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Schnaps, das war sein erstes Wort

Reppinichen Schnaps, das war sein erstes Wort

Die Obstbrennerei „Kullmann & Sohn“ in Reppinichen kann bis zu 100 Tonnen Obst am Tag verarbeiten – der Brennmeister aber weiß: Schnapsherstellung braucht vor allem Zeit. Seit jeher ein Familienunternehmen, hat die Brennerei Reppinichen weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Mittlerweile werden die Schnäpse auch nicht mehr nur aus Obst gemacht.

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Juniorchef Alf Kullmann kennt sich aus mit Hochprozentigem.

Quelle: Christiane Sommer

Reppinichen. Der 320-Einwohner-Ort am Flämingrand soll Mitte der 1950er Jahre zu den wohlhabendsten Dörfern des ehemaligen Bezirkes Potsdam gehört haben – so berichtet wohlgemerkt die Chronik. Dieser Wohlstand wurde in der Landwirtschaft erarbeitet. Sie war und ist über die Jahrhunderte prägend. Heutzutage zeichnen elf Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen für die Wertschöpfung verantwortlich.

Zu ihnen gehört die Firma „Kullmann & Sohn“, die Reppinichen mit ihren Produkten weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat. Erich und Alf Kullmann stehen an der Spitze der Obstbrennerei und Brennereimanufaktur, die am Ortsrand in direkter Nachbarschaft zum Landgut Reppinichen ihr Domizil hat.

„Wir haben das Unternehmen 1993 als erste Obstgemeinschaftsbrennerei in den neuen Bundesländern gegründet“, erklärt der Juniorchef, dessen Vater Erich bereits drei Jahre zuvor in Loburg (Sachsen-Anhalt) eine Brennerei eröffnet und dort alte Brennrechte erworben hatte. Wurde anfangs noch hauptsächlich Industriealkohol aus Kartoffeln und Getreide produziert, fragten bald immer mehr Obstbauern bei der Brennerei an, die ihr Obst auch in Form von Likören oder Bränden vermarkten wollten.

In dieser Folge begannen die Kullmanns 1998 am Standort Reppinichen Obst aus der Region und aus dem Havelland zu Hochprozentigem zu verarbeiten. Das Geschäft lief zunehmend gut. Der Absatz von anfangs 1000 Flaschen steigerte sich auf mittlerweile 250 000 Flaschen im Jahr. Aus den anfangs 47 Gründungsmitgliedern der Obstbrennerei sind zwischenzeitlich mehr als 1000 geworden, die zugleich die Obstlieferanten sind.

Sechs Mitarbeiter stehen aktuell am Standort Reppinichen an der Seite von Erich und Alf Kullmann und lassen nicht nur aus Äpfeln, Birnen, Erdbeeren, Heidelbeeren und allerlei anderen Obstsorten erlesene Spirituosen werden, sondern zum Beispiel auch aus Spargel, Chili und diversen Kräutern.

In den zurückliegenden Jahren wurde der Standort Reppinichen immer wieder um- und ausgebaut. Aus Alf Kullmann, der ursprünglich gelernter Diplomforstwirt ist, wurde während dieser Zeit ein Experte für Hochprozentiges. In Loburg, am Stammsitz des Unternehmens, beginnt demnächst der Bau einer Schaumanufaktur. „Reppinichen bleibt als Produktionsstandort natürlich erhalten“, versichert der Juniorchef – der, wenn er Lust auf ein Schnäpschen hat, am liebsten einen Birnen- oder Streuobstwiesenbrand genießt.

Letzterer steht aufgrund seines Aromas auch in der Gunst der Kundschaft ganz weit oben – verspricht er aufgrund der verarbeiteten alten Obstsorten doch ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis.

Die Ernte der Streuobstwiesen mit ihrem oft schon in die Jahre gekommenen Baumbestand hilft, alte Obstsorten vor dem Vergessen zu bewahren.

Obgleich bis zu 100 Tonnen Obst täglich in der Brennerei in Reppinichen verarbeit werden könnten, braucht es nach wie vor allem Zeit, bis aus Äpfeln, Birnen, Erdbeeren und Heidelbeeren alkoholische Gaumenkitzler geworden sind. „Zwischen vier Wochen und drei Monaten“, sagt Alf Kullmann, für den Touristenführungen durch den Standort in Reppinichen zum Geschäft gehören. Insofern ist sie längste eine Sehenswürdigkeit – mit Verkostung und Souvenirverkauf inklusive – geworden.

Von Christiane Sommer

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