Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Schausteller haben fast immer Saison

Beruf und Berufung Schausteller haben fast immer Saison

Wenn andere frei machen und irgendwo hinfahren, um sich zu amüsieren, ist Familie Bleifuß längst da. Zeit zur Erholung hat die Schausteller-Dynastie in dritter Generation aus Klausdorf (Potsdam-Mittelmark) kaum. Der Betrieb mit Karussel, Autoscooter und Imbisswagen tingelt monatelang durch Orte in Nah und Fern. Ein Porträt über Menschen, die lieben, was sie tun.

Voriger Artikel
Gortzer Kirchenglocke unter Strom
Nächster Artikel
Fahrer im Führerhaus eingeklemmt

Christina Bleifuß mit ihren Schwiegereltern Christel und Ortwin vor dem winterfest verpackten Kinderkarussell.

Quelle: Uwe Klemens

Klausdorf. Wenn andere frei machen und irgendwo hinfahren, um sich zu amüsieren, ist Familie Bleifuß längst da. So ist es auch wieder beim jüngsten Weihnachtsmarkt im Bad Belziger Burgbräuhaus am vierten Advent, gleichzeitig das 37. und zugleich letzte Fest in diesem Jahr für die leidenschaftlichen Schausteller.

Bei Familie Bleifuß beginnt kurz nach dem Ende der Saison schon wieder die Vorbereitung auf das neue Jahr. Zeit zur Erholung hat die Schausteller-Dynastie kaum, auch wenn Außenstehende glauben, dass in diesem Gewerbe zwischen Weihnachten und Ostern nichts passiert. „Nach dem letzten Fest ist es noch mal besonders anstrengend“, sagen die beiden Schaustellerfrauen Christel Bleifuß und ihre Schwiegertochter Christiane. Gemeinsam mit Ortwin und Egon, Sohn und Enkel des Unternehmensgründers Albert, tingeln sie mit einem beeindruckenden Repertoire – zu dem neben einem 40-Tonner ein Autoscooter, Karussels und ein Imbissstand zählen – fast das gesamte Jahr über durch die Lande.

Das ganze Jahr im Dauereinsatz

„Wenn überhaupt, kommen wir höchstens im Januar mal dazu, ein paar Tage Urlaub zu nehmen“, sagt Christine Bleifuß. Auf Festen in Nah und Fern sind die Klausdorfer nahezu im Dauereinsatz. „Zeit für Privates, also zum Beispiel für Besuche bei Freunden oder bei den Kindern, bleibt fast keine.“ Doch bemitleiden wollen sich die leidenschaftlichen Schausteller keinesfalls. Dafür lieben sie viel zu sehr, was sie in nun dritter Generation tun.

Mit einer Schaukel fing es an

In den Nachkriegsjahren des Ersten Weltkrieges gründete der Prenzlauer Gastwirt Albert Bleifuß, parallel zu seinem bereits bestehenden Schankbetrieb, das Schaustellerunternehmen. Dieses besteht noch heute.

Ein Schaukelbesitzer, der beim Wirt in der Kreide stand, musste seine Familienschaukel in Zahlung geben. Fortan lockte das luftige Vergnügen die Gäste an wie ein Magnet.

Die 70er und 80er Jahre waren die Hochzeit in der knapp einhundertjährigen Firmengeschichte. Bis zu 23 Mitarbeiter waren damals beschäftigt. Heute sind es nur noch vier – allesamt Familienmitglieder.

Nicht nur in der Ferne, sondern auch im Fläming ist der Name Bleifuß ein Begriff. Veranstalter von Dorf-, Firmen- und Stadtfesten erhalten unter 01 72/3 21 71 77 Informationen.

Zurück in Bad Belzig: Als die letzten Besucher längst zu Hause sind, beginnt für die Familie die Nachtschicht. Metallteile, die in der Winterpause nicht rosten sollen, müssen eingeölt werden. Flüssigkeiten, die einfrieren könnten, werden abgelassen und alles andere wird transportsicher verpackt. Erst am Abend des Folgetages ist dann wirklich Feierabend.

Drei Schichten pro Festtag sind normal

Das Weihnachtsfest mit Töchtern, Enkeltöchtern und deren Familien ist der Familie seit jeher wichtig. Dieses Jahr traf man sich in Klausdorf. In der ersten Januarwoche darf nun noch einmal gefaulenzt werden. „Vielleicht fahren mein Mann und ich sogar mal ein paar Tage weg“, sagt Christina Bleifuß und man spürt, dass das etwas Besonderes wäre. „Wenn sie uns dann ihre Urlaubsvideos zeigen, ist es für uns so, als ob wir auch verreist wären“, lacht ihre Schwiegermutter. Sie hat keine Zeit zum Faulenzen, macht sich vielmehr gleich nach Silvester wieder an die Buchhaltung.

Alles klar zum Saisonstart

Ab der zweiten Jahreswoche geht es aber auch für die anderen Familienmitglieder wieder in die Vollen. Dann heißt es, die Saison 2016 vorzubereiten. Während sich Christiane um die Verträge mit Veranstaltern kümmert und alle neuen Stellplätze inspiziert, machen sich die Männer an die Wartung der Fahrgeschäfte und des Fuhrparks. „Das Material wird stark beansprucht, da fällt einiges an“, sagt Christiane Bleifuß. Reparaturen, neue Farbanstriche sowie hier und da ein paar neue Lampen sind vonnöten.

„Wenn Ostern vor der Tür steht und damit unser Saisonstart, werden wir sicher wieder staunen, wie schnell die Zeit verflogen ist“, sagt Christina Bleifuß. Trotz der vielen Arbeit kann sich niemand von den vieren ein anderes Leben vorstellen. Einen Wunsch hat die 75-jährige Christel Bleifuß deshalb: „Ich möchte 100 Jahre alt werden, um die Kinder möglichst lange unterstützen zu können.“

Von Uwe Klemens und Philip Rißling

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg