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Der Sandmann ist da

Beelitz Der Sandmann ist da

In der Alten Posthalterei in Beelitz wurde eine Sandmann-Ausstellung mit annähernd 120 Puppen und Tieren sowie 76 Fahrzeugen des kleinen Schlafbringers eröffnet. Bis zum 31. Januar des nächsten Jahres können die Originale aus knapp 60 Jahren Sandmännchen besichtigt werden. Die Schau hat dienstags sowie freitags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

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Zur Eröffnung begrüßten Winfried Kujas (l.) und Bernhard Knuth auch Corinna Neun und ihren Sohn Jann Erik im Sandmännchen-Kostüm.

Quelle: Th. Lähns

Beelitz. „Der Sandmann ist da, der Sandmann ist da...“, sangen Beelitzer Kinder am Wochenende in der Alten Posthalterei der Spargelstadt. Pünktlich um 18.50 Uhr hatten Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) und Ausstellungsleiter Winfried Kujas die Schau mit etwa 120 originalen Puppen und Tieren sowie mit 76 Fahrzeugen aus der fast 60-jährigen Geschichtes des kleinen Mannes eröffnet. Bis zum 31. Januar 2018 können Kinder, Eltern und Großeltern in den Räumen der Stadtbibliothek ihren treuen Begleiter beim allabendlichen „Abendgruß“ und seine Gastgeber bewundern beziehungsweise wiedertreffen. Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitagabend waren bereits mehr als einhundert Besucher gekommen. Der kleine Jann Erik aus Beelitz war zum Auftakt extra in ein Sandmann-Kostüm geschlüpft und hatte selbst den Bart nicht vergessen.

Hauptamts- und Sozialbereichsleiterin Dörthe Kiesel von der Stadtverwaltung Beelitz hatte beim zufälligen Surfen im Internet den Hinweis auf die Sandmann-Ausstellung entdeckt. Sie konnte Kujas dafür gewinnen, seine Fernsehpuppen für zwei Monate in der Spargelstadt zu zeigen. Der frühere Produktionsleiter des einstigen Trickfilmstudios des Deutschen Fernsehfunks und späteren DDR-Fernsehens reist seit 1993 mit seinen Trickfilmrequisiten durch ganz Deutschland. Nach eigenen Angaben hat er seine Ausstellung schon an mehr als 100 Orten gezeigt.

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Das beliebte (Ost-)Sandmännchen konnte sich erfolgreich gegen das „Lied der jungen Naturforscher“ durchsetzen, das ursprünglich für den Abendgruß vorgesehen war. Die erste Sendung lief am 22. November 1959 über den Bildschirm. Welche Erinnerungen und Andenken verbinden Sie mit dem Sandmann, liebe Leser? Schreiben Sie uns und schicken Sie Ihre Bilder an: leserbriefe@MAZ-online.de

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Dabei war der Fernseh-Sandmann bei seiner Geburt 1959 nicht einmal ein ausgesprochenes Wunschkind. Im DDR-Rundfunk gab es ihn schon seit 1956. „Wir hatten erfahren, dass das Westfernsehen an einem Sandmännchen arbeitet und bekamen den Auftrag, ihm mit einem eigenen Abendgruß zuvorzukommen“, erinnert sich Kujas. Das Sandmann-Lied entstand in nur drei Stunden. Den Text des bekannten Kinderbuchautors Walter Krumbach gab die Trickfilm-Redakteurin Inge Trisch dem Komponisten Wolfgang Richter am Telefon durch. So wie Trisch den Text rezitierte, klimperte Richter sinnierend eine Melodie auf seinem Klavier – und das Sandmann-Lied war komponiert. Nach einer gewissen Verfeinerung wurde es als gut befunden und konnte sich erfolgreich gegen das „Lied der jungen Naturforscher“ durchsetzen, das ursprünglich für den Abendgruß vorgesehen war. Die erste Sendung lief am 22. November 1959 über den Bildschirm.

