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Saniertes Fachwerk beherbergt jetzt Urlauber

MAZ zu Hause in Ferch Saniertes Fachwerk beherbergt jetzt Urlauber

Da steckt viel Liebe drin: Sybille und Norbert Seidel haben das Heidehaus in der Kemnitzer Heide in Ferch ökologisch und denkmalgerecht saniert. Anfangs wollten sie es nach der Herrichtung wieder verkaufen, doch sie entschieden sich dagegen. Jetzt kann man in dem Fachwerkhaus stilvoll zwischen gestern und heute Urlaub machen.

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Sybille und Norbert Seidel haben sich nach der Sanierung gegen den Verkauf entschieden.

Quelle: Mandy Mamedow

Ferch. Gewachsen ist vieles im, am und um das Heidehaus in Ferch, nicht nur die Jahre, die dem Fachwerkbau in den Balken stecken. Gewachsen ist auch die Liebe von Norbert und Sybille Seidel zu diesem Haus, mit jedem Spaziergang zur Pilzzeit in der Kemnitzer Heide ein bisschen mehr. „Ein Bild eines solchen Hauses hatte ich als Kind auf meinen Märchenwürfel“, erinnert sich Sybille Seidel. Ihr Mann Norbert hat ebenfalls schon frühzeitig sein Interesse für solche Bauten entdeckt und auf seiner Modeleisenbahn die Fachwerkhäuser von Stolberg im Harz in Miniatur auferstehen lassen. Viele Spaziergänge und Jahre später hat der Bauingenieur dann endlich sein Fachwerkhaus in groß zwar nicht komplett selbst gebaut, doch nahezu neu erdacht und ökologisch und denkmalgerecht saniert.

Urlaub im Denkmal

Urlaub im Denkmal: auffällige Zeichen der Moderne sucht man hier vergebens.

Quelle: Mandy Mamedow

Dort, wo vor einigen Jahren nur noch ein entkerntes Balkengerüst auf Stützkonstruktionen schwebte, kann man heute stilvollen Urlaub im Denkmal genießen. Seinen Namen verdankt das Heidehaus seiner Lage in der Kemnitzer Heide am nordwestlichen Rand von Ferch. Von außen wirkt es wie eine Momentaufnahme aus dem 18. Jahrhundert, der Zeit aus der das Haus stammt. Streift man über das als Naturgarten gestaltete Grundstück, finden sich überall Sitzecken und Blumenbeete, eingefasst von alten Ziegeln, eine Gartenbank aus Balkenresten des Fachwerks. Im Inneren ergänzen sich Altes und Neues.

Schwarze Küche ist heute das technische Herz

Behutsam und mit viel Liebe zum Detail haben die Seidels das denkmalgeschützte Objekt nach dem Erwerb von der Gemeinde Werder zwischen 2011 und 2015/16 komplett saniert. „Es lag uns am Herzen, das Haus zu erhalten. Eigentlich wollten wir es nach der Sanierung verkaufen“, erzählt Sybille Seidel. Doch da war die Liebe trotz manch entbehrungsreicher Momente schon zu sehr gewachsen, die Verbindung zu stark. „Wir haben hier so viele Geschichten erlebt, so vieles entdeckt. Hinter den Dachbalken waren die Fünfen von Klassenarbeiten aus den 1960er Jahren versteckt“, erzählt Sybille Seidel. Norbert Seidel hat aus Porzellanscherben alter Fußbodenverdichtungen eine Tee- und Kaffeekanne zusammengepuzzelt, die ursprünglich aus dem Haus am See stammte. Das sind nur zwei Anekdoten, die den Seidels in Erinnerung blieben, zwei von vielen aus all den Jahren einer wechselvollen Geschichte. Das Haus beherbergte im 18. und 19. Jahrhundert Waldarbeiter und Bauern, später diente es als Landschulheim und wurde zuletzt bis 2007 als Wohnhaus genutzt.

Zwischen 2007 und 2011 stand das Haus leer

Zwischen 2007 und 2011 stand das Haus leer.

Quelle: Mandy Mamedow

Wohnen wollten die Seidels jedoch nicht im Heidehaus. Ein Verkauf kam für sie aber nicht mehr in Frage. Also bot sich eine Nutzung als Ferienhaus an. Auf 100 Quadratmetern wird man vom Charme vergangener Tage, verbunden mit den Annehmlichkeiten von heute verzaubert. „Die ehemals schwarze Küche des Hauses ist heute das technische Herz“, erklärt Norbert Seidel und verweist auf Raffinessen wie eine Wandheizung. Sowohl bei der minimalistischen Gestaltung der Innenräume, als auch bei der Sanierung des Denkmals zeigten sich der Bauingenieur und die studierte Gebietsplanerin spitzfindig.

Volles Haus an Wochenenden und in der Ferienzeit

Zwei aus der Region erhalten etwas in der Region mit Materialien und Arbeit aus der Region für die Region. So könnte man kurz das über einige Jahre andauernde Projekt der ambitionierten Eheleute aus Werder beschreiben. Die Liebe zur Heimat und Wertschätzung der Natur spiegelt sich sowohl in der Wahl der Rohstoffe sowie der Ausstattung und Gestaltung des Hauses und seiner Außenanlagen wieder. Kunststoffe, Beton, Fernseher, Radio, Heizkörper und andere allzu auffällige Zeichen der Moderne sucht man vergebens. Wo möglich verwendeten die Seidels naturbelassene Rohstoffe. Überall begegnet man einem gelungenen Konsens aus damals und heute, den inzwischen nicht nur Urlauber aus entfernten Gegenden wie Baden Württemberg sondern häufig auch Gäste aus dem nahen Potsdam und Berlin zu schätzen wissen. Mit einem Inserat in der Zeitschrift „Landlust“ hat sich die Nachfrage 2016 sprunghaft erhöht, so Norbert Seidel. Viel Werbung brauche es aber nicht, denn die Mund-zu-Mund-Propaganda sei ausreichend, um an vielen Wochenenden das Jahres und vor allem zur Ferienzeit ein volles Haus zu bescheren. Nur dass so viele Leute im Sommer kommen wollen, versteht Sybille Seidel nicht ganz. „Im Winter ist es fast noch idyllischer hier, vor allem wenn der Kamin brennt und man es sich in der Sauna so richtig gut gehen lassen kann.“

Im 18. Jahrhundert lebten dort Kossäten

Das Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1735. Es hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Zuletzt wurde es bis 2007 als Wohnhaus genutzt und von 2011 bis 2015 denkmalgerecht und ökologisch saniert.

Seit zwei Jahren vermieten es Sybille und Norbert Seidel als Ferienhaus für zwei Personen, eine Aufbettung ist auch möglich.

Das Wohnhaus steht im Nordosten der kleinen, ehemals zum Gut Kemnitz gehörenden, westlich von Ferch gelegenen Waldsiedlung.

Neben einem Forsthaus gab es Häuser von Waldarbeitern. 1772 waren hier vier Kossäten ansässig. 1801 wohnten dort fünf Büdner, ein Einlieger und ein Förster.

Von Mandy Mamedow

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