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Satteldiebe auf Beutezug

Diebe suchten Reiterhöfe in Nudow und Schenkenhorst heim Satteldiebe auf Beutezug

Sattelklau ist offenbar ein lukratives Geschäft für Hehler geworden, die ihre Ware irgendwo in Europa versilbern. Die Satteldiebe haben jetzt auch in der Region mehrfach zugeschlagen. Betroffen sind Reiterhöfe in Nudow und Schenkenhorst. 40 Pferdesättel und Zubehör im Wert von insgesamt etwa 120 000 Euro nahmen sie mit.

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Der letzte Sattel: Nur noch ein Modell ist der Nudower Reiterhof-Besitzerin Marita Schreiber geblieben.

Quelle: Jens Steglich

Nudow/Schenkenhorst. Niemand hat sie gehört, niemand hat sie gesehen, auch der Bewegungsmelder merkte nichts – und doch waren sie da: In der Region sind derzeit Diebe unterwegs, die es auf wertvolle Reitersattel abgesehen haben. Sie kamen nachts und gingen bei ihren Beutezügen professionell vor. „Sie sind gezielt durch eine Pferdebox eingestiegen und haben so die Lichtschranken und Bewegungsmelder an den Stalleingängen umgangen“, erzählt Marita Schreiber, die in Nudow einen Reiterhof betreibt.

Dem Pferd, das in der Box stand, legten die Täter sogar das Halfter an – so, als würde alles wie gewohnt sein und mit rechten Dingen zugehen. Die Tiere schlugen keinen Alarm. Abgesehen hatten es die Diebe auf die Sattelkammer, die sie aufbrachen und ausräumten. 20 Sattel sind in der Nacht zum Samstag allein im Reiterhof in Nudow gestohlen worden. Auch Trensen, die zum Zaumzeug gehören, nahmen die Täter mit. Die Reiterhofbetreiberin schätzt den Schaden auf mehr als 60 000 Euro.

Eine Kundin hatte sich gerade in der Schweiz einen handgefertigten Sattel gekauft – mit Zoll an der Grenze für 4500 Euro. Jetzt ist er weg. Auch Marita Schreiber verlor drei handgearbeitete Spirig-Sättel aus der Schweiz. In der gleichen Nacht schlugen Unbekannte in einem Reiterhof in Schenkenhorst zu, der an der Straße liegt, die nach Nudow führt. Auch in Schenkenhorst wurden 20 Sättel im Wert von 60 000 Euro gestohlen. Sie gehörten privaten Kunden, die ihre Pferde dort in Pension geben. „Das können nur Leute gewesen sein, die sich auf Satteldiebstahl spezialisiert haben. Das ist Bandenkriminalität“, sagte eine Mitarbeiterin.

Satteldiebstahl

Laut Polizeisprecherin Jana Birnbaum werden im Land Brandenburg in der für die Region zuständigen Polizeidirektion West keine eigenen Statistiken zu Satteldiebstählen geführt.

 

Im Pferdeland Niedersachsen hatte die Polizei im vergangenen Jahr indes einen deutlichen Anstieg von Satteldiebstählen registriert – im Vergleich zum Jahr 2013.

Das Landeskriminalamt in Niedersachsen geht davon aus, dass in den meisten Fällen Kenner am Werk sind.

Im Internet werden gestohlene Sättel laut niedersächsischem LKA selten angeboten. Offenbar, weil ein speziell angefertigter Sattel mit individuellen Gebrauchsspuren vom ursprünglichen Besitzer leicht wiederzuerkennen ist.

Vermutet wird , dass ein Großteil des Diebesguts im europäischen Ausland verkauft wird. Auf welche Art und Weise dies geschieht, ist laut LKA unklar.

Weil Sättel zunehmend zur Diebes-Beute werden, bietet die Polizei mancherorts Reitsattel-Codierungen an.

Das glaubt auch Marita Schreiber, die sich mit dem Reiterhof in Nudow einen alten Traum erfüllte. Der Hof ist gut gesichert. Es gibt Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder, die von einer Zeitschaltuhr aktiviert werden. Wenn sich nachts am Stall etwas bewegt, gehen Scheinwerfer an und es wird eine Nachricht aufs Handy geschickt. In der Tatnacht rührte sich nichts. Das planmäßige Vorgehen, der Einstieg über eine Box, um Bewegungsmeldern aus dem Weg zu gehen, deuten daraufhin: „Hier hat sich jemand vorher mit geschulten Blick umgeschaut“, so Schreiber. Ein Mann war mal da und hatte nach Reitunterricht für Kinder gefragt, ohne wirklich interessiert zu wirken, erzählt sie. Ob er spioniert hat, bleibt Spekulation. Die Täter müssen mindestens mit einem Transporter bis zum Zaun des Reiterhofs gefahren sein, um 20 Sättel abtransportieren zu können. Die Polizei hat keine weiteren Erkenntnisse. „Eine Spur zu möglichen Tätern haben wir nicht“, so Sprecherin Jana Birnbaum. Laut Birnbaum werden „zu Diebstählen dieser Art“ keine Statistiken geführt. Marita Schreiber weiß von Einbrüchen in Bensdorf und Münchehofe (Dahme-Spreewald). Auf Facebook gibt es eine Gemeinschaft, die sich „Stoppt den Sattelklau“ nennt. Dort meldeten Reitfreunde Einbrüche in Rüdersdorf, Altlandsberg (beide Märkisch-Oderland) und Bestensee (Dahme-Spreewald).

Sattelraub ist offenbar ein lukratives Geschäft für Hehler, die ihre Ware irgendwo versilbern. „Ich kann mir vorstellen, dass die Täter im Ausland einen Sattler haben, der die Sättel abnimmt und weiterverkauft“, sagt Marita Schreiber.

Sie hat nur noch einen Sattel. Er lag im Wohnhaus und nicht in der Sattelkammer. Maßgeschneiderten Ersatz für die anderen zu bekommen, ist nicht einfach. „Der Sattler in der Schweiz hat zwar schon die Maße von Reitern und Pferden, aber bis die Sättel angefertigt und da sind, vergehen drei bis vier Monate.“ Die Zwangspause für Reiter wird aber verkürzt. Auf die Schnelle hilft ein Hersteller, der Großbetriebe ausstattet, aus. Er kommt nach Nudow – mit Sätteln, die anpassbar sind und vor Ort zusammengebaut werden. Die Versicherung zahlt für den Verlust nicht. Sie würde dies nur tun, wenn der Pferdestall ein abgeschlossener Hochsicherheitstrakt wäre. Das aber widerspricht dem Credo des mehrfach ausgezeichneten Reiterhofs, die Pferde artgerecht zu halten.

Von Jens Steglich

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