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Potsdam-Mittelmark Scala-Kulturpalast öffnet mit „Black“-Konzert
Lokales Potsdam-Mittelmark Scala-Kulturpalast öffnet mit „Black“-Konzert
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02:17 07.11.2015
Freuen sich auf den Scala-Neustart: Betreiber Gösta Oelstrom (r.) und sein Bruder Timo Seidenstücker, der extra aus Hamburg an die Havel gezogen ist. Quelle: Claudia Krause
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Werder

Die äußere Ruhe täuscht. Im Innern des alten Scala-Kinos geht’s mächtig zur Sache, denn einiges ist noch zu tun bis zur offizielle Neueröffnung am 27. November. Immer wieder kommen neugierige Werderaner und Touristen. Gestern morgen lugten zwei Berliner rein, die demnächst nach Werder ziehen und sich schon nach Kulturangeboten erkundigen. „Das geht hier laufend so“, sagt Gösta Oelstrom, Geschäftsführer der neuen Betreiberfirma „stars and hereos UG“. Offensichtlich erwarten alle sehnlichst die Neueröffnung des 75-jährigen Hauses.

Der britische Sänger Colin Vearncombe gibt das Eröffnungskonzert in Werders Kulturpalast. Quelle: Promo

Das heißt künftig „Scala-Kulturpalast“ und geht mit einem Konzert von „Black“ in seine neue Lebensphase. Unter Black veröffentlicht der britische Sänger Colin Vearncombe seine Werke. Bekannt geworden ist „Black“ in den 1980er-Jahren durch die Hits „Sweetest Smile“, „Wonderful Life“ und „Everything’s Coming Up Roses“. Schon am 18. November soll es eine „inoffizielle“ öffentliche Einweihung mit Schlagern und Oldies am Nachmittag geben, kündigt Oelström an.

Er hat das Denkmal seit Juli gemietet. Eine Namensrückbenennung wird es nicht geben, aber an die ehemaligen „Fontane-Lichtspiele“ soll der Fontane-Saal nun erinnern. Seine 200 Sessel sind die alten geblieben. „Nehmen Sie uns ja nicht unsere alten Stühle weg“, würden die Einheimischen dem neuen Betreiber immer wieder zurufen. „Die Werderaner wissen, was sie hier für ein Schmuckstück haben“, so Oelström. Auch die Foyer-Möbel im Medien-Café werden die bekannten sein. Hinzu kommen Film-Dekorationen und neue Leuchter. „Es soll mehr Kaffeehaus-Atmosphäre rein“, sagt der 53-Jährige, der mit Frau und Kind später gern von Berlin nach Werder ziehen will. Geklappt hat das schon bei Oelströms Bruder Timo Seidenstücker (37). Der kam von Hamburg an die Havel, um im Kulturpalast mitzuarbeiten. Den Begriff wählte Oelstrom, um „die Schönheit und Größe des Saals zu betonen“ und die Programmvielfalt, denn „Kino ist nur Nebensache“. Der TV-Produzent will Konzerte, Satire-Reihe, Filmgespräche, Theater und Lesungen, Tanztee- und Schlagernachmittag sowie Premierenvorführungen von restaurierten alten Filmen auf DVD etablieren. Außerdem plant er Koch-Events, weshalb eine Restaurantküche eingebaut wurde. Er stellt der Waldorfschule den Saal für Theaterproben zur Verfügung. Immer wieder sonntags läuft auf der großen Scala-Leinwand der Abends-Krimi. Den ersten „Tatort“ (München) kann man am 6. Dezember bei freiem Eintritt erleben. Zur Silvesterparty gibt’s Live-Musik und Buffet. Die private Geburtstagsfeier ist ebenso schon gebucht wie Auftritte der Waldorfschüler, ein Event des Gymnasiums und Konzerte mit „Chamber of Lights“ sowie den „Nervous Germans“. Und selbst die einst beliebte Scala-Bluesnacht gibt es wieder – erstmals am 30. Januar 2016. Wie vor acht Jahren zur Premiere kommt nun wieder zum Neustart die texanische Sängerin Kat Baloun, die seit 1994 in Berlin lebt, nach Werder. Vierteljährlich soll die Bluesnacht stattfinden – „wenn es die Leute wollen“.

