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25 Millionen Fördergeld für Werders City

Marodes Haus gegen Neubau 25 Millionen Fördergeld für Werders City

Seit 1991 sind 25 Millionen Euro Fördermittel in die Sanierung der Werderaner Innenstadt geflossen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Allein auf der Inselstadt wurde mit Hilfe der Zuschüsse 70 Häuser saniert. Bei einem Presserundgang präsentierte die Stadt sechs neue Erfolgsprojekte und kündigte zudem die Beseitigung einer der letzten Schandflecke an.

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Matthias Seeger (l.) und Werders Erster Beigeordneter Christian Große vor dem sanierten Haus in der Fischerstraße 31.
 

Quelle: Jens Steglich

Werder.  Die Innenstadt in Werder verliert einen ihrer letzten Schandflecke. Das marode Gebäude der ehemaligen Fleischerei Wolf in der Brandenburger Straße soll einem Neubau Platz machen, der sich in die Umgebungsbebauung einpasst. Das sagte Christian Große, Werders Erster Beigeordneter, am Rande eines Presserundgangs durch das Sanierungsgebiet „Innenstadt“. „Wir sind sehr glücklich, dass in die Sache Bewegung hineingekommen ist.“ Investoren sollen die Beelitzer Spargelbauern Jürgen und Josef Jakobs sein, die in dem Haus altersgerechte Wohnungen einrichten wollen. Das Projekt soll jetzt im Bauausschuss erstmals vorgestellt werden.

Die Stadt und ihr Sanierungsträger präsentierten derweil sechs bereits geglückte Vorhaben im Sanierungsgebiet, die in den vergangenen zwei Jahren in Angriff genommen worden waren. So hat die städtische Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder (HGW) das Haus Unter den Linden 14, das einst für den Gastwirt Schrobsdorff Ende des 19 Jahrhunderts gebaut wurde und in dem sich zu DDR-Zeiten auch die SED-Kreisleitung befand, modernisiert und saniert. Am Haus, in dem sich inzwischen Wohnungen befinden, wurde die reich verzierte, stadtbildprägende Straßenfassade rekonstruiert. Sie jetzt wieder ein Hingucker. Für die Gebäudehülle konnte HGW rund 105 000 Euro aus dem Städtebauförderprogramm einsetzen. Das Programm hat sich in Werder und zahlreichen anderen Ost-Kommunen als Erfolgsmodell für die Wiedergewinnung der Altstädte erwiesen. Seit 1991 sind ins Werderaner Sanierungsgebiet 25 Millionen Euro Fördermittel geflossen, sagte Matthias Seeger vom Potsdamer Sanierungsträger, der in Partnerschaft mit Werder das Sanierungswerk managt. Von der genannten Summe steuerten Bund und Land 19,3 Millionen Euro bei, den Rest die Blütenstadt selbst. Die Zuschüsse lösten freilich ein noch größeres Investitionsvolumen von privaten Eigentümern aus. Ein Förder-Euro generierte in der Folge sechs bis zehn Euro aus privaten Mitteln, sagte Seeger.

Ein Beispiel dafür, wie private Eigentümer mit Hilfe eines Förderzuschusses ein marodes Hausensemble zu neuem Glanz verholfen haben, ist das Grundstück Am Markt 19 auf der Inselstadt. Auf dem Areal, auf dem sich einst ein alter Fuhrbetrieb mit Trauer- und Hochzeitskutschen befand, lastete nach dem Ende der DDR einige Jahre lang ein Rückübertragungsanspruch. Aber auch der Eigentümer, der 2000 das Ensemble erwarb, schreckte am Ende vor der Sanierung zurück. So vergingen 20 Jahre des Leerstands, bevor sich 2013 Investoren aus Werder der Herausforderung annahmen. Annette Gast und Thomas Spieß verwandelten das einstige Fuhrwerk-Gelände in eine Wohnidylle mit Vorgarten und haben dabei sogar die alte Pferdetränke erhalten. Das Investoren-Paar aus Werder war auch an der Rettung des Anwesens in der Fischerstraße 31 beteiligt. Das Vorderhaus ist Baujahr 1880 und wurde zunächst als Hotel betrieben, bevor es 1924 eine Berliner Brauerei übernahm und es als Niederlassung nutzte. Nach 1990 waren häufige Eigentümerwechsel mit langem Leerstand verbunden. Inzwischen wohnen im frisch sanierten Haupthaus und den Gebäuden dahinter 16 Familien, so Vize-Bürgermeister Große. Und die Bauherren haben dem Vorderhaus seinen bereits vor langer Zeit verloren gegangenen Charme zurückgegeben. Aus dem Städtebauprogramm erhielten sie für ihr Sanierungswerk einen Zuschuss von 150 000 Euro. Mit Hilfe von Fördergeldern und privaten Investitionen wurden in den vergangenen zwei Jahren auch die Häuser in der Lindenstraße 23 und Am Mühlenberg 16 liebevoll wieder in Schuss gebracht. Mit 152 000 Euro Fördergeld konnten aber auch Hauptwege des Inselfriedhofs mit Natursteinen gepflastert werden. Die unbefestigten Friedhofspfade hatten sich zuvor vor allem in den Wintermonaten in Matschwege verwandelt. Seit Januar 2015 passiert das nicht mehr.

Sanierungsgebiet „Innenstadt“

Das Sanierunsgebiet „Innenstadt“ umfasst eine Fläche von etwa 59 Hektar. Auf dieser Fläche befinden sich insgesamt 370 Grundstücke. Zum Sanierungsgebiet gehören die Vor- und die Inselstadt sowie die Gegend am Plantagenplatz.

Von den etwa 345 Hauptgebäuden im Werderaner Sanierungsgebiet wurden bis Mitte 2015 etwa 80 Prozent saniert. Von den 120 Nebengebäuden sind rund 60 Prozent inzwischen wieder in Schuss.

Mit Städtebaufördermitteln wurden allein auf Werders Inselstadt 70 Häuser saniert.

Zudem sind in der Innenstadt ungefähr 95 Prozent der Straßen, Plätze und Wege saniert. Als eine der letzten noch unsanierten Fahrwege soll die Straße „Werderwiesen“ in Angriff genommen werden.

Saniert wird seit mehr als 20 Jahren nach Regeln einer Gestaltungssatzung, die die Stadtverordneten 1993 beschlossen hatten. Vorab war die Satzung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und Brandenburgs damaligen Stadtentwicklungsministerium abgestimmt worden.

Nach dem gegenwärtigen Stand soll das Sanierungsprogramm für die Werderaner Innenstadt im Jahr 2019 beendet werden.

 

Von Jens Steglich

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