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Schwielowsee Schau mit Werken von Hans-Otto Gehrcke eröffnet
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Schau mit Werken von Hans-Otto Gehrcke eröffnet
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13:22 12.12.2018
In den 1950er Jahren malte Hans-Otto Gehrcke sein eigenes Segelboot mit Öl auf Leinwand. Quelle: Luise Fröhlich
Ferch

Gleich mehrmals blickt Hans-Otto Gehrcke malerisch auf die Idylle des Schwielowsees. Blauer Himmel, saftig grüne Wiesen und Fischerboote, die am Ufer mit den Wellen schwanken. Aber auch im Winter schätzte der Künstler, der von 1896 bis 1988 lebte, die dann verschneite Aussicht auf das Wasser. Ferch war seit 1927 sein Lebensmittelpunkt, dort hatte er sein Atelier und brauchte nur aus dem Fenster zu schauen, um sich von der Natur inspirieren zu lassen. Einen Spaziergang durch die Landschaften, die Hans-Otto Gehrcke auf Leinwand oder Papier festgehalten hat, bietet die aktuelle Ausstellung in den Fluren des Kulturministeriums. Sie zeigt fast 60 Werke aus dem Nachlass des Künstlers. Ministerin Martina Münch (SPD) hat die Schau am Dienstagnachmittag im Beisein von etwa hundert Gästen und dem Shantychor der Wasserschutzpolizei des Landes eröffnet.

Im Foyer begegnen dem Betrachter acht elementare Gemälde. Hans-Otto Gehrcke lässt im Sommer und im Winter auf sein Haus blicken, verewigte seinen Garten, Bäume und Wiesenlandschaften. Folgt man dem langen Flur links, treten die Werke in den Fokus, die der Künstler auf Wasserreisen gefertigt hat. Er segelte oft mit seinem eigenen Boot über die Nord- oder Ostsee, war zu Gast in Stralsund oder auf der Insel Vilm bei Rügen. Im gegenüberliegenden Flur sind die heimischen Landschaften zu finden.

Geprägt vom französischen und deutschen Impressionismus

„In der Schau wird ein zeitlicher Bogen von Gehrckes Frühwerk der 1920er Jahre bis zum Spätwerk der 1960er Jahre gespannt“, erklärte Ministerin Martina Münch. Die Bilder spiegeln einerseits den sesshaften Fercher und andererseits den in die Ferne strebenden Segler wieder. Geprägt sind die naturverbundenen Werke in Öl, Pastell und Aquarell von den Strömungen des französischen und deutschen Impressionismus. Die aktuelle Ausstellung mache deutlich, dass Brandenburg schon seit Jahrzehnten Künstler inspiriert und anzieht, so Martina Münch weiter.

„Auf seinen Bildern wird das Wesen der Landschaft sichtbar. Die Selbstdarstellung des Künstlers tritt in den Hintergrund“, sagte Kurator Thomas Kumlehn. Angeregt durch seinen Vater Martin habe sich Hans-Otto Gehrcke in Ferch bald heimischer gefühlt als in Berlin. 1913 kaufte der Vater ein Grundstück in der Fercher Siedlung Neue Scheune. 1927 baute sein Sohn es mit Atelier und Veranda aus. Eine Holzbrücke verbindet den Garten über den Uferweg hinweg mit dem See. Erika Bauer erbte das Haus vor 30 Jahren, als Hans-Otto Gehrcke verstarb. Die beiden hatten sich zehn Jahre zuvor kennengelernt. „Sie verbesserte die Verwahrungssituation der Werke, restaurierte Stück für Stück das Haus und kümmerte sich um Ausstellungen“, berichtete Thomas Kumlehn. Dass dem Künstler nach seinem Tod mehr Ausstellungen gewidmet waren als zu seinen Lebzeiten, sei auch ein Verdienst der engagierten Nachlasshalterin.

Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten

Erika Bauer half nun zudem dabei, das Nachlassverzeichnis des Künstlers zu digitalisieren. Im Jahr 2014 hatte der Verein „Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg“ das Projekt des Mobilen Nachlass-Services ins Leben gerufen. Inzwischen sind 13 Künstler auf der Datenbank zu finden. Mit der Vernissage am Dienstag wurde auch das Verzeichnis zu Hans-Otto Gehrckes Werken freigeschaltet. Erika Bauer hatte gemeinsam mit Kunsthistorikerin Annette Purfürst Texte erarbeitet. „Die Verzeichnisse sollen dadurch breit zugänglich sein sowie anschaulich, zeitgemäß und informativ. Die Datenbank bietet eine gute Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten“, sagte Martina Münch. Wer einen Blick in die mobilen Aufstellung werfen will, kann das direkt im Foyer des Kulturministeriums oder vom heimischen Computer aus tun.

Thomas Kumlehn zufolge hat der Künstler, der wie Theo von Brockhusen oder Karl Hagemeister zur Havelländischen Malerkolonie gehörte, der Nachlasshalterin so manche Nuss zum Knacken hinterlassen. Einige Werke ließ er ohne Titel, andere ohne Entstehungsdatum und wieder andere signierte er erst im Nachhinein. „Neue Erkenntnisse können nun direkt in die digitale Datenbank eingearbeitet werden“, sagte der Kurator der Ausstellung.

Hans-Otto Gehrcke galt als bescheidender und ernster Mensch, der zurückgezogen lebte und einige tiefe Freundschaften pflegte. „Seine beeindruckende Unabhängigkeit, zum Beispiel von Künstlerverbänden, hatte einen hohen Preis: Er hatte keinen hohen Lebensstandard“, erklärte Thomas Kumlehn. Zu den gern gesehenen Gästen in Gehrckes Refugium, dem strohgedeckten Fachwerkhaus in Ferch, zählte der befreundete Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster. Er wirkte auch bei der Gestaltung des Künstler-Gartens mit.

Info: Die Ausstellung in der zweiten Etage des Kulturministeriums, Dortustraße 36, ist bis zum 21. Februar 2019, montags bis freitags von 7 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Krieg unterbrach das Studium

Der 1896 im niedersächsischen Langelsheim geborene und 1988 in Ferch gestorbene Hans-Otto Gehrcke begann 1914 das Studium der Malerei an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste in Berlin bei Friedrich Kallmorgen. Nach dem Ersten Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft nahm er das Studium 1919 wieder auf – diesmal in der Landschaftsklasse von Olof Jernberg.

Seine Bilderfinden sich unter anderem im Sammlungsbestand des Potsdam-Museums und in der Stiftung Stadtmuseum in Berlin.

Von Luise Fröhlich

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