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Schandfleck in Treuenbrietzen wird saniert

Hoffnung für Altstadt-Immobilie Schandfleck in Treuenbrietzen wird saniert

Private Investoren machen weite Bögen um das sanierungsbedürftige Fachwerkhaus in der Breiten Straße 1 zu Treuenbrietzen. Es ist derzeit unter einer Fotofolie versteckt. Ein Gemeinschaftsprojekt bietet jetzt aber völlig neue Perspektiven, um das für das Stadtbild so prägende Eckhaus zur Bäckerstraße hin zu sanieren. Daran sollen Jugendliche ihren Anteil haben. Bald fallen die Hüllen.

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Jugendliche lernen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) der Jugendbauhütte auch, wie Lehmstaken für historische Fachwerkhäuser gefertigt werden.

Quelle: Jugendbauhütte

Treuenbrietzen. Einer der größten Schandflecke in der Treuenbrietzener Altstadt kann jetzt zu einem Schmuckstück werden. Das derzeit unter einer Fotofolie mit seiner historischen Ansicht versteckte Fachwerkhaus an der Ecke von Bäckerstraße und Breiter Straße wird für einen symbolischen Preis von einem Euro verkauft und saniert. Die Kommune hatte das Gebäude im Jahr 2012 aus privater Hand übernommen, um es zunächst zu sichern. Rund 25 000 Euro flossen in Sicherungsarbeiten sowie die 2013 angebrachte Bildfolie.

So soll es wieder werden

So soll es wieder werden: Fotofolie zeigt die alte Ansicht der Breiten Straße 1 in Treuenbrietzen.

Quelle: Thomas Wachs

Durch Vermittlung des Sanierungsträgers Stadtkontor aus Potsdam-Babelsberg wurde jetzt ein Käufer für das schwer sanierungsbedürftige Fachwerkhaus an der Breiten Straße 1 gefunden. Übernehmen will es die Brandenburgische Schlösser GmbH (BSG). Sie wiederum wird das stadtbildprägende Häuschen an die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD), Landesverein Brandenburg, übergeben. Dieser Verein werde das Haus im Rahmen des Projektes „Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit Stiftungsgeldern und Fördermitteln denkmalgerecht sanieren. Daran mitwirken werden Jugendliche, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege absolvieren.

Nach zehn Jahren Rückverkauf an die Stadt

Genutzt werden soll das Gebäude mit Einliegerwohnung, kleinem Hof und Nebengelass sodann als Quartier für Teilnehmer am FSJ in der Region. „Dazu wird die BSG nach Abschluss der Sanierung einen zehnjährigen Mietvertrag mit dem IJGD abschließen“, erläuterte Bürgermeister Michael Knape (parteilos) jetzt in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt. Dort gab es eine klare Mehrheit für das in der Form erstmalig in Treuenbrietzen praktizierte Projekt.

Nach Abschluss der Sanierung, spätestens jedoch nach zehn Jahren soll die sanierte Immobilie – ebenfalls für einen Euro zurück an die Stadt Treuenbrietzen verkauft werden. Alle für die Übertragungen anfallenden Kosten, sowie die Aufwendungen zur Erschließung des Grundstücks – also Notarkosten, Medienanschlüsse, Sanierungsausgleichsbetrag und anderes mehr – finanziert die Kommune über ihr übliches Budget der Städtebauförderung.

Hinter Fotofolie verborgen

Bei dem schmalen Eckhaus in der Breiten Straße 1 handelt es sich um ein das Stadtbild prägendes Fachwerkhaus, das seit Jahrzehnten unbewohnbar und seit 2013 hinter einer Foto-Folie verborgen ist.

In der Sichtachse der Bäckerstraße war es stadteinwärts Jahrzehnte lang ein Schandfleck. Wo einst ein Schaufenster die heute marode Fachwerk-Fassade unterbrach, hatten spätere Hausbesitzer radikal ein Garagentor aus Metall einbauen lassen.

Die Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin ist eine Einrichtung der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) und der Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD). In ihr können Jugendliche und junge Erwachsene ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege (FJD) leisten.

Das FJD in Brandenburg/Berlin wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Landes Brandenburg und des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

„Ich bin total erfreut, dass sich auch an der Ecke jetzt etwas tut“, sagt Ralf Hoffmeister vom Sanierungsträger Stadtkontor. Versuche, das Haus an private Investoren zu vermarkten, scheiterten in den zurückliegenden Jahren. Immerhin waren für das kleine Haus mal Sanierungskosten von mindestens 350 000 Euro veranschlagt worden. Selbst mit zugesagtem Fördergeld bliebe dies privat ein Zuschussgeschäft. „Doch hat sich die Idee der Übernahmen zur Sicherung durch die Stadt nun ausgezahlt“, sagt Ralf Hoffmeister. „Ansonsten hätte wohl irgendwann eine weitere Baulücke gedroht“, so der Experte vom Stadtkontor. Er hofft, dass möglichst noch dieses Jahr die Foto-Hüllen fallen und ein erster Teil die Sanierung beginnen kann.

Endlich tut sich an der Ecke etwas

Davon geht auch Bernd Henning aus. Er koordiniert bei der Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin das Projekt. Erfahrungen gebe es seit rund 13 Jahren vor allem im Raum Nauen. Auch dort haben junge Menschen unter Anleitung von Fachleuten bereits Fachwerkhäuser saniert. „Im Kloster Stift zu Heiligengrabe haben wir Gebäude saniert und für die Jugendbauhütte ein Seminarzentrum aufgebaut“, erzählt Henning. Einsatzorte sind vor allem Objekte des Denkmalschutzes.

In Treuenbrietzen sollen junge Akteure, die sich auch aus dem Ausland für ein FSJ bei der Bauhütte bewerben, später Quartier finden können. „Unsere Projekt in Jüterbog, Brandenburg an der Havel oder auch in Potsdam sind von dort aus gut zu erreichen“, erklärt der Koordinator. Er kann sich auch eine längerfristige Nutzung vorstellen. An der Breiten Straße 1 werden bis zu fünf junge Menschen unter Anleitung arbeiten. „Die Planung liegt bereits vor und der Bauantrag soll umgehend eingereicht werden, um noch dieses Jahr mit dem Projekt beginnen zu können“, erklärt Bernd Henning.

Von Thomas Wachs

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