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Sächsische Dörfer feiern preußische Übernahme

Busendorf, Kanin und Klaistow wurden vor 200 Jahren Preußen zugeschlagen Sächsische Dörfer feiern preußische Übernahme

In alter Literatur tauchen sie als die „sächsischen Dörfer“ auf, die heute mitten in Brandenburg liegen. Busendorf, Kanin und Klaistow gehörten aber in der Tat jahrhundertelang zum Kurfürstentum Sachsen – bis zum Wiener Kongress 1815, als sie Preußen zugeschlagen wurden. Doch was ist heute noch übrig von Sachsen in den drei sächsischen Dörfern?

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Die Bewohner der sächsischen Dörfer feierten schon früher gern – im Bild ist ein geschmücktes Pferdefuhrwerk zum Erntefest zu sehen.

Quelle: Privat

Busendorf. Sächsische Dörfer mitten in der Mark Brandenburg? Ja, das gibt’s wirklich. In der alten Literatur werden Busendorf, Kanin und Klaistow immer wieder als die „drei sächsischen Dörfer“ bezeichnet. Was kein Wunder ist, auch wenn es Leute mit Geografiekentnissen kaum glauben mögen, liegt doch inzwischen die sächsische Grenze in weiter Ferne: Das Trio aber gehörte jahrhundertelang zum Kurfürstentum Sachsen. Wenn Napoleon den Krieg nicht verloren hätte, wer weiß, vielleicht würden die Busendorfer, Kaniner und Klaistower heute noch ein Vorposten des südlichen Nachbarn sein. Doch es kam anders. Nach dem Sieg über Napoleon wurden mit dem Wiener Kongress 1815 Teile von Sachsen, die an der Seite Frankreichs standen, den Preußen zugeschlagen.

Die feindliche Übernahme vor 200 Jahren ist inzwischen ein Grund zum Feiern. Anfang September laden die drei sächsischen Dörfer zum Jubiläumsfest ein – 200 Jahre in Brandenburg-Preußen. Drei Tage lang wird das in den drei Orten gefeiert.

Die Kaniner Feldsteinkirche ist die älteste in Brandenburg

Die Kaniner Feldsteinkirche ist die älteste in Brandenburg. Erbaut wurde sie im Jahr 1138

Quelle: Thomas Lähns

Was aber ist geblieben von Sachsen in jenen Dörfern, die seit 2001 zu Beelitz gehören? Sächsisch wird nicht gesprochen, sagt Busendorfs Ortsvorsteher Matthias Gedicke. Den Dialekt der südlichen Nachbarn hört man nur noch am Rande des Fußballplatzes, wenn der SV 71 Busendorf aufläuft und Vereinschef Raik Knoche seine Leute anfeuert. Knoche stammt aus Leipzig und kam erst später in die einstige sächsische Enklave. Teile des alten Grenzverlaufs sind aber noch zu sehen, weiß die Klaistowerin Christel Niederland. Ein alter Grenzstein etwa liegt im Wildgehege des Klaistower Spargelhofs. Auch eine Schneise im Wald mit Erdhaufen und Gräben zeigt an: Hier war vor mehr als 200 Jahren preußisch-sächsisches Grenzgebiet. Die Heimatforscher Ernst Paul und Lutz Fahron sind den früheren Grenzverlauf sogar einmal abgelaufen. Auf alten Karten bilden die drei sächsischen Dörfer so etwas wie eine Beule, die mitten in preußisches Gebiet hineinragt. Und selbst auf neueren Flurkarten finden sich Spuren aus der sächsischen Zeit. Ein Waldstück wird im Volksmund heute noch „Kaffeegrund“ genannt. Christel Niederland kennt die Hintergründe. „In der Gegend wurde auf wundersame Weise aus Roggen Kaffee“, sagt sie. Man könnte die Geschichte auch so erzählen. Die waldreiche Gegend war bevorzugtes Arbeitsgebiet der Kaffeeschmuggler. Im 18. Jahrhundert kam in Frankreich das Kaffeetrinken in Mode. Das Getränk, das in Sachsen mit Freude getrunken werden durfte, war in Preußen verboten oder wurde mit hohen Zöllen belegt. So kamen Fuhrwerke mit Säcken voller Kaffee in die Dörfer, um die Bohnen von dort über verschlungene Wege über die Grenze nach Preußen zu schmuggeln.

Festprogramm zum Jubiläum

Busendorf , Kanin und Klaistow – die drei sächsischen Dörfer – feiern am 4., 5. und 6. September 200 Jahre in Brandenburg-Preußen.

Los geht es am 4. September , 15 Uhr, mit der Öffnung der kleinen Kunstscheune Kanin und mit einem Hoffest am Wohnprojekt „Lauter Leben“. In der Kirche Kanin findet 16 Uhr ein Festgottesdienst und ein Orgelkonzert statt.

Am 5. September wird in Busendorf zugleich der Beelitz-Tag begangen. Schausteller, Reitvorführungen und eine Ausstellung warten ab 10 Uhr auf Besucher. Das Fest klingt am 6. September mit einem Frühschoppen aus.

Den umgekehrten Weg ging mancher preußische Grenadier, der sich dem Drill der Armee mit einer Flucht ins liberalere Sachsen entziehen wollte. Friedrich-Wilhelm I. und auch seinem Sohn, Friedrich II., waren die drei sächsischen Dörfer deshalb ein Dorn im Auge. Die Preußen hatten ein Reiterkommando zwischen Caputh und Ferch stationiert, um flüchtende Soldaten abzufangen. Wer es bis in die sächsischen Dörfer geschafft hatte, wähnte sich in Sicherheit, war es aber nicht überall. Grenadiere, die in den „Kaniner Krug“ einkehrten, begingen einen verhängnisvollen Fehler. Das Lokal war eine preußische Exklave in der sächsischen Enklave. Genutzt wurde es als Deserteurfalle, erzählt Christel Niederland. Sie haben gedacht, sie wären in Sachsen und wollten ein Bierchen trinken – und dann schnappte im Kaniner Krug das preußische Fangkommando zu. „Die Soldaten wurden aufs Pferd gebunden und zurück nach Preußen gebracht“, sagt Niederland. Das war die preußisch-korrekte Art, geflohene Soldaten zurückzuholen. Die Deserteure sollten auf dem Rückweg nicht sächsischen Boden betreten und wurden deshalb aufs Pferd gebunden. Als die drei Dörfer 1815 Preußen zugeschlagen wurden, war das für die damaligen Einwohner ein Einschnitt – für junge Männer zum Beispiel galt plötzlich die Wehrpflicht. Heute denkt freilich kein Busendorfer mehr daran, die Beschlüsse des Wiener Kongresses rückgängig zu machen. Die sächsische Grenze ist weit entfernt und die 200 Jahre in Preußen Anlass für ein großes Fest. Ihre Ursprünge haben die Ex-Sachsen aber noch in den 1990er Jahren für die Ewigkeit festgehalten – im Ortswappen, das bewusst die sächsischen Landesfarben schwarz-gelb trägt.

Von Jens Steglich

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