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Potsdam-Mittelmark Schweinelaster kippt um – 331 Ferkel sterben
Lokales Potsdam-Mittelmark Schweinelaster kippt um – 331 Ferkel sterben
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11:46 27.06.2017
Ein Schweinelaster aus Ungarn ist Montagmittag von der Straße abgekommen. 700 Ferkel waren verladen, mehr als die Hälfte ist verendet. Quelle: Julian Stähle
Wiesenburg/Mark

Zwischen Neuehütten und Wiesenburg aus Richtung Görzke ist im Landkreis Potsdam-Mittelmark am Montag ein ungarischer Schweinetransporter von der Bundesstraße 107 von der Fahrbahn abgekommen und umgekippt.

Nach Angaben der Polizei war der Lastwagen mit mehr als 700 Ferkeln beladen. Eine erste Zählung ergab 716 Ferkel – nur 385 Tiere haben den Unfall überlebt, 331 starben.

Es ist ein dramatischer Einsatz für alle Einsatzkräfte: Bei Wiesenburg (Potsdam-Mittelmark) ist ein Schweinetransporter umgekippt. 700 Tiere waren an Bord. Als der Laster auf der Seite liegt, werden viele Ferkel erdrückt. Sie ersticken. Für die Feuerwehr ist der Einsatz ein Lauf gegen die Zeit – bis zur eigenen Erschöpfung.

Die Wehren der Gemeinde Wiesenburg, aber auch die Freiwillige Feuerwehr Bad Belzig und Görzke wurden gegen 11.50 Uhr zum Einsatz gerufen. Sie rückten mit rund 50 Einsatzkräften an. Der Lastwagen, der nach rechts von der Straße abgekommen war, lag auf der Seite. Der 38-jährige Fahrer und sein 45 Jahre alter Beifahrer wurden bei dem Unfall leicht verletzt und mussten ambulant behandelt werden.

Auf einem Feld am Rande des Unfallortes liegen die verendeten Ferkel. Mehr als 350 starben. Quelle: Julian Stähle

Schwieriger gestaltete sich die Rettung der Tiere. „Das Wichtigste war, vorher Gitter aufzustellen, dass die geretteten Tiere nicht weglaufen“, erklärt Sonja Hahlweg. Die stellvertretende Amtstierärztin war mit zwei Kollegen vor Ort, die außerdem Unterstützung durch die Tierrettung und einer ansässigen Tierärztin bekamen. Glücklicherweise sei eine solch dramatische Situation nicht alltäglich, sagt sie. Hand in Hand habe man mit den Einsatzkräften vor Ort zusammengearbeitet.

Der Lastwagen aus Ungarn war nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und umgekippt. Quelle: Julian Stähle

Kameraden haben Ferkel bis zum Schwächeanfall gerettet

Die Feuerwehr stieg nach dem Aufstellen des Gatters aus Metallzaunfeldern durch das Dach in den Lastwagen. „Die Kameraden haben bis zur völligen Erschöpfung versucht, so viele Tiere wie möglich zu retten“, sagt der Feuerwehrchef Brüning. 40 oder 50 Grad waren in dem Lastwagen. „Die Tiere haben sich natürlich gegenseitig aufgeheizt und zusätzlich schien noch die Sonne“, erklärt die Veterinärin. Ferkel, die unten lagen, hätten demnach kaum eine Chance gehabt. Viele seien erstickt. Weitere Tiere wurden zwar lebend gerettet, mussten dann jedoch getötet werden. Sie erlitten Kreislaufschäden, verfielen in Schockstarren.

Überlebende Ferkel bespritzten die Feuerwehrkameraden mit Wasser. Quelle: Julian Stähle

Die lebenden Ferkel wurden von der Feuerwehr anschließend mit Wasser bespritzt und versorgt – nicht nur im Gatter, sondern auch im Lastwagen. Sie werden am Abend mit einem Tiertransporter abgeholt. „Die Tiere kommen in einen Stall in der näheren Umgebung, um sich zu erholten“, weiß Sonja Hahlweg. Wie lange das braucht und ob sie längerfristig in dem Betrieb unterkommen, kann sie allerdings schwer einschätzen.

Vollsperrung der B 107 dauert bis zum Abend an

Die Polizei machte zur Unfallursache bisher keine Angaben. „Die Ermittlungen dauern zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch an“, erklärte eine Polizeisprecherin. Die B 107 ist seit dem Unfall in der Region ab Neuehütten, Abzweig Schlamau gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Die Vollsperrung sollte bis in den Abend hinein andauern, denn die Tiere mussten verladen und der Lastwagen mit einem Kran geborgen werden.

Der Lastwagen wird mittels Kran geborgen. Quelle: Julian Stähle

Zunächst ging die Polizei davon aus, dass die Straße gegen 20 Uhr wieder freigegeben werden könne. Doch um 19 Uhr war klar, dass der Termin nicht zu halten war. Die Feuerwehr war noch länger mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Es gab keine empfohlene Umleitungsstrecke. Angesichts der Bauarbeiten in der Region und damit einhergehenden Sperrungen und Ortsumleitungen dürften es Autofahrer ohne Ortskenntnis schwer gehabt haben.

Von Julian Stähle und Christin Iffert

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