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Schluss mit Schlachtung von Kaninchen

Tierschützer-Kampagne zwingt Betrieb zu Kompromiss Schluss mit Schlachtung von Kaninchen

Der als Kaninchen-Schmidt in der Region bekannte Beelitzer Traditionsbetrieb stellt nach 28 Jahren zum 31.Dezember 2013 das Schlachten von Kaninchen ein.  Das bestätigte Geschäftsführer Volkmar Schmidt am Mittwoch auf Nachfrage. Hintergrund ist eine Aktion und ein Video des "Deutschen Tierschutzbüros".

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Heimlich gefilmtes Video

Quelle: Screenshot

Beelitz. Ab dem 1. Februar 2014 verlegt sich der Betrieb mit neun Mitarbeitern neben der Veredelung auf das Zerlegen von fremd geschlachteten Kaninchen und das - je nach Wunsch des Einzelhandelskunden- Verpacken der Fleischteile. Die Tiere kämen weiter von den fünf Züchtern aus der Region, mit denen der Beelitzer Betrieb seit Jahren zusammenarbeitet. Diese wollen nach Schmidts Angaben weiter auf Bodenhaltung umstellen, obwohl Käfighaltung bei Kaninchen nicht verboten ist. Wo die Tiere künftig geschlachtet werden, sei aber noch nicht klar, so Schmidt.

Der Geschäftsführer sieht sich zu dem Kompromiss im Betriebsprofil durch eine massive Tierschützerkampagne gezwungen. Der in Köln ansässige Verein läuft seit langem Sturm gegen die nach seiner Meinung "schockierenden Schlachtbedingungen" in Beelitz."Wir standen mit dem Rücken zur Wand", so Schmidt gestern zur MAZ. Innerhalb von 1,5 Tagen haben Großkunden wie Karstadt, Kaiser's, Netto und zuletzt das KaDeWe in Berlin ihre Bestellungen storniert. Um nicht völlig kaputt gemacht zu werden, ist Schmidt mit dem Deutschen Tierschutzbüro eine entsprechende Vereinbarung über die vorn genannten Veränderungen eingegangen. "Wir haben ja nur noch gezittert", so Schmidt.

Das Tierschutzbüro schreibt sich nun als Erfolg auf seine Fahnen, "dass die Supermärkte das Beelitzer Fleisch aus ihrem Sortiment verbannt haben" und der "Betreiber zum Handeln gezwungen" wurde, wie Vereinssprecher Stefan Klippstein gestern erklärte. Seit Monaten hatten die Tierschützer die Berliner Supermarktketten mit Email- und Telefonaktionen sowie mit Demonstrationen vor Ladentheken "unter Druck gesetzt". Ziel war "die Auslistung des Kaninchenfleischs aus dem Schlachthof Beelitz", so Klippstein.

Das Tierschutzbüro hatte die Beelitzer Firma innerhalb einer Aktion bereits vor Ostern Ende März ins Visier genommen und mit einem heimlich auf dem Betriebsgelände gedrehten Video die "Tierquälerei" nachweisen wollen ( MAZ berichtete). Damals hatten weder das Veterinäramt des Landkreises Potsdam-Mittelmark, noch der für die Lebendbeschau zuständige Tierarzt und ein eiligst herbei geholter Gutachter die Vorwürfe der Tierschützer bestätigen können. Diese hatten Kaninchen in engen und mit Kot, Blut und Urin bekleckerten Gitterboxen vorgefunden und dem Betrieb vorgeworfen, die elektrische Betäubung würde vor der Schlachtung nicht immer funktionieren.

Christine Kraft, Tierärztin des Veterinärmtes Potsdam-Mittelmark, wollte gestern die auch ihr schriftlich vorliegende Vereinbarung zwischen Schmidt und dem Tierschutzbüro nicht kommentieren. Aber sie sagte: "Zum Zeitpunkt meiner Kontrollen konnte ich keine Verstöße feststellen." Ansonsten hätte man längst reagiert. Seit der Beelitzer Betrieb derart im Fokus des Tierschutzbüros steht, käme sie nicht mehr nur alle drei, sondern jeden Monat zur Kontrolle zu Schmidt. Die genannten Gitterboxen seien EU-Norm und nur für den Transport vom Züchter zum Schlachter eingesetzt. Kot und Urin würden da nicht ausbleiben, aber die Tiere verweilten nicht lange hinter Gittern. Die, die erst später geschlachtet werden, kommen in einen mit Stroh ausgelegten Bodenhaltungsstall.

Volkmar Schmidt ist zuversichtlich, die Großkunden wieder zurückzugewinnen. Enttäuscht ist er, dass keiner von ihnen das Gespräch mit ihm gesucht habe.

Von Claudia Krause

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