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Potsdam-Mittelmark Schwanebeck: Schweinestall stinkt zum Himmel
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwanebeck: Schweinestall stinkt zum Himmel
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00:29 18.10.2015
Die Schweinemast liegt nah am Dorfkern. Unangenehme Gerüche ziehen seit Jahren durch das Örtchen. Quelle: dpa
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Schwanebeck

Den Bürgern stinkt’s endgültig – zum einen wirklich, zum anderen bildhaft. Das hat einen triftigen Grund: Die Schweinemast am Rand des 280-Einwohner-Dorfes geht trotz Mängel- und Anzeigenliste unvermindert weiter. Die eigentlich nötige Brandschau in den Ställen hat jedenfalls noch nicht stattgefunden. Der nachträglich eingereichte Antrag zur Umnutzung der sogenannten Bergeräume ist zurückgewiesen worden. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen unerlaubter Wasserentnahme ist eingeleitet.

Das geht aus einer Antwort von Wolfgang Blasig (SPD) an seinen Parteikollegen Joachim Lindicke aus Werder/Havel hervor. Der Abgeordnete des Kreistages Potsdam-Mittelmark hatte sich ob der ihm bekannt gewordenen Beschwerden aus der Bevölkerung an den Landrat gewandt. Die angeführten Punkte beziehen sich alle auf die größte der drei in Schwanebeck betriebenen Anlagen. Diese gehört zur van de Borne GmbH.

Kritik wird zurückgewiesen

Der Fachausschuss für Bauen, Umwelt und Landwirtschaft hat das Schreiben des Verwaltungschefs in seiner jüngsten Sitzung nochmals erörtert. Die Ergänzungen waren offenkundig nicht zufrieden stellend. „In Sachen Brandschutz besteht immer noch Nachholbedarf. Deshalb konnten wir die Anlage Am Bach 2 noch nicht begehen“, bestätigte Michael Kreutner der MAZ. Der Leiter des Bau- und Rechtsamtes wies indes für alle anderen Kritikpunkte jede Verantwortung des Landkreises zurück. „Da ist die Immissionsschutzbehörde zuständig“, so der Justiziar. Gemeint ist das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Auch bei wasserrechtlichen Prüfung seien deren Mitarbeiter gefragt, meint Hans-Georg Hurttig. „Die Brunnenbohrung ist nur im Zusammenhang mit der beantragten Erweiterung der Mastanlage zu sehen“, so der Abteilungsleiter für Verbraucherschutz im Landratsamt Belzig.

Tausende Tiere

Im Jahr 2003 hatte die Vandenberg Sauenanlage GmbH in Schwanebeck eine Kapazität von 17 201 Tierplätzen. In einem Bauantrag wurde ein Umbau angezeigt. Der Stall sollte auf nur noch 7470 Plätze reduziert werden.

Als der Folgebesitzer „Van den Borne Agrarbetrieb GmbH“ im Jahr 2008 die Anlage zur reinen Zuchtanlage umbauen wollte, war in seinem Schreiben von 9306 Tierplätzen die Rede.

Inzwischen firmiert das Unternehmen als Fläminger Tiergut GmbH. Angaben zur Kapazität liegen nicht vor.

Bei den kleineren, unmittelbar an der Wohnbebauung gelegenen Ställen Am Gesundbrunnen und Am Denkmal zeigte sich demnach, dass Bau- und Umweltabteilung einen unterschiedlichen Informationsstand haben und anscheinend nicht genug miteinander reden. Ging Kreutner davon aus, dass die Anlage Am Gesundbrunnen noch in Betrieb ist, betonte Hurttig, dass diese schon geschlossen sei, weil die Auflagen zum Betrieb der Güllebehälter nicht erfüllt worden waren. Zu den von Anwohnern aktuell beobachteten Bauarbeiten auf dem Gelände konnte sich niemand äußern. Gegen den Betreiber der in der Dorfmitte gelegenen Anlage Am Denkmal hatte das Landesamt schon vor drei Jahren ein Verfahren eingeleitet, weil es Beschwerden wegen nicht ordnungsgemäßer Belüftung gegeben hatte. Ein Ergebnis ist niemandem bekannt.

Anwohner kämpfen seit Jahren

„Einer schiebt die Verantwortung dem anderen zu, die Antworten sind unbefriedigend“, stellte Axel Mueller entsetzt fest. Der Bündnisgrüne fordert wie Michael Klenke (SPD) die Verwaltung schnellstens zur Klärung der Verhältnisse auf. Obendrein soll das Landesamt vorgeladen werden.

In Schwanebeck verbreiten sich die Gerüche im ganzen Ortskern. Quelle: Andreas Koska

Auch Eberhard Boese verfolgte interessiert die Diskussion. Der Schwanebecker kämpft seit Jahren gegen die Geruchs- und Lärmbelästigungen und ahnt wohl, was auf ihn und die Bewohner des Örtchens zukommt. Die oberste Aufsichtsbehörde hat bisher den Standpunkt vertreten, dass Bestandschutz gelte und sie dagegen nicht einschreiten könne. Boese und seine Mitstreiter sind gespannt, ob die Argumentation wider die Interessen der Nachbarn gegenüber Politik und Verwaltungskollegen weiter aufrecht behalten wird.

Von Andreas Koska

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