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Schlaue Bauern sind gesucht

Landwirtschaftsbetriebe gründen Nachwuchsnetzwerk Schlaue Bauern sind gesucht

Der Landwirtschaft in Potsdam-Mittelmark fehlt es qualifizierten Lehrlingen, die Bewerber haben schlechte Noten. Deshalb haben sich zwölf Agrarbetriebe zum "Ausbildungsnetzwerk Mittelmark-Fläming" zusammengeschlossen.

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In Potsdam Mittelmark ist es einsam um die Erntemaschinen - den Bauern fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs.

Quelle: dpa

Feldheim. Die Landwirtschaft hat zu wenig Lehrlinge. Deshalb haben im vergangenen Jahr Betriebe in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming ein Ausbildungsnetzwerk gegründet. Die Lehre soll dadurch vielseitiger werden.

Am Mittwoch zogen die teilnehmenden 23 Agrarbetriebe und die Organisatoren Bilanz. "Inzwischen gibt es schon viele Orte in der Region, wo kein Nachwuchs mehr da ist", sagte die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Potsdam-Mittelmark, Silvia Wernitz. "Deshalb wollen wir das Projekt auf jeden Fall fortsetzen." Ziel ist es, für den eigenen Berufszweig zu werben. Teil des Netzwerks sind regelmäßige Fortbildungen. Die Lehrlinge konnten seit Anfang 2012 fast jeden Monat an zusätzlichem Theorie- und Praxisunterricht teilnehmen.

"Die Lehrlinge können sich so auch mal andere Betriebe ansehen und erweitern ihren Horizont", sagte der Leiter der Schweineproduktion von der Agrargenossenschaft "Hoher Fläming" Rädigke-Niemegk, Florian Schulze. Sein Betrieb bildet Land- und Tierwirte aus. Auch er half dabei, einen Lehrtag vorzubereiten. Die Auszubildenden lernten dabei Grundlagen für die praktische Prüfung: Melktechnik, Tierfütterung, Futtermittel und Tierbeurteilung standen auf dem Tagesprogramm. Auch Kontaktpflege wird vom Ausbildungsnetzwerk gefördert: Denn die Teilnehmer können auf Exkursionen von Mitarbeitern anderer Betriebe lernen. Das kommt gut an. "Unsere Lehrlinge finden das zusätzliche Angebot gut. Wir versuchen sie mindestens alle zwei Monate einen Tag freizustellen", berichtete Schulze.

Ausbildungsnetzwerk Mittelmark-Fläming

  • Zwölf Agrarbetriebe haben sich in Potsdam-Mittelmark zusammengeschlossen. In den Landwirtschaftsbetrieben werden derzeit 36 Lehrlinge ausgebildet. In Teltow-Fläming nehmen elf Betriebe mit 24 Auszubildenden teil.
  • Seit 2012 besteht das Netzwerk und ist zunächst für insgesamt drei Jahre geplant. Mit dem vom Europäischen Sozialfonds und vom Land Brandenburg geförderten Projekt sollen die Lehrlinge eine vielseitige Ausbildung erhalten und zusätzliches Wissen für ihr Berufsleben sammeln.
  • Die Aktivitäten finden häufig direkt an den teilnehmenden Agrarbetrieben zu Themen wie Pflanzenschutz , M aisanbau, Kälberaufzucht und Milchproduktion statt. Außerdem wurden Ausbildungsmessen und -kongresse in Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming angeboten, an denen die Lehrlinge teilnehmen konnten.
  • In Potsdam-Mittelmark gab es 2012 erstmals 17 Lehrtage und zwei Exkursionen. Dieses Jahr waren es fünf Lehrtage und drei Exkursionen. Von den Auszubildenden nahm jeweils etwa die Hälfte teil.

Manche andere Unternehmen nutzten das Angebot nicht ganz so häufig. "Dieses Jahr haben etwas weniger Betriebe an den Lehrtagen teilgenommen", räumte die Koordinatorin des Landkreises Potsdam-Mittelmark Cornelia Schwarzrock ein. Das hänge aber auch damit zusammen, wie viel Spielraum die Unternehmen hätten, ihre Lehrlinge freizustellen.

Im Winter nutzt auch die Agrargenossenschaft "Hoher Fläming" Rädigke-Niemegk das Angebot häufiger als im Sommer, weil dann jede Arbeitskraft gebraucht werde. Landwirte sind rar. "Wie alle in der Branche haben wir Probleme, Nachwuchs zu finden", sagte Schulze. Dieses Jahr habe sein Agrarbetrieb immerhin einen neuen Anwärter akquiriert.

Bei dem Treffen des Ausbildungsnetzwerks äußerten Anwesende ihren Unmut über das ohnehin geringe Interesse und die schlechten Schulzensuren der wenigen Bewerber. "Besser als befriedigende Noten hat kaum jemand", sagte auch Erhard Stahlberg von der Produktivgenossenschaft "Flämingrind" Kranepuhl.

Diese Einschätzung bestätigte Silvia Wernitz vom Bauernverband. Ihrer Erfahrung nach wissen Schüler aus der 9. Klasse nicht viel mehr über Landwirtschaft als Drittklässler. Deshalb sei es auch so wichtig für die Lehrlinge,vor Ort einen Austausch mit anderen Mitarbeitern der Branche zu haben. "Was man vor Ort sieht, merkt man sich auch besser."

Am Oberstufenzentrum fallen angehende Landwirte häufig im Fach "Wiso" durch, bestätigte Reiner Spiesecke, Lehrer am Oberstufenzentrum Werder. Dabei gehöre ein großer Teil des Stoffs eigentlich zur Allgemeinbildung.

Dennoch scheinen viele Agrarbetriebe gewillt zu sein, Schulabgänger mit schlechteren Zensuren zu nehmen. Dieses Jahr gab es 30 Anmeldungen für die Ausbildung zum Landwirt. In den Jahren davor waren es nicht viel mehr als 20, so Spiesecke: "Wir hatten zuerst Bedenken, aber die Nachfrage an einer Lehrstelle ist zumindest in diesem Jahr größer." In den kommenden fünf Jahren soll der Bedarf an Facharbeitern steigen.

Von Kerstin Voy

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