Zunächst kam das Sandmännchen zu Fuß oder mit Skiern zu den Kindern. 1960 erhielt es erstmals ein kleines rotes Auto. „Wir mussten den ersten Film allerdings vor seiner Ausstrahlung wieder vernichten und die Szenen neu drehen. Das Sandmännchen parkte sein Auto mitten auf der Kreuzung. Das ging natürlich nicht“, erzählt Kujas. Später erweiterte sich nicht nur der Fuhr- und Flugpark des Wichtes. Zu den anfänglichen Alltagssituationen kamen auch immer mehr Märchenmotive, Freundschaftsbegegnungen und anderes dazu. Anfangs sollte sich das Bild beim Abspann einfach nur in eine weiße Übergangsfläche auflösen. Das erschien den Trickfilmern aber zu eintönig. Also ließen sie das Sandmännchen irgendwann den Traumsand streuen. Mit der Wende war es auch erst mit dem Sandmännchen vorbei. Zwei Elternpaare aus Lichtenberg und aus Westberlin setzen mit Unterschriftenaktionen den Fortbestand des Knirpses durch. Bei der Wiederaufnahme der Sendungen hatte bereits die Auflösung des Trickfilmstudios begonnen. Einige Mitarbeiter hatten sich ihre Puppen mit nach Hause genommen. Mit dem Verweis auf bestehende Urheberrechte bewahrte Kujas den Rest vor einem eventuellen Ausverkauf. Mit einigen Mitstreitern gründete er 1992 die Sandmannstudio Trickfilm GmbH Berlin, die das Sandmännchen bis 2008 produzierte. Jetzt ist es eine Koproduktion des RBB mit dem MDR und dem NDR.

Parallel zwei bis drei Ausstellungen im Jahr baut Winfried Kujas an verschiedenen Orten auf. Neben der Beelitzer Schau ist am Montag eine Ausstellung in Finsterwalde eröffnet worden. Über den großen Andrang gerade auch vieler Kinder zur Eröffnung in Beelitz hat sich Kujas sehr gefreut.

Kinder schickten dem Sandmännchen Bettwäsche und Kleidung

Bis zur Wende entstanden im Trickfilmstudio mehr als 400 Vor- und Abspänne des Sandmännchens. Nach der Wende kamen etwa 100 neue Folgen dazu.

Der erste Sandmann hatte ein recht ärmliches Aussehen, sagt Kujas. Kinder und Eltern schickten deshalb Bettwäsche und Kleidung an das Trickfilmstudio.

In seinem privaten Archiv bewahrt Winfried Kujas rund 350 Puppen und annähernd 220 Fortbewegungsmittel für das Sandmännchen auf.

Der Vor- und Abspann war früher etwa dreieinhalb Minuten lang. Das gab den Kindern Zeit, sich vor dem Fernseher zu sammeln, sagt Kujas. Nach der Wende schrumpften die Folgen auf etwa 75 Sekunden, weil die Sendeanstalten nicht mehr soviel Sendezeiten dafür zur Verfügung hatten.

Im Trickfilmstudio arbeiteten zu DDR-Zeiten insgesamt 70 Festangestellte. Das Studio verfügte über eine eigene Holzwerkstatt, in der die Fahrzeuge des Sandmännchens entstanden.

Der Traumsand wurde früher per Hand produziert. Ein weißer Klecks wurde auf eine Glasscheibe vor der Kamera aufgebracht und gefilmt. Dann kam der nächste weiße Klecks. Das wiederholte sich bis zum fertigen Traumsand unzählige Male.

Der Schriftzug „Abendgruß“ wurde nach der Wende vom Bildschirm entfernt. Die Schriftart soll von DDR-Bildungsministerin Margot Honecker als ideal für die Kinder vorgegeben worden sein, hieß es zur Begründung.

Die Ausstellung ist dienstags sowie freitags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Von Heinz Helwig

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