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Schutz vor Mobbing in der Schule

Kulturhaus Niemegk Schutz vor Mobbing in der Schule

Das Berliner Theater Eukitea begeistert in Niemegk mit ihrem Stück „Raus bist Du!“ Schüler und Eltern. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger geben die Schauspieler Hilfe bei Mobbing und weisen einen Weg aus dem Teufelskreis. In Niemegk wünscht man sich nun eine regelmäßige Veranstaltung zum Thema.

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Christian Radenberg, Raffaela Tempeste und Ruth Weyand (v.l.) auf der Niemegker Bühne

Quelle: Saskia Popp

Niemegk. Das gewaltpräventive Theaterstück „Raus bist Du!“lockte am Montag und Dienstag mehr als 300 Schüler, Eltern und Lehrer ins Niemegker Kulturhaus. Die mobile Theatergruppe Eukitea nimmt sich in ihrem an Zehn- bis Vierzehnjährige gerichteten Stück dem Thema Mobbing an Schulen an. Kindgerecht aufbereitet zeigen die Schauspieler Ruth Weyand, Raffaela Tempeste und Christian Radenberg, wie Mobbing entsteht und wirkt – und, wie aus dem Teufelskreis des Drangsalierens, Leidens und Wegschauens ein gemeinsamer Ausweg gefunden werden kann.

Systemisches Arbeiten steht im Vordergrund

Sabrina ist erst zwölf Jahre alt, doch die Last auf ihren Schultern wiegt schwer. Das Mädchen wird täglich in der Schule gedemütigt, beleidigt, geschlagen. Nur wenige Mitschüler machen aktiv mit, die meisten sehen weg – doch auch das ist für Sabrina schwer zu ertragen. Hilfe bekommt sie schließlich von einem engagierten Lehrer, der die Stärken einzelner Kinder direkt herausfordert, um Sabrina beizustehen.

Das Berliner Theater Eukitea ist auf pädagogische Theaterstücke spezialisiert. „Wir spielen verschiedene Stücke, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten“, sagt Schauspielerin Ruth Weyand, „bei der Entwicklung kooperieren wir mit Fachorganisationen.“ Das Theater bietet zudem Nachbereitung im Unterricht und Lehrerfortbildungen an. „Das systemische Arbeiten ist uns sehr wichtig“, so Ruth Weyand, „deshalb freue ich mich besonders, dass wir hier in Niemegk sogar eine Vorstellung für die Eltern anbieten konnten.“

Mobbing in der Schule

Jedes siebte Kind wird im Lauf seiner Schulzeit Opfer von Mobbing. Es gibt dabei kaum Unterschiede zwischen den Schulformen.

Viele Mobbingopfer gehen nicht mehr gern zur Schule, bekommen Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Alpträume und Essstörungen.

Eltern von betroffenen Schülern sollten sich niemals direkt an die Täter oder deren Eltern, sondern immer an einen Lehrer wenden, um ihrem Kind bestmöglich zu helfen.

Vor den Schülervorstellungen nutzten am Montagabend rund zwanzig Eltern die Gelegenheit, „Raus bist Du!“ zu sehen. Unter ihnen war Silvia Näthe. „Meine neunjährige Tochter wird das Stück auch sehen, ich möchte mit ihr zu Hause dann alles besprechen“, sagt die 39-jährige. Aus dem Erleben ihrer älteren Tochter kennt die Grabowerin Mobbing nur zu gut. „Als Mutter war ich vollkommen hilflos, es war furchtbar, das eigene Kind leiden zu sehen und ihm nicht helfen zu können“, erinnert sich Silvia Näthe. Vom Theaterbesuch erhofft sie sich Ansätze, das Selbstvertrauen ihrer kleinen Tochter zu stärken.

Christian Pietrucha, Leiter des Kulturhauses, und seine Schwester Catharina Ibener haben das Ensemble Eukitea in den Fläming geholt. Auch in der Klasse ihres Sohnes habe es einen Mobbingfall gegeben, erzählt Catharina Ibener, sogar Anzeigen bei der Polizei seien gestellt worden. „Ich hoffe, dass wir mehr Interesse bei den Eltern schaffen können“, sagt Ibener, „denn Kinderzimmer können heutzutage auch Tatorte sein.“

Macher wünschen sich Veranstaltungsreihe

Auf der Bühne schaffen es die drei Eukitea-Schauspieler mit einfachen, ständig wechselnden Accessoires, eine ganze Schulklasse mit all ihren Charakteren darzustellen. So mancher Schüler erkennt sich in der shoppingbegeisterten Christina oder im coolen Andy wieder – und manche Mutter bemerkt die Ähnlichkeiten zum eigenen Kind. Auf allzu einfache Täter- und Opferrollen wird verzichtet, Schuldzuweisungen finden seitens der Erwachsenen im Stück nicht statt. Stattdessen wird in der Intervention durch den Klassenlehrer auf eine gemeinsame Zukunft gesetzt. Dieser „no blame approach“ genannte Lösungsansatz bindet den einzelnen Schüler und dessen individuelle Stärken ein, um dem betroffenen Kind helfen zu können.

Christina Ibener hofft nun, die Gruppe Eukitea und ihre gewaltpräventiven Theaterstücke häufiger im Kulturhaus begrüßen zu können. Ein erster Termin steht bereits fest: Im November bringen die Berliner in Niemegk ihr Cybermobbing-Stück für Schüler der Oberstufe auf die Bühne.

Von Saskia Popp

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