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Satirestück über italienisches Theater

Borkheide Satirestück über italienisches Theater

Experiment geglückt: Die Veranstalterin des besonderen Abends, Edda Haage, betrat am Sonnabend gleich zwei Mal Neuland. Zum einen servierte sie dem Publikum traditionelles italienisches Theater des 16. bis 18. Jahrhunderts. Zum anderen kannte sie die engagierten Künstler diesmal nicht persönlich, sondern hatte sie im Internet entdeckt.

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Das deutsch-italienische Duo Gaby Bultmann (Berlin) und Daniele Ruzzier (Venedig) sorgte für gute Unterhaltung im „Fliegerheim“.

Quelle: Andreas Trunschke,

Borkheide. „Bravo! Bravo!“ – die Zuschauer sind am Ende des besonderen Abends im Restaurant „Fliegerheim“ in Borkheide begeistert. Dabei hatte Veranstalterin Edda Haage gleich zu Beginn sicherheitshalber festgestellt: „Das ist ein Experiment.“

Tatsächlich gab es etwas Vergleichbares in den 19 Jahren nicht, die die Kulturreihe „Der besondere Abend“ bereits stattfindet. „Commedia dell’arte“, traditionelles italienisches Theater des 16. bis 18. Jahrhunderts, stand diesmal auf dem Programm. Das deutsch-italienische Duo Gaby Bultmann (Berlin) und Daniele Ruzzier (Venedig) kombinierte auf lustvoll-unterhaltsame Weise die Satire „Il Teatro alla Moda“ des Venezianers Benedetto Marcello mit dessen eigener Musik.

Zahlreiche Auswüchse des Opernbetriebes kritisiert

Das Stück hatte Bultmann sofort gereizt, als sie eher zufällig an das Buch kam – erst in der italienischen Fassung, dann in der deutschen Übersetzung. „Das Witzige ist ja, dass Marcello alles, was er am damaligen Opernbetrieb kritisierte, in seiner Musik selbst bedient hat.“

Mit witzigen Kostümen rundeten die Darsteller ihre Satire ab

Mit witzigen Kostümen rundeten die Darsteller ihre Satire ab.

Quelle: Andreas Trunschke

In seinem Buch von 1720 kritisiert Marcello zahlreiche Auswüchse des damaligen Opernbetriebes. Jeder bekam sein Fett ab, von den Souffleuren über die Orchestermusiker und Kapellmeister, die Tänzer und Librettisten, die Mütter der Sängerinnen und die Sänger und die damals offenbar unvermeidlichen Bären bis hin zum Theaterkantinenpächter.

Auch an den Instrumenten zwei Multitalente

Zu den Tänzern merkt der Autor beispielsweise an, dass sie alles daran gäben, weder pünktlich auf noch von der Bühne zu gehen. Für eine gute Sängerin gehört es sich, keine gesangliche Ausbildung zu machen. In der Kantine gibt es viel Liebe zur Kunst und für die Getränke den vierfachen Preis. All das bringen Bultmann und Ruzzier mit viel komödiantischem Talent dar.

Gaby Bultmann am Klavier

Gaby Bultmann am Klavier.

Quelle: Andreas Trunschke

Beide verbinden grandios Musik und Tanz, Gesang und Rhetorik, Mimik und Gestik in ihrem Spiel. Zuschauerin Andrea Jennert, die selbst musiziert, ist fasziniert: „Ganz tolle Stimmen. Und sie passen hervorragend zur Musik.“ Bultmann und Ruzzier sind auch instrumental Multitalente. Sie spielen Cembalo, Flöte, Trommel und Trompete, außerdem alte Instrumente wie Taschengeige, Trumscheit und Vogelpfeife.

Die Texte werden zunächst auf deutsch erzählt und anschließend vom Venezianer Ruzzier mit viel Verve noch einmal auf Italienisch vorgetragen. Im Klang der Originalsprache wird das Komödiantische des überzogenen Textes noch deutlicher. Für die, die gekommen waren, hatte sich das Experiment von Haage gelohnt. Für Haage selbst war die Veranstaltung auch eine Art Blindflug. Anders als sonst kannte sie die Künstler vorher nicht persönlich, sondern hatte sie auf der Videoplattform Youtube entdeckt.

Von Andreas Trunschke

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