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U-Boot-Krieg im Zweiten Weltkrieg – ein Matrose erzählt

Der Überlebende vom U-Boot 313 U-Boot-Krieg im Zweiten Weltkrieg – ein Matrose erzählt

Gerhard Rynkowski aus Wittbrietzen ist einer der letzten Zeitzeugen eines brutalen Seekriegs. Er war 17 Jahre alt, als er im Juni 1942 zur Kriegsmarine eingezogen und kurze Zeit später Matrose des Unterseebootes 313 wird, das den Krieg überstand und am Ende doch vor England auf dem Meeresgrund landete.

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Zeitreise: Gerhard Rynkowski aus Wittbrietzen im Dezember 2017 in einem bauähnlichem U-Boot im Marinemuseum in Laboe bei Kiel.

Quelle: Matthias Esselbach

Wittbrietzen. Das Unterseeboot 313 wollte beim Stapellauf nicht ins Wasser. Man könnte fast meinen, der 67 Meter lange Stahlkoloss hätte sich gegen das gewehrt, was man mit ihm vorhatte. Das U-Boot 313 rutschte nicht vom Stapel, es musste gekeilt und gezogen werden. „Es schwamm dann aber doch und überlebte Dinge – sagenhaft“, sagt Gerhard Rynkowski. Er weiß, von was er spricht. Der Wittbrietzener war Matrose der U 313, die den Krieg überlebte und am Ende doch vor England auf dem Meeresgrund landete. Gerhard Rynkowski dürfte einer der letzten Zeitzeugen sein, die vom Seekrieg und von den dramatischen Erlebnissen an Bord eines U-Boots erzählen können. Der Krieg hat ihn zum Friedensfreund gemacht. Der 92-Jährige spricht heute von Freundschaft und Völkerverständigung, weil er die Brutalität eines Krieges kennt, den nicht viele U-Boot-Besatzungen überlebten.

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Gerhard Rynkowski aus Wittbrietzen ist einer der letzten Zeitzeugen eines brutalen Seekriegs. Er war 17 Jahre alt, als er im Juni 1942 zur Kriegsmarine eingezogen und kurze Zeit später Matrose des Unterseebootes 313 wird, das den Krieg überlebte und am Ende doch vor England auf dem Meeresgrund landete.

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Gerhard Rynkowski ist 17 Jahre alt, als er im Juni 1942 zur deutschen Kriegsmarine eingezogen wird. Er will zur See fahren, dass es die meiste Zeit unter Wasser in einem U-Boot sein würde, war nicht geplant. Bei der Ausbildung an der U-Boot-Schule in Gotenhafen wissen die jungen Matrosen wenig von den Gefahren, die über und unter Wasser auf sie lauern werden. „Dass da im Fronteinsatz manchmal 30 Boote in nur einem Monat versenkt wurden, hat uns niemand gesagt“, erzählt Rynkowski. Die 13 und die 3 haben ihm Glück gebracht, sagt er. Die beiden Zahlen ziehen sich durch sein ganzes Leben. Am 13. März 1943 wird er zur 3. Kriegsschifflehrabteilung nach Lübeck abkommandiert. Mit 13 Leuten ist er in Stube 13 untergebracht, in Lübeck wird er dem U-Boot 313 zugewiesen, dessen Innenleben er noch heute bis ins Detail erklären kann. „Wir hatten die Hoffnung, wir kommen nach Frankreich“, sagt Rynkowski. Sie aber müssen nach Norwegen ins Nordmeer.

Leben und Tod nah beieinander

Wie nahe Leben und Tod auf hoher See beieinander liegen, erfährt er mehrfach. „Bei einem Alarm im Nordmeer springen alle rein ins Boot. Der Kommandant ruft ’Fluten’, lässt sich fallen und zieht die Luke im Fallen zu“, erzählt er. Dabei bricht der Bolzen, was sich allerdings als großes Glück herausstellt – für den Artilleriemechaniker, der vom Kommandanten vergessen wurde und noch über Bord auf dem Boot stand. „Der Bolzenbruch rettete ihm das Leben.“ Wäre er nicht gebrochen, das U-Boot wäre ohne ihn abgetaucht.

Museumsreifes Soldbuch

Museumsreifes Soldbuch: Gerhard Rynkowski hat heute noch seinen Soldatenausweis von 1942.

Quelle: Matthias Esselbach

„Ich bin auch ein paar mal wiedergeboren worden“, sagt Rynkowski. Ostern 1944 zum Beispiel. Die U 313 soll Geleitzüge der Kriegsgegner im Nordatlantik versenken, um den Nachschub von Versorgungs- und Kriegsgütern zu verhindern und kommt dabei selbst in Bedrängnis. Das U-Boot wird von englischen Zerstörern mit Wasserbomben angegriffen. „Die Werft hatte für das U-Boot eine Tauchtiefen-Garantie von 90 Metern gegeben“, erzählt Rynkowski. Zum eigenen Schutz sinken sie immer tiefer bis auf 200 Meter. In Momenten ohne Explosionen ist zu hören, welcher Druck auf dem Boot lastet.

Im Metallkörper knirscht und knackt es. Wasser dringt im Heckbