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Potsdam-Mittelmark Schafe blöken zum Unterrichtsbeginn
Lokales Potsdam-Mittelmark Schafe blöken zum Unterrichtsbeginn
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00:17 13.04.2017
Schafe sind keine Knuddeltiere, aber zu Desiree besteht ein Vertrauensverhältnis. Deshalb kann sie nah an die Tiere herangehen. Quelle: Laude
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Kleinmachnow

Morgens um halb acht blökt ein Schaf – quasi zur Begrüßung von Lehrern und Schülern. Das Evangelische Gymnasium in Kleinmachnow dürfte weit und breit die einzige Schule sein, auf deren Gelände Schafe grasen. Außerdem werden Kaninchen und Bienen gehalten. Zwei Arbeitsgemeinschaften kümmern sich um die Tiere.

Die Schafe sind relativ anspruchslos. Sie können das ganze Jahr draußen auf der Wiese bleiben, aber die muss geharkt werden, damit das Gras gut durchkommt. Von Oktober bis April werden die Schafe mit Heu versorgt. Und frisches Wasser brauchen sie auch. Darum kümmern sich die zehn Schüler der Schaf AG. Auf einem Zettel am Zaun steht, wer in welcher Unterrichtspause dran ist mit der Versorgung von Imke, Bärchen, Henriette, Cinderella und Tiramisu (die so heißt, weil sie beige-braun ist). Auch in den Ferien dürfen die Schüler die Schafe nicht allein lassen. Jungen und Mädchen, die sich für die Arbeit in der AG interessieren, werden deshalb von vorn herein darauf hingewiesen: Ein Tier bedeutet Arbeit. Darauf aufmerksam zu machen, sei wichtig, auch weil viele Schüler gern ein Haustier hätten, bis hin zum Pony, berichtet die AG-Leiterin Marie Bade. „Die Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten“, sagt die Lehrerin, die Geografie und Sport unterrichtet. Anspruchsvolle Arbeiten wie die Schur und die Pflege der Hufe werden von der Schäferin, mit der die AG kooperiert, selbst erledigt.

Die zwölfjährige Lily kümmert sich um eines der Schul-Kaninchen. Quelle: Laude

Unterstützung erfahren die Schüler vom Förderverein der AG und einigen sehr engagierten Eltern. Der Förderverein hilft mit Geld für das Heu, auch der von Solarzellen versorgte Elektrozaun und der Bau des Unterstandes mussten bezahlt werden. Zu den engagierten Eltern gehört Daniela Schumann. Sie wirkt durchaus resolut, wenn sie mit den Kindern auf der Schafswiese zu tun hat. Herumrennen ist zum Beispiel verboten, damit die Tiere nicht aufgeschreckt werden. Sie sind recht scheu. „Auch wenn sie sich an den Menschen gewöhnt haben, Knuddeltiere sind Schafe nicht“, sagt Daniela Schumann. Mit den Kaninchen ist das anders. Muffin, Cookie und Paulchen freuen sich über Streicheleinheiten. Auch um sie kümmern sich zehn Schülerinnen und Schüler.

Hier leben die Bienenvölker. Von hier aus schwirren sie zu den Blüten. Quelle: Laude

Und dann sind da noch die Bienen des Gymnasiums. Ganz am Rande des Campus der Hoffbauer gGmbH haben vier Völker ihr Zuhause. Ein Volk wächst im Frühjahr von ungefähr 5000 Bienen auf 40 000 an. „Sie befliegen einen Radius von bis zu fünf Kilometer“, berichtet der Mathematik- und Informatiklehrer Hajo Tischer. Er hat auch zu Hause Bienen. Trotzdem kommt einmal in der Woche als Fachmann Uwe Sommer von der gemeinnützigen GmbH „Die Schul-Imker“ nach Kleinmachnow. „Er macht die Hauptarbeit“, sagt Tischer. Zweimal im Jahr ist Honigernte am Gymnasium. Es gibt die Sorten „Frühlingsblüte“ und „Sommerblüte“. Schüler gestalten dazu passende Etiketten für die Gläser – ein hübsches Geschenk, mit dem die Schule da aufwarten kann.

Aber für Hajo Tischer ist wichtig: Es geht nicht nur um den Honig. Es gehe auch darum, den Kindern zu vermitteln, wo unsere Lebensmittel herkommen. Viele hätten den Bezug dazu verloren. Und schließlich – ganz entscheidend – Bienen sind ein sehr wichtiger Teil des Ökosystems. Tischer verweist auf Berichte aus China, wo durch den drastischen Einsatz von Pestiziden der Bestand an Bestäuberinsekten vielerorts so stark dezimiert wurde, dass ihre Arbeit bisweilen von Menschenhand erledigt werden muss. Das heißt, Arbeiter schwärmen aus, um die Obstbaumblüten per Hand mit einer Pinzette zu bestäuben. Auf die Unverzichtbarkeit der Bienen hat mit mahnenden Worten schon Albert Einstein hingewiesen: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Von Stephan Laude

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