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Schaden beträgt mehr als zwei Millionen Euro

Michendorfer Wohnungs-Skandal Schaden beträgt mehr als zwei Millionen Euro

Große Unsicherheit bei Michendorfer Hauseigentümern und Mietern: Einer der Geschäftsführer der SRS Hausverwaltung, die in der Gemeinde rund 400 Wohnungen betreut, hat offenbar mehr als zwei Millionen Euro veruntreut. Die fehlen nun in der Rücklage für Reparaturen und Sanierungen. Der Mann ist immer noch auf freiem Fuß.

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Muss die Miete auf ein anderes Konto einzahlen: Norbert Johl (63) wohnt seit 1978 in der Michendorfer Poststraße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Michendorf. Im Fall der mutmaßlichen Veruntreuung von Kundengeldern beim Michendorfer Hausverwalter SRS soll der kaufmännische Geschäftsführer der GmbH mehr als zwei Millionen Euro von Giro- und Rücklagekonten der Wohneigentümer für sich abgeräumt haben. Der Schaden wird nach derzeitigem Stand auf diese Summe geschätzt, sagte Anwalt Markus Thewes auf Anfrage. Der Jurist der renommierten und überregional agierenden Anwaltskanzlei Streitbörger Speckmann vertritt die SRS, die am 25. Juli ihren kaufmännischen Geschäftsführer wegen Untreue-Verdachts bei der Staatsanwaltschaft anzeigte. Der Beschuldigte, der auch die Buchführung im Unternehmen managte, hatte offenbar ein rotierendes System unterhalten, soll Geldsummen zwischen verschiedenen Konten hin und her geschoben haben, um so das Abheben von Geld für eigene Zwecke zu verschleiern.

Wie berichtet, wurden Konten geplündert, auf denen Eigentümer Rücklagen für die Werterhaltung und Instandsetzung der Gebäude gebildet haben. Auch von Girokonten, über die Betriebskosten abgerechnet werden, soll Geld abgezweigt worden sein. Betroffen sind etwa 15 Wohnungseigentümer-Gemeinschaften. Wie viele Einzelpersonen dahinter stehen, konnte gestern niemand sagen. Insgesamt soll die SRS 300 bis 400 Wohnungen für deren Eigentümer in der Gemeinde Michendorf verwaltet haben.

Für die Mieter der Wohnungen sieht Thewes „zum jetzigen Zeitpunkt keine Folgen“. Gerichte bekommen es aber mit einer Reihe von Schadenersatzansprüchen zu tun, die betroffene Wohnungseigentümer wohl gegen den Tatverdächtigen geltend machen werden. Ob sie ihr Geld von ihm zurückbekommen, ist fraglich. Von mehreren Seiten hieß es, der Beschuldigte soll spielsüchtig sein.

Ermittlungen laufen erst an

Für eine Untersuchungshaft hat der Gesetzgeber hohe Hürden gesetzt. „Es muss Flucht- und Verdunkelungsgefahr bestehen und dafür braucht man eindeutige Hinweise“, so Christoph Lange, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zum Verfahren im Michendorfer Untreue-Fall könne er noch nichts sagen, „weil der Sachverhalt geprüft wird“. Der Beschuldigte hat die von ihm einbehaltene Unterlagen inzwischen aber an die SRS ausgehändigt.

Ansprüche auf Schadenersatz könnten sich aber auch gegen die SRS oder gegen Verwaltungsbeiräte von Eigentümer-Gemeinschaften richten. Die Beiräte werden aus den Reihen der Eigentümer gewählt und haben wie ein Aufsichtsrat die Aufgabe, die Rechnungsprüfung vorzunehmen und das Handeln des Wohnungsverwalters zu kontrollieren. In den Kontrollgremien hat man sich möglicherweise auf die schriftlichen Darstellungen des kaufmännischen Geschäftsführers verlassen, hieß es.

Der Fall von Untreue bringt die Hausverwaltungsfirma SRS selbst in Existenznot. „Es sind große Kunden weg, darunter die Gemeinde Michendorf“, sagte Anwalt Thewes. Die Geschädigten haben ein Sonderkündigungsrecht – viele werden dieses Recht wahrnehmen oder haben es bereits getan. Die Gemeinde Michendorf hat den Verwalter-Vertrag im Juli gekündigt und bereits neu ausgeschrieben. Nach Angaben der Kämmerei gibt es konkrete Außenstände: „Wir haben die SRS aufgefordert, das Geld zu überweisen.“ Das ganze Ausmaß des Schadens für die Kommune wird aber noch ermittelt.

Die SRS hatte am Dienstag Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt, weil Eigentümer ihre Zahlungen für die Verwaltung ihrer Wohnungen eingestellt haben und zudem Schadenersatzansprüche gegen die Firma befürchtet werden. „Gegenwärtig läuft der Verwaltungsbetrieb weiter“, sagte der Anwalt.

Die Zukunftsaussichten fürs Unternehmen haben sich indes deutlich eingetrübt.

Von Jens Steglich

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