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Potsdam-Mittelmark Sanierung: Jetzt werden Fenster-Paten gesucht
Lokales Potsdam-Mittelmark Sanierung: Jetzt werden Fenster-Paten gesucht
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00:20 01.10.2017
Anette Benke (l.) und Sabrina Kienow vom Gemeindekirchenrat mit Schiefertafeln, die an die Sanierungsarbeiten erinnern sollen. Quelle: Christiane Sommer
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Buchholz

Die bunten Fenstergläser waren schon immer der Hingucker in der Dorfkirche zu Buchholz bei Niemegk. Doch der Zahn der Zeit nagte zuletzt so sehr an ihnen, dass man sie zuletzt kaum noch wahrnahm. Erst im Rahmen der Hüllensanierung der Kirche in den vergangenen Monaten wurden auch die alten Bleiglasfenster aufgearbeitet. „Waren die kleinen Scheiben schon immer so bunt“, fragten die Besucher zur Kirchenweihe im Juni. „Sie waren es. Man hat es nur nicht mehr erkannt“, sagt Anette Benke.

Das Farbenspiel, welches seitdem von den sechs großen Kirchenfenstern ausgeht, inspirierte Annette Benke und ihre Kollegin Sabrina Kienow vom Gemeindekirchenrat zum Konzept der Scheibenpatenschaften. In anderen Orten funktioniert dasselbe System immerhin bereits erfolgreich. In Brück beispielsweise wurden knapp 80 neue Orgelpfeifen auf diese Weise finanziert. Die sechs großen Kirchenfenster mit ihren jeweils 47 farbigen kleinen Scheiben in Buchholz bieten ordentlich Raum für Patenschaften. Zehn Euro ist den Buchholzern jede ihrer 282 Scheiben wert.

Die Idee fiel in dem Dorf bei Niemegk prompt auf fruchtbaren Boden: Nachdem sich die ersten Paten für die kleinen, bunten Glasscheiben bereits am Tag der Kirchweihe im Juni diesen Jahres fanden, hat sich ihre Zahl mittlerweile auf 59 erhöht.

Sechs große Fenster mit je 47 bunten Glasscheiben gibt es in der Buchholzer Dorfkirche. Quelle: Christiane Sommer

Unter den Paten sind neben Einwohnern beispielsweise der Bad Belziger Glasermeister Jörg Gauruhn und der Niemegker Bürgermeister Hans-Joachim Linthe. „Es ist auch schön zu hören, wer wem eine Patenschaft widmet“, erzählt Anette Benke. Da haben Eltern ihren Kindern eine bunte Scheibe im Kirchenfenster geschenkt und Kinder den bereits verstorbenen Eltern oder Großeltern eine solche gewidmet.

„Besonders begehrt waren bislang die Scheiben rechts und links vom Altar“, ergänzt Sabrina Kienow. Dass eine bestimmte Farbe in der Gunst der Paten besonders hoch liegt, konnten die beiden Frauen, die die Patenschaften verwalten, jedoch nicht feststellen.

Mit dem durch die Patenschaften eingenommenen Geld sollen die noch ausstehenden Arbeiten im Innern der Buchholzer Dorfkirche erledigt werden. „Es gibt noch so viel zu tun“, erklärt Anette Benke. So warten aktuell beispielsweise die alten Holzbänke und die Schallluken im Turm auf einen neuen Farbanstrich, die Orgel auf eine Reinigung und die Wände im Vorraum auf neuen Putz und frische Farbe. Abschließend sollen dann auch die Namen aller Scheibenpaten im Turmaufgang verewigt werden.

Zeitkapsel für die nächsten Sanierer

Sind erst einmal die Schallluken gestrichen, wollen die Frauen vom Gemeindekirchenrat außerdem eine neue Ansichtskarte von ihrer Kirche auflegen lassen. Ein Exemplar dieses Kartengrußes soll dann der Zeitkapsel beigefügt werden, die demnächst ihren endgültigen Platz in der Kirche finden wird. Die Dokumente, die darin für nachfolgende Generationen bestimmt sind, liegen fast vollständig bereit, darunter auch drei Schiefertafeln.

Die beiden alten stammen von 1954 und wurden bei der damals erfolgen Sanierung von den Handwerkern im Turm zurückgelassen - einem alten Brauch folgend. Sie tragen die eingeritzte Aufschrift: „Bei Wind und Kälte im November 1954 haben wir den Turm repariert. Die Dachdecker Hermann Rosenthal und Paul Dähne aus Niemegk, den 13.12.1954“. In jenem Jahr war die Buchholzer Kirche, die 1849 abgebrannt und ab 1854 neu aufgebaut worden war, gerade einmal 99 Jahre alt.

Auf der neuen Tafel verewigte sich nun ebenfalls jener Dachdecker, der im Mai die Schiefereindeckung des Kirchturmes erneuerte. Auflistungen der Gewerke die an der 170 000 Euro teueren Sanierung beteiligt waren, eine Dokumentation des Restaurators Udo Drott aus Bad Belzig über historische Funde in den 700 Jahre alten Grundmauern der Kirche sowie Münzen komplettieren die Beigaben der Zeitkapsel. Sie wird an einer geheimen Stelle deponiert, damit sie wirklich erst bei den nächsten Sanierungen an der Kirche wieder zutage kommt.

Von Christiane Sommer

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