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Potsdam-Mittelmark Schlaraffenland für Neugierige
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18:22 25.10.2015
Das Industriemuseum Teltow besuchte auch Amateurfunker Jan Kacner (24) aus Stahnsdorf. Er funkte gerade in die Niederlande. Quelle: Julian Stähle
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Teltow/Umland

Sage und schreibe 44 Museen gibt es im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Am Samstagmittag startete zum elften Mal der „Feuer und Flamme“ genannte Aktionstag – diesmal im Industriemuseum Teltow mit einer Redenkaskade von am Projekt beteiligten Verantwortlichen. Dieser rhetorische Marathon aber war die einzige Anstrengung, die es zu bewältigen galt. Bei freiem Eintritt präsentierten sich die Museen alles andere als betulich museal, sondern erwiesen sich als identitätsstiftende Orte des lustvollen Entdeckens und spielerischen Lernens. Es zeigte sich, dass selbst ein scheinbar so spröder Stoff wie Industriegeschichte Generationen übergreifend spannend vermittelt werden kann.

Industriemuseums-Leiter Lothar Starke (r.) zusammen mit dem stellvertretenen Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU) im Gespräch über Telekommunikations- und Automatisierungstechnik. Quelle: Julian Stähle

Im roten Klinkerbau des ehemaligen Teltower ZAT-Gebäudes wuselte es wie auf einem Weihnachtsmarkt. Zwischen elektronischen Bauteilen und DDR-Computern, Schiffsmodellen und Miniaturindustrieanlagen, alten Radios und Telefonen drängelten sich die Besucher und staunten. Diese Technik zum Anfassen und Ansehen erklärten kundige Fachleute überaus geduldig.

Eine halbe Autostunde weiter, mitten im beschaulichen Nuthetal, befindet sich an der Nudower Dorfstraße das „Nudow-seh’ um“. Es ist mit 14 Quadratmetern das kleinste Museum Brandenburgs und wurde von den Nudowern von 2010/2011 in Eigeninitiative im ehemaligen Spritzenhaus eingerichtet. Dort kann man nun auf Schautafeln und an Hand von gespendeten Exponaten die Ortsgeschichte nachvollziehen und dabei entspannt feststellen, dass gerade in der guten, alten Zeit nicht alles Gold war, was glänzte. Die Ausstellung unter den alten Dachbalken bot den Besuchern Gelegenheit, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen und sich an den draußen aufgestellten Tischen bei Kaffee und Kuchen von der Herbstsonne noch ein wenig Restbräune zu erschleichen.

Museum zieht Schüler an

Im Industriemuseum Teltow, wo regionale Industriegeschichte populär nähergebracht wird, wagen sich jedes Jahr allein 1500 Schüler an so sperrige Themen wie Elektronik, Kommunikationstechnik, Automatisierung, Polymerchemie und Fragen der Infrastruktur. Fachleute erklären alles geduldig.

Den Auftakt für den diesjährigen Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“ gab in Teltow der stellvertretende Landrat von Potsdam-Mittelmark Christian Stein (CDU).

Von Nudow nach Rehbrücke ist es nur ein Katzensprung nach Bergholz-Rehbrücke, und da der Landkreis eine kleine Broschüre als Wegweiser durch die Museen der Mittelmark gedruckt hatte, nutzten etliche Museumsfreunde diesen Tag auch, um dem 82-jährigen Herbert Schmidt in seinem privaten Fahrzeugmuseum in Bergholz-Rehbrücke einen Besuch abzustatten. Schmidt ist ein besessener Fahrzeug- und Motoren-Freund und hat für sein Museum weit über 100 Fahrzeuge, Motoren und Fahrräder – vom Hochrad bis zur Nobellimousine – aus den Jahren 1870-1945 gesammelt. Nicht wenige von diesen Zeugnissen der Automobilgeschichte wurden von Schmidt vor dem Schrottplatz-Tod bewahrt. Wer zwischen den Daimler, EMW, Wanderer und Framo wandelt, spürt fast körperlich die Liebe und unendliche Geduld, mit der diese Fahrzeuge restauriert wurden. Vom Kinderhochrad aus dem 19. Jahrhundert über eine Shelltanksäule aus dem Jahr 1930 bis hin zu einem riesigen funktionstüchtigen Daimler-Bootsmotor reicht die Palette seiner Exponate.

Dieter Schmidt aus Kleinmachnow in dem privaten Fahrzeugmuseum in Bergholz-Rehbrücke an einem Dampfmaschinen-Modell. Quelle: Julian Stähle

Nicht mehr in Betrieb ist die 126 Jahre „Alte Mühle“ von Michendorf. Bereits 1925 wurde sie verkauft, der Mühlenkörper entkernt und Wohnräume eingebaut. Seit 1998 ist sie Heimatmuseum und berichtet in drei Etagen über den Wandel im Alltagsleben der Michendorfer. Am Samstag zog es die Besucher in Scharen zur Mühle, wo der Heimatverein direkt vor deren Eingang Festzelte aufgestellt hatte. Die steilen Treppen hinauf in die Ausstellungsräume kompensierten viele Besucher mit einer besonders hohen Dosis selbst gebackenen Kuchens.

Feuer und Flamme. Verena Hiller (67) ist die Vereinsvorsitzende des Heimatvereins Michendorf. Sie verkaufte Wurst und Suppe an die Gäste. Hier isst sie gemeinsam mit Wolfgang Weber (70). Quelle: Julian Stähle

Anschließend plauderten sie sich mit Bekannten und Unbekannten kontaktfreudig in den Sonnenuntergang. Am Abend wurden dann – wie versprochen – Kerzen und Holzscheite angezündet und so endete dieser inspirierende Museumstag auf dem Wolkenberg in Michendorf, so wie vielerorts, mit ganz viel „Feuer und Flamme“.

Von Lothar Krone

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