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Potsdam-Mittelmark Schulverweigerer kosten Landkreis viel Geld
Lokales Potsdam-Mittelmark Schulverweigerer kosten Landkreis viel Geld
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15:25 24.03.2018
Wenn Kinder und Jugendliche den Schulbesuch verweigern, sind Aktionen von Eltern, Schulamt und Jugendamt im höchsten Maße gefragt. Quelle: Dpa
Mittelmark

Rund 100 Kinder sind im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Projekten, die sie schulisch wieder auf die Bahn bringen sollen. Einige davon sind nach Angaben von Klaus Rajes, zuständiger Teamleiter im Jugendamt, reine Schulverweigerungsmaßnahmen. Den Landkreis kostet das jährlich eine immense Summe. Eine genaue Kostenangabe sei nicht möglich, sagte Rajes, weil einige der Förderungen zugleich auch Erziehungshilfen seien.

Im vorigen Jahr waren allein 43 Kinder in Tagesgruppen untergebracht, in denen sie auch Unterricht bekamen. Es ist ein teilstationäres Angebot für Kinder zwischen acht und 13 Jahren. Diese Hilfe kostetet pro Schützling 500 Euro die Woche, sagte Jugendamtsleiter Bodo Rudolph in einem Gespräch mit der MAZ. Das sind jährlich 1,1 Millionen Euro.

Bodo Rudolph leitet das Jugendamt des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Quelle: JACQUELINE STEINER

Im Durchschnitt sind diese Gruppen mit sieben bis acht Kindern besetzt. Es gibt zwei dieser Gruppen in Teltow und je eine in Werder, Schmerwitz und Bad Belzig. Sie richten sich nicht nur an Kinder und Jugendliche, die sich weigern, zur Schule zu gehen. Das Konzept soll teils auch verhindern, dass es zum Schulschwänzen kommt.

Mit verschiedenen Hilfen versucht das Jugendamt Schulschwänzer wieder auf die Bahn zu bringen. Rajes spricht von einer Erfolgsquote von bis zu 80 Prozent. Bekanntlich ist die Zahl der Schulabgänger in Potsdam-Mittelmark ohne Abschluss binnen zwei Jahren um 30 Prozent gestiegen. Waren es 2013 genau 62 Jugendliche, haben zwei Jahre später schon 81 Schulabgänger diese Bürde zu tragen. Eine Ursache dafür ist Schulschwänzen als Beginn eines Teufelskreises des Schulversagens.

Intensivtherapie für rund 30 Kinder in teilstationären Lerngruppen

Sollte diese Form der Hilfe nicht greifen, kommen reine Schulverweigerungsprojekte des Landkreises zum Tragen. Dort werden derzeit nach Angaben von Rajes rund 30 Kinder unterrichtet. Es beginnt mit Klasse sieben. Es gibt je eine Gruppe in Beelitz , Bad Belzig und Potsdam. Dort ist Träger die Hoffbauer Stiftung. Dabei arbeiten die Träger mit Lehrern zusammen, die von Schulen gesandt werden. Maximal zwölf Jungen und Mädchen erhalten dort je Gruppe Intensivtherapie. All dies sind teilstationäre Angebote. Ebenso gilt das für das Schultz-Hencke-Haus in Brandenburg.

Nein zur Schule

Wissenschaftler schätzen, dass fünf Prozent aller Schüler in Deutschland regelmäßig schwänzen. Ein kleinerer Teil von ihnen hat Schulphobie.

Der Psychologe Sebastian Schoppe von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig nennt dafür unterschiedliche Gründe: Angst vor Prüfungen, vor Lehrern oder Mitschülern, gestörtes Sozialverhalten.

Die Folgen: Abfall der Leistungen, drohender fehlender Schulabschluss, extrem schlechte Berufsaussichten. Häufige Krankheitstage können Vorboten sein. Zunächst werden Randstunden, dann bestimmte Fächer, schließlich ganze Tage geschwänzt.

Es ist eine lerntherapeutische Einrichtung und für Kinder, die in Schulen nicht mehr zurecht kommen, so etwas wie die letzte Instanz. Dorthin gehen Störenfriede und Schulschwänzer, um in Kleingruppen wieder fit gemacht zu werden für die Schule. Psychologen stehen den Schülern ebenso zur Seite wie Lehrer. Selbst aus Berlin kommen Kinder und Jugendliche dorthin, um wieder Erfolgserlebnisse zu sammeln und zu lernen, mit Misserfolgen so klar zu kommen, dass sie nicht wieder in die totale Verweigerung abrutschen. Im Durchschnitt bleiben die Betroffenen dort zwei Jahre.

Projekte, in denen die Jungen und Mädchen nachmittags wieder zu Hause sind, bedeuten, dass die Kinder bei all ihren Problemen nicht aus ihren Familien heraus müssen. „Die Kinder sollen so viel Normalität wie möglich erleben“, so Rudolph. Hilft jedoch all das nicht, gibt es stationären Angebote für Schulschwänzer, Heime in Rädel und Rangsdorf.

Der radikalste Schritt ist die Beschulung im Ausland

„Können sich die Jugendlichen in Gruppen nicht entwickeln, halten sie die Gemeinschaft nicht aus“, so Rudolph, kommt es zum radikalsten Schritt. Vier Jugendliche sind derzeit in Lerntherapie im Ausland. Einige von ihnen haben bereits Bagatelldelikte verübt; sie sollen nicht wieder durch Kontakt zu ihrem früheren Kumpels in die Kriminalität abrutschen. „Der Aufenthalt im Ausland soll stabilisieren“, so der Jugendamtsleiter. Nicht gemeint sind teure Luxus-Abenteuerfahrten, wie sie vor Jahren Schlagzeilen machten in Deutschland.

Meist bleiben die Teenager für einige Monate. Teuerer als Hilfen in Deutschland sei das nicht, so Rajes. „Über Fernunterricht aus Deutschland ist das kostenneutral im Vergleich zu hiesigen Lerngruppen. Genutzt werden solche Angebote von Jugendämtern aus ganz Deutschland.

Von Marion von Imhoff

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