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„Ha(a)rmonie zwischen Kamm und Schere

Güterfelde „Ha(a)rmonie zwischen Kamm und Schere

In Güterfelde feiert die Friseurin Sigrid Ihlenburg am 1. September das 30-jährige Bestehen ihres kleinen Salons. Die gebürtige Babelsbergerin wollte schon von ihrer Kindheit an ihren Beruf ergreifen. Ihre Kunden, die nicht aus dem Ort, sondern auch aus Potsdam, Berlin und Stahnsdorf kommen, schätzen vor allem die familiäre Atmosphäre in dem Haus am Kirchplatz.

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Sigrid Ihlenburg frisiert eine Kundin in ihrem seit 30 Jahren bestehenden Salon in Güterfelde. Friseuse ist sie schon viel länger.

Quelle: Martin Steger

Güterfelde. Sigrid Ihlenburg gehört eher zu jenen stillen Menschen, die im Alltag nicht besonders auffallen, aber vielen sicher fehlen würden, gäbe es sie nicht. Seit dreißig Jahren wäscht sie anderen den Kopf – ganz offiziell und mit behördlicher Erlaubnis. In ihrem kleinen Friseursalon am Kirchplatz in Güterfelde kann sie am Donnerstag mit ihrer Angestellten Kornelia Leuenroth aus Stahnsdorf und einigen Kunden ihr Jubiläum vielleicht ein wenig feiern.

„Ich wollte schon als Kind unbedingt Friseurin werden“, bekräftigt die 61-Jährige. Ihre Puppen und Plüschtiere waren willkommene Objekte, an denen sie ihre ersten stylistischen Vorstellungen ausprobieren konnte. „Die kreativen Möglichkeiten und der Kontakt zu vielen Leuten reizen mich an meinem Beruf“, sagt sie. Dass viele ihrer Zunft die umgangssprachliche Bezeichnung „Friseuse“ eher abwertend als oberflächlich arbeitende Kollegin empfinden, stört sie nicht so sehr.

Nach ihrer Schulzeit zog die gebürtige Babelsbergerin 1969 mit ihrem guten Abschlusszeugnis in ihrem Viertel und in Potsdam von Salon zu Salon, um eine Lehrstelle zu bekommen. In die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) der DDR wollte Sigrid Ihlenburg seinerzeit nicht eintreten. Im privaten Friseursalon von Helmut Bölke in der Potsdamer Jägerallee, den es heute nicht mehr gibt, fand sie endlich den erträumten Ausbildungsplatz. „Ich hätte nicht gewusst, was ich machen soll, hätte ich die Lehrstelle damals nicht bekommen.“

Nicht an großen runden Luftballons, sondern gleich am Kinn ihres Chefs erlernte die angehende Friseurin die Nassrasur. „Das gibt es heute kaum noch.“ Auch die Dauerwelle oder der Dutt, die früher ganz modern waren, seien mittlerweile stark zurückgegangen. „Jetzt tragen die Frauen ihre Haare meist kurz und gefönt“, sagt Sigrid Ihlenburg. Besonders die Frauen der russischen Offiziere, die in der Hegelallee stationiert waren, liebten den hohen Haarknoten. „Wir hatten in der Schule ja russisch als Pflichtfach, und eine Kollegin beherrschte die Sprache perfekt. Sie musste immer übersetzen.“ Für den Dutt knüpften die Friseurinnen bei Helmut Bölke die Haarteile selbst, die ihnen Kundinnen aus Resthaaren nach einer Kurzfrisur hinterließen. Haarteile knüpfen war auch Bestandteil der Gesellenprüfung.

Als sie 1973 den Landwirt Jürgen Ihlenburg heiratete und zu ihm nach Güterfelde zog, wechselte Sigrid Ihlenburg auch beruflich nach Stahnsdorf. Dreizehn Jahre sollte es noch dauern, bis sie endlich am 1. September 1986 in einem früheren HO-Laden der staatlichen Handelsorganisation der DDR ihren eigenen Salon eröffnen konnte. „Das war gar nicht so einfach. Es gab zunächst keine Spiegel, keine Waschbecken.“ Ihr Obermeister half ihr damals bei der Einrichtung. Mit einer alten und einer neuen Frisierhaube konnte sie schließlich beginnen.Mit dem Ende der DDR kam auch das Ende der Mangelwirtschaft. Vertreter aller erdenklichen Kosmetikhersteller liefen ihr nun die Tür ein. Sigrid Ihlenburg musste sich auf die neuen Maßstäbe eines Friseursalons einstellen. 1993 bildete sie sich zur Fußpflegerin weiter, ein Jahr später kam ein Kosmetikkurs dazu. Jetzt brauchte die Friseurin personelle Unterstützung und stellte ihre erste Mitarbeiterin Gudrun Geier ein.

Als diese in den Ruhestand ging, kam Kornelia Leuenroth, von allen nur „Conny“ genannt, ins Haus. Die Konkurrenz anderer Salons oder Friseurketten fürchtet Sigrid Ihlenburg nicht. Ihre Kundschaft besteht zu 90 Prozent aus Stammgästen, die nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus Potsdam, Berlin oder Stahnsdorf kommen. „Die Leute schätzen die familiäre Atmosphäre.“ Die Güterfelder selbst vereinbaren ihre Friseurtermine mit Sigrid Ihlenburg oft beim Gespräch über die Straße.

Natürlich ist auch in Güterfelde das Wetter Thema Nummer eins in den Gesprächen. Diskutiert wird außerdem über die Familie, den Ort und was in ihm noch so geplant ist. Nur die Politik bleibt tabu. „Wenn ich mich darüber aufrege, verschneide ich noch meinen Kunden ihre Haare“, sagt Sigrid Ihlenburg.

Ihr Wunsch zum Jubiläum fällt bescheiden aus: „Die Hauptsache ist, ich bleibe gesund und kann meinen Salon noch lange führen.“

Junger Mann ließ sich Logo von Rammstein ins Haar schneiden

Einen außergewöhnlichen Wunsch hatte ein junger Mann, der sich das Logo von Rammstein ins Haar schneiden ließ. Dazu hatte er extra ein Bild mit dem Logo mitgebracht. Mit der Frisur wollte er zum Konzert der Band.

Güterfeldes Ortsvorsteher Dietrich Huckshold („Wir Vier“) hat sich noch nicht von Sigrid Ihlenburg frisieren lassen.

Ihr eigenes Haar lässt sich die Friseurin von ihrer Kollegin Kornelia Leuenroth schneiden.

Im Heimatjournal des RBB war der Friseursalon von Sigrid Ihlenburg zu sehen, als das Fernsehen einen Beitrag über Güterfelde drehte.

In der Gemeinde Stahnsdorf gibt es derzeit sieben Friseursalons.

 

Von Heinz Helwig

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