Mitstreiter eine neue Lebensmittelausgabestelle in Brück.

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