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Pilzzeit im Hohen Fläming Sammeln und genießen

Das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ sollte sich jeder Pilzsucher zu eigen machen. Auch wer wenig Essbares findet, kann sich an der Vielfalt erfreuen, die die Natur in der Pilzwelt hervorgebracht hat. Wer für die nächste Mahlzeit sammelt, sollte sich vorher genau überlegen, was er sucht und wo diese Pilzart am besten gedeiht.

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Jürgen Neuendorf (r.) geizt nicht mit seinem Wissen um die Schätze des Waldes, die jetzt ihre Köpfe aus dem Boden stecken.

Quelle: Uwe Klemens

Bardenitz. Die Wälder und Wiesen des Flämings werden jedes Jahr zur Schatzkammer und deshalb auch zum Besuchermagnet. „Etwa ein Viertel der europaweit rund 5.000 bekannten Pilzarten sind hier zu Hause“ schätzt einer, der es wissen sollte. Seit mehr als zehn Jahren durchkämmt der Bad Belziger Jürgen Neuendorf zwischen Wiesenburg, Treuenbrietzen, Brück und Borkheide die Wälder nach den so genannten Großpilzen. Als Pilzsachverständiger teilt er sein Wissen mit jedem, der zu ihm kommt.

Am vergangenen Wochenende war es anders. Denn das vor eineinhalb Jahrzehnten erstmals initiierte Pilzfestival im Bardenitzer Dorfgemeinschaftshaus lockte auch diesmal eine große Schar Pilzinteressierter aus Fern und Nah. Mit Fusseln am Mund aber glücklich über den Erfolg der Veranstaltung.

Trockenheit macht Pilzen zu schaffen

„In diesem Jahr haben es die Pilze wegen der so lange anhaltenden Trockenheit schwerer als sonst, auch wenn das Wetter in diesen Tagen ideal für sie ist“, sagt Neuendorf. Pünktlich zum Beginn des Festivals war seine Sorge, ob denn schon genug Pilze ihre Köpfe aus dem Boden stecken würden, verflogen. 123 frisch geerntete Pilzarten konnten die Besucher beäugen, betasten, beschnuppern und in vorsichtigen Dosen aus kosten. Die meisten davon hatte Neuendorf mit seinem Kollegen Reinhard Lamprecht wenige Tage und Stunden zuvor erst ins Körbchen getan.

Der Silberlöffel ist passé

Illustrierte Fachbücher taugen als Hilfe beim Pilzesammeln nur bedingt, da die jeweiligen Besonderheiten oft übernatürlich betont oder zu schlecht zu erkennen sind.

Zur Ausrüstung eines Sammlers gehört neben einem Korb, in dem die Pilze nicht quetschen und Luft bekommen, ein Messer und eine Lupe, mit der sich auch die Faserstruktur bestimmen lässt.

Dem weit verbreiteten Mythus, eine mitgekochte Zwiebel oder ein Silberlöffel würden bei Giftpilzen blau anlaufen, sollte niemand Glauben schenken, der nicht selber blau anlaufen will.

Am sichersten ist es, sich den Rat eines Pilzkenners einzuholen. Bei den Landesverbänden der Pilzsachverständigen in Potsdam und in Berlin kann man sich über die etwa wöchentlich stattfindenden Beratungstermine informieren.

Am 22. und am 24. September wird Jürgen Neuendorf von 10 bis 14 Uhr auf dem Bad Belziger Wochenmarkt mit einem eigenen Beratungsstand vertreten sein.

„Für mich ist Pilzesammeln mehr, als nur nach Essbarem für die eigene Pfanne zu schauen“, sagt Neuendorf. Sein erster Rat an Pilzsucher lautet deshalb, das Erleben der Natur und Vielfalt in den Vordergrund zu stellen. So ist auch ein Tag mit magerer Pilzausbeute längst kein verlorener Tag. Neuendorfs zweiter Rat: „Man sollte sich gut vorbereiten und den Rat von erfahrenen Pilzsammlern einholen. Ein Pilzbuch unterm Arm ist zwar eine kleine Hilfe, aber keine verlässliche. Denn eine Zeichnung hebt die Merkmale meist stärker hervor, als man sie als Laie dann erkennt, beim Foto ist es oft umgekehrt.

Was in der Pilzwelt Rang und Namen hat

Finden lässt sich seiner Erfahrung nach im Fläming fast alles, was in der Pilzwelt Rang und Namen hat. Aber nicht jedem Pilz fühlt sich an jedem Standort gleich wohl. Wer spezielle Vorlieben hat, sollte sich vorher umschauen, welche Bedingungen sein Favorit gerne hat. Steinpilze beispielsweise bevorzugen nährstoffarme Boden, die man in der Region Brück und Görzke oft antrifft. Pfifferlinge wachsen normaler Weise gerne unter Kiefern. Wegen der Hitze der Sommermonate kann man sie in diesem Jahr eher auf Birkenlichtungen finden, da sie sich in der Restfeuchte des Laubes wohler fühlen. „Und Maronen findet man praktisch überall“, so der Fachmann.

Genauere Standorte zu verraten, mag Jürgen Neuendorf nicht. „Und zwar nicht, weil ich Angst habe, jemand könnte mir die Pilze wegpflücken“, wie er sagt. Aber derart leistungsorientierte Sammler bringen sich selbst um das Naturerlebnis und richten oftmals auch großen Schaden an. Dass Leute mit der Harke ganze Areale umwühlen und dabei das Pilzgeflecht im Boden zerstören, sei keine Seltenheit.

„Wer sich in diesen Tagen mit Gelassenheit auf die Suche macht, hat aber gute Chancen, auch sein Körbchen zu füllen“, versichert Neuendorf.

Von Uwe Klemens

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