Der Saal mit seinen 200 Plätzen hat seine gemütlichen Sessel behalten. Quelle: Claudia Krause

Mit dem Kinobetrieb startet der Berliner Betreiber erst im nächsten Jahr richtig durch, wenn er die Förderung für die digitale Technik vom Medienboard Berlin-Brandenburg erhalten hat. 50.000 Euro kostet die technische Aufrüstung, 28 400 Euro muss er selbst dafür aufbringen. Trotzdem flimmert’s bereits ab 6. Dezember über die Leinwand im Fontane-Saal. Dann laufen Kinder- und Weihnachtsfilme auf Zelluloid am Sonntagvormittag während die Eltern im Medien-Café gemütlich brunchen.

Im Foyer wird das neue Medien-Café eingerichtet. Dort gibt es bald Kaffee und Kuchen und einen kleinen Imbiss. Früher war nur Popcorn dort erlaubt. Quelle: Claudia Krause

Bis zur Scala-Eröffnung sollen noch Fassade und Räume gestrichen und geputzt werden. Defekte Leitungsrohre und plötzlich entdeckte Dachschäden hatten für Verzögerungen gesorgt, weshalb nicht schon im Oktober eröffnet werden konnte. Mit Hilfe eines sogenannten Crowdfundings sammelt Oelstrom Geld für Sanierungs- und Reparaturarbeiten. Von angepeilten 8000 seien 1000 Euro eingegangen. Besonders bemerkenswert seien die vielen ehrenamtlichen Angebote von Profi- und Hobbyhandwerkern, die stunden- oder tageweise mitanfassen – beim Fliesen und Dachreparieren.

Der einstige Betreiber und Eigentümer Knuth Steenwerth hatte immer gehofft, mit einem Kulturverein und städtischer Unterstützung das Kino wirtschaftlich unterhalten und die Sanierungen finanzieren zu können. Doch im Herbst 2014 stellte der Verein den Betrieb ein. Das Kino stand zum Verkauf. Gösta Oelstrom entdeckte es bei seiner Wohnungssuche und erlag sofort dem alten Charme des Kinos. Eine Wohnung sucht er noch immer.

Der TV-Produzent wird Kulturpalast-Chef

Gösta Oelström (53) stammt aus Berlin-Charlottenburg und wohnt im Wedding. Er gehörte zu den Mitbegründern von TV Berlin, dreht für die ARD-Fernsehsendung „Brisant“, ist bei der Berlinale und beim Filmfestival in Cannes fest etabliert.

Seit Juli 2015 ist er Mieter und Betreiber des Scala in Werder.

Der offizielle Veranstaltungsbetrieb soll am 27. November um 20 Uhr mit dem Konzert von Black aka Colin Vearncombe starten. Schon am 18. November von 15 bis 18 Uhr findet als „inoffizielle Eröffnung“ ein Schlager- und Oldie-Nachmittag (Eintritt frei) statt.

Im Dezember folgen Adventstanz und -konzert, Nikolaus- bzw. Weihnachts-Brunch mit Kinder-Überraschungsfilmen, TV-„Tatort“ und „Polizeiruf 110“ sowie Silvesterparty. Tickets gibt’s an der eigenen Theaterkasse und bekannten Vorverkaufsstellen.

Kontakt: Scala-Kulturpalast, Eisenbahnstraße 182, Gösta Oelstrom, Geschäftsführer der „stars and heroes UG“, 0176/72979397. Crowdfunding:

www.startnext.com/scala

Von Claudia Krause

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