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Schatzkammer voller Puppen und alter Technik

Görzke im Fläming Schatzkammer voller Puppen und alter Technik

Lange Zeit ließen die Görzker (Potsdam-Mittelmark) die Puppen für die ganze Republik tanzen. Heute erinnert ein kleines, feines Museum an die Produktion, die ab 1972 volkseigen war. Der Handwerkerhof am Rande des Flämings wartet mit weiteren Ausstellungen und Aktionen auf.

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Rokoko-Puppen in der Görzker Ausstellung

Quelle: Brigitte Einbrodt

Görzke. Görzke, der kleine Ort im Fläming mit etwa 1200 Einwohnern, ist geprägt von jahrhundertealter Töpferkunst. Das Zentrum ist hier nicht die Kirche, sondern der Handwerkerhof. Dazu gehören ein Jagd- und Forstmuseum, viele technische Raritäten, wie eine gigantische alte, aber immer noch funktionierende Dampfmaschine, und ein Puppenmuseum. Die Besucher erwartet ein dickes Paket an Informationen.

Historische Forstwirtschaftstechnik auf dem Außengelände

Historische Forstwirtschaftstechnik auf dem Außengelände.

Quelle: Brigitte Einbrodt

Rainer Sell ist dafür die verantwortliche Kontaktperson. Der gebürtige Görzker kann vieles erklären. Von der Puppenherstellung über den Gebrauch alter Töpferscheiben bis hin zur Funktion von Sägen, die zwei Männer betreiben müssen, um einen dicken Eichenstamm klein zu bekommen. Doch eigentlich beginnt die Exkursion schon auf dem Hof. Der wurde früher genutzt, um Kartoffeln der umliegenden Bauern zu waschen. Die Gebäude, die heute die Ausstellungen beherbergen, waren nämlich einmal eine Stärkefabrik.

Infos und Kontakte

Zum Handwerkerhof gehören verschiedene Institutionen: Puppenmuseum, Jagd- und Forstmuseum, Technisches Museum, Modellausstellung, Eva-Zeller-Stube (Schriftstellerin) und ein Hofladen.

Für die Museen zahlen Kinder 1,50 Euro Eintritt, Erwachsene 3 Euro. Gruppentarife sind möglich, ebenso Buchungen für Schulklassen mit Übernachtung, Seniorenausflüge und dergleichen.

Im Januar bleiben die Museen geschlossen, allerdings lohnt es bei individuellen Besichtigungswünschen trotzdem nachzufragen. Zum Beispiel unter www.toepferort-goerzke.de

Mehrere Töpfereien gibt es im Ort, einen Reiterhof, ein Freibad, eine Hinterglasmalerei und zwei Lokale sowie zahlreiche Wander- oder Radwege in der Umgebung.

Ein besonderer Höhepunkt ist an den Osterfeiertagen der Töpfermarkt – mit etwa 65 Töpferwerkstätten aus ganz Deutschland und weiteren Ausstellern.

Der Handwerkerhof liegt in der Kirchstraße 18-19, 14828 Görzke. Ansprechpartner für alle Kontakte zum Handwerkerhof ist Rainer Sell unter 033847/40255 oder 0171/4932800;
E-Mail: rainer_sell@gmx.de

So schön die Blonde mit dem langen Pferdeschwanz auch aussieht, sie hat viel Konkurrenz. Brünette, mit kurzen Haaren, mit Locken. Aber eines haben alle gemeinsam: ausdrucksvolle Augen. Es sind Puppengesichter, in Glasvitrinen, die nicht nur kleine Mädchen staunen lassen. Das Puppenmuseum ist ein mit viel Liebe zum Detail eingerichteter Raum, der die Geschichte der Puppenherstellung in einzelnen Arbeitsschritten anhand original erhaltener Fertigungsutensilien erzählt.

Rainer Sell ist der Ansprechpartner auf dem Handwerkerhof

Rainer Sell ist der Ansprechpartner auf dem Handwerkerhof.

Quelle: Stefan Specht

Es fing traditionell mit Figuren aus Ton an, als der Familienbetrieb Heise nach dem Zweiten Weltkrieg in Görzke begann, wieder bunt bemalte Figuren zu verkaufen. Sie wurden anfangs im Rauchgaskanal der Töpferei-Brennöfen mitgebrannt. Einige dafür typische hohe Schornsteine sind im architektonischen Dorfbild noch erhalten.

Die erste Görzker Puppe kam 1947 auf die Welt. „Petra“ war 18 Zentimeter groß. Gesicht und Haare mussten mit der Hand bemalt werden. Die Kleidung bestand aus gewaschenen Alttextilien. Schnell wuchs die Produktion, das Interesse der Nachkriegskinder an Spielzeug war groß. Auf der Leipziger Messe wurde die Firma Heise bereits 1948 bekannt bei Großhändlern aus dem In- und Ausland.

Der Töpfermarkt an den Osterfeiertagen ist einer der Höhepunkt in der Region

Der Töpfermarkt an den Osterfeiertagen ist einer der Höhepunkt in der Region.

Quelle: Silvia Zimmermann

In den 50er Jahren wurde der zerbrechliche Werkstoff Ton von Latex aus Buna abgelöst. Dieser leichte Kunststoff war Grundlage für Massenware. 300 Puppen täglich. Und es ging immer weiter aufwärts für die Arno-Heise KG mit etwa zehn Angestellten. Ab 1968 wurde dann PVC verwandt – und die 20 Zentimeter große „Bärbel“ kam nach einem Geliervorgang aus kupfernen Galvano-Hohlformen „auf die Welt“. Einige davon sind erhalten.

Rainer Sell weist auf die zusätzlich notwendige Handarbeit hin. Vor allem als Heimarbeit in den Wintermonaten. Für das Augenbemalen, die Näharbeiten für die Kleidung, und für das Haare knüpfen wurden viele geschickte Hände gebraucht.

Im Technischen Museum kann man eine Dampfmaschine bewundern

Im Technischen Museum kann man eine Dampfmaschine bewundern.

Quelle: Brigitte Einbrodt

Neben der Geschichte der Firma, die 1972 in Volkseigentum überging, die immer mehr für den Export arbeitete, die 1990 die Rückübertragung erlebte, und 1995 dem Wettbewerbsdruck, vor allem wegen Massenware aus China nicht mehr standhalten konnte, sind es vor allem die Puppen selbst, die im Interesse der Besucher stehen. „Das Sandmännchen ist immer noch am bekanntesten“, weiß Rainer Sell, schließlich sei es ja noch im Fernsehen. Aber es sind auch barocke Puppen aus der Potsdamer Schlösserzeit Friedrich des Großen zu bestaunen, immer ein Exportschlager gewesen. Lustig sehen dagegen die jungen Pioniere mit ihren unschuldigen Kulleraugen aus.

Auch Pionierpuppen kamen einst aus dem Görzker Werk

Auch Pionierpuppen kamen einst aus dem Görzker Werk.

Quelle: Christiane Sommer

„Es soll auch vorkommen“, bemerkt Rainer Sell schmunzelnd, „dass Männer nicht so lange in diesem Puppenstübchen bleiben wollen“. Aber da hat er schon eine Idee. Nebenan und obendrüber befindet sich das Jagd- und Forstmuseum, „das zweitgrößte in Deutschland“. Auf diese Exposition ist der technisch begabte Mann stolz. „Ich weiß nicht, was es hier nicht gibt“, sagt er. In der Tat ist es eine Sammlung des kompletten Arsenals von forstwirtschaftlichem Instrumentarium, der Forstpflege, Verwertung, Nutzung und vor allem Erhaltung (auch des Tierbestandes inklusive der Jagd) aber auch des Arbeitsschutzes.

Wer sich davon überzeugen will, ob Rainer Sell Recht hat: Am 23. September ab 10 Uhr ist dazu eine gute Gelegenheit zum „Tag des Waldes“. Dort gibt es nicht nur theoretische Führungen. Oldtimersägen kommen zum Einsatz, Mitmachen, Ausprobieren ist gefragt. Und dazu stellen Jagdhornbläser ihr Können unter Beweis.

Von Brigitte Einbrodt

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