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Potsdam-Mittelmark Schreiben lernen mit Kopf, Herz und Hand
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00:18 31.05.2017
Barbara Tauber liest die Bücher, die sie verlegt, auch selbst Korrektur. Quelle: Victoria Barnack
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Caputh

Hunderte Bücher schmücken die Wände von Barbara Taubers Wohnung in Caputh. Viele von ihnen hat sie selbst herausgebracht und dafür gesorgt, dass die Worte in ihnen überhaupt zu Papier kommen konnten. Bis in die 1990er Jahre hat sie als Journalistin gearbeitet, vor allem bei großen Zeitungen mit Texten für Frauen und Eltern. Das Schreiben, speziell das kreative Schreiben, habe sie seit ihrer Zeit an einer amerikanischen Schule nicht losgelassen, sagt sie. Unterbrochen wurde die Leidenschaft vom Umzug von Hessen nach Caputh und einer Festanstellung als Sozialarbeiterin, die sie jedoch bald wieder aufgab. „Ich wollte das kreative Schreiben mit der sozialen Arbeit verbinden“, sagt sie und leitet deshalb seit mehr als zehn Jahren die Schreibwerkstatt Manuskriptur in Caputh.

Nebenbei ist Barbara Tauber als Ausbilderin für Erzieher tätig. Erwachsenen aber auch Kindern das Geschichtenschreiben beizubringen, sei für sie der perfekte Ausgleich dazu. „Als Lehrer denkt man so viel in Schubladen und muss Leistungen bewerten“, sagt sie, „für die Schreibwerkstatt bin ich deshalb dankbar." Denn dort ist fast nichts verboten, „außer jemand anderen auszulachen“, betont die 54-Jährige, die sich selbst als Freidenkerin und etwas unkonventionell bezeichnet. Barbara Tauber unterstützt deshalb nicht wahllos jeden, der zu ihr kommt, um ein eigenes Buch zu schreiben oder zu veröffentlichen. Gewinn ist nicht das Hauptziel bei ihrer Arbeit. Die durchschnittliche Auflagenzahl liegt bei 100 Stück.

Kooperation mit dem Familienzentrum

„Die Chemie muss passen“, sagt sie. Immerhin steht auch ihr Name am Ende als Herausgeberin auf den Büchern. Wichtig sei es ihr dabei vor allem, den Selbstausdruck der Autoren professionell zu begleiten. Die Verfasser sollen am Ende beim Lesen das Gefühl haben: „Ja, so bin ich“, sagt Tauber. Oft würden die meisten Menschen erst im Schreibprozess merken, worum es ihnen eigentlich geht. „Aber am Ende sind so gut wie alle stolz auf das, was sie geschrieben haben“, sagt die Caputherin.

Barbara Tauber genutzt nur selten die Schreibmaschine, aber einige Gäste lieben sie. Quelle: Victoria Barnack

Das gilt auch für die „Bücherfische“, die Kinder, denen sie mehr als nur kreatives Schreiben beibringt. Barbara Tauber fördert vor allem bei Grundschülern auch Werte wie Offenheit, Neugier und Selbstbewusstsein. Regelmäßig bietet sie in der Manuskriptur oder gemeinsam mit dem Familienzentrum Schwielowsee Schreibwerkstätten mit abschließender Lesung für die Eltern an. Vier Monate arbeitet sie mit den Kindern, bis deren eigene Bücher fertig und nur das Papier und die Druckerschwärze der Buchstaben nicht selbst gemacht sind. Künstlerin Malou von Simson unterstützt bei der Illustration von Anfang an. Bevor die ersten Geschichten geschrieben werden, schnitzen die Kinder auf Linoleum ihr eigenes Fisch-Logo, das später den Einband des Buches ziert. Unzählige Geschichten mit Tieren, von Monstern und über Freundschaft und Familie sind dabei bereits entstanden.

Hier erklärt Barbara Tauber Jugendlichen das Buchbinden. Quelle: Victoria Barnack

Handwerklicher Aspekt sehr wichtig

Barbara Tauber erklärt den Kindern auch, wie man ein Storyboard zeichnet und alle Seiten selbst gestaltet. Die Entscheidung, ob mit Computer oder der Hand geschrieben wird, lässt Barbara Tauber ebenfalls ganz bei ihnen – obwohl ihr selbst die Handschrift besser gefällt. „Dann bemerken die Kinder beim Vorlesen nämlich ihre Rechtsschreibfehler von selbst und lernen daraus“, sagt sie. Am Ende binden die Nachwuchsautoren die Seiten selbst mit Nadel und Faden. Der handwerkliche Aspekt sei ihr wichtig, betont Tauber, die sich bei ihrer Arbeit in der Schreibwerkstatt am Leitspruch von Pädagogin Maria Montessori „Lernen mit Hand, Herz und Kopf“ orientiert. Schon beim Linoleumschnitzen kämen vielen Kindern die ersten Ideen für Kurzgeschichten. „Wir Erwachsenen würden sagen, das ist unser Ausgleich“, erklärt Tauber.

Schreibtag am 24. Juni

Barbara Tauber hat in Frankfurt/Main Soziologie, Psychologie und Pädagogik studiert.

Auch in diesem Jahr wird sie sich bei der Kunsttour Caputh Ende August/Anfang September beteiligen.

Immer dienstags steht die Veranstaltung „Dienstagsschreibfrauen“ an. Um 19.30 Uhr treffen sich Frauen, die Lust zum Schreiben haben und Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ideen brauchen.

Für Sonnabend, 24. Juni, ist ein großer Schreibtag zwischen 12 und 17 Uhr in Caputh geplant. Um Voranmeldung unter 033209/8 05 33.

Von Victoria Barnack

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