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Schulamt versagt 7. Klassen in Treuenbrietzen

Eltern kritisieren Entscheidung Schulamt versagt 7. Klassen in Treuenbrietzen

Am Gymnasium Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) soll es das zweite Jahr in Folge keine neuen siebten Klassen geben können. Das teilten Schulamt und Bildungsministerium jetzt mit. Eltern, die Stadt als Träger und Schulgremien wollen sich damit nicht abfinden und erneut um eine Ausnahmegenehmigung ringen.

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Wie hier zur Abschiedsparty des jetzigen Abitur-Jahrganges für die Lehrer, soll Schülern am Treuenbrietzener Gymnasium auch künftig der Teppich ausgerollt werden können.

Quelle: privat

Treuenbrietzen. Diesmal ist es äußerst knapp. Lediglich drei Schüler fehlen rechnerisch, um für das Gymnasium „Am Burgwall“ in Treuenbrietzen erneut eine Ausnahmegenehmigung zur Einrichtung siebter Klassen beantragen zu können. Dafür wären mindestens 40 Schüler nötig. Nach Abschluss des Anmeldeverfahrens und des Probeunterrichts gibt es aktuell 37 potenzielle neue Siebtklässler. Das Staatliche Schulamt in Brandenburg an der Havel hat Eltern des aktuellen Jahrganges daher jetzt mitgeteilt, dass es keine neuen siebten Klassen geben könne. Das war bereits im Vorjahr so.

Dennoch setzen sich zahlreiche Eltern, die Schulkonferenz und die Stadt Treuenbrietzen als Schulträger sowie Schüler weiter vehement für den Erhalt der Abiturstufe in Treuenbrietzen ein. „Hier werden durch das strenge Festhalten an Vorgaben seitens der Behörden Chancen ungenutzt gelassen, um für eine ländliche Region über Treuenbrietzen hinaus ein wichtiges Bildungsangebot zur erhalten“, sagt André Biebow, der Vorsitzende der Schulkonferenz am Gymnasium. „Ist die Schule erst weg, sind bald auch Familien weg“, so der Vater zweier Kinder aus Malterhausen (Teltow-Fläming).

Weiter Kampf für den Erhalt der Abiturstufe

Ihren Unmut über die aus ihrer Sicht schon sehr früh als unumgänglich hingenommene Absage der siebten Klassen machten zahlreiche Eltern auch in Briefen an das Schulamt und das Bildungsministerium deutlich. Auch in sozialen Netzwerken im Internet schlagen die Wogen hoch. „Diese breite Unterstützung macht uns Mut, weiter für die Sache zu ringen“, sagt André Biebow. Am Donnerstagabend findet eine Elternversammlung statt. Dazu hat Bürgermeister Michael Knape (parteilos) als Schulträger eingeladen. Er will die Sachlage erklären und mit Eltern und Schulvertretern weitere Schritte beraten. „Man sollte uns wenigstens die Chance einräumen, den Eltern Perspektiven zu bieten und dabei über die Kreisgrenze nach Teltow-Fläming zu blicken“, so Knape. „Einfach eine Schule platt machen, das wird nicht gehen“, sagt der Bürgermeister.

Ausnahmen möglich

Im Land Brandenburg liegt der Frequenzwert pro Klasse an Gymnasien und Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe bei 27 Schülerin. Der unterste der Bandbreit liegt bei 20 Schüler pro Klasse

In besonderen Ausnahmefällen ist ein Unterschreitung möglich. So auch, wenn der Schulbesuch in zumutbarer Entfernung nicht gewährleistet ist oder die Unterschreitung in nicht mehr als zwei Jahrgangsstufen zu erwarten ist.

Das Gymnasium Treuenbrietzen erhielt in den Schuljahren 2013/14 und 2014/15 Ausnahmegenehmigungen. Voriges Jahr reichten die Anmeldezahlen dafür nicht.

Die Öffentlichkeitsarbeit zu der seit Jahren angespannten Situation läuft diesmal direkt über das von Minister Günter Baaske (SPD) geleitete Bildungsministerium des Landes. Dessen Sprecher, Florian Engels, begründet die Entscheidung mit gesetzlichen Vorschriften zu Klassenstärken. Für das Gymnasium „Am Burgwall“ wurden 46 Anmeldungen im Erstwunsch eingereicht. Deutlich mehr als im Vorjahr. „Da ein Antrag zurückgezogen wurde, verblieben 45“, rechnet das Ministerium auf. Allerdings verfügten nur 34 dieser Schüler über den nötigen Notenschlüssel für die direkte Aufnahme.

Für elf Jungen und Mädchen aus dem Erstwunsch-Verfahren blieben Probeunterricht oder Eignungsgespräch als Chance. Eine Schülerin verzichtete auf Erstwunsch und Eignungsgespräch. Keiner von sieben Schülern bestand indes den Probeunterricht. Ein Kind erhielt die Gymnasialempfehlung über das Gespräch im Schulamt. Diese Durchfallrate entspreche „ungefähr dem Landesdurchschnitt der Erfolgsquote von etwa zehn Prozent“, so Engels.

Situation seit Jahren angespannt

Zwei Jugendliche, die aus Sachsen-Anhalt umziehen, sind bereits Gymnasialschüler „und werden im Ü 7-Aufnahmeverfahren rechnerisch nicht berücksichtigt. Sie können nur aufgenommen werden, wenn 7. Klassen tatsächlich eingerichtet werden würden“, erklärte der Ministeriumssprecher. Mit diesen Kindern würden 37 Schüler zu Verfügung stehen. Berücksichtigt werden müsse jedoch auch der spätere Übergang in die gymnasiale Oberstufe, der bei zu wenigen Siebtklässlern nicht möglich sei, heißt es aus Potsdam.

Da in der Region alle anderen Erst- oder Zweitwünsche der Kandidaten für Gymnasien bedient werden können, gebe es keine Schüler mehr, die aus anderen Orten nach Treuenbrietzen umgelenkt werden könnten, argumentiert Engels. André Biebow sieht bis zur offiziellen Ausgleichskonferenz des Schulamtes am Monatsende genau darin jedoch eine Chance. „Man sollte jetzt, wo es so knapp ist, doch wenigstens mit Eltern und Schülern sprechen, die sich womöglich noch umorientieren würden, statt woanders wieder in überfüllten Klassen mit bis zu 30 Schülern unterrichtet zu werden“, sagt der seit Jahren engagierte Vater. Er setzt weiter auf Gespräche.

Das Ministerium kritisiert indes die mitunter in scharfen Worten verfassten Schreiben von Eltern. „Es ist fraglich, ob eine solche Tonlage hilfreich ist, um in einem guten Miteinander den besten Weg für den Schulstandort Treuenbrietzen zu finden“, sagt Florian Engels. Denn dieser solle als wohnortnahes Angebot „natürlich erhalten bleiben“, so der Sprecher. Er verweist auf die Möglichkeit, „einen Standort für eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe einzurichten“. Ein Arbeitsgruppe in Treuenbrietzen verfolgt diese Idee beriet seit fast zwei Jahren. Ein Konzept liegt vor. Die Entscheidung obliege jedoch nicht dem Ministerium, so der Sprecher. Er kündigte an, dass Minister Baaske – er stammt aus dem Fläming und hat hier seinen Wahlkreis als Landtagsabgeordneter – für Gespräche bereit sei. „Womöglich gibt es ja noch eine Lösung“, sagt Florian Engels gegenüber der MAZ.

Von Thomas Wachs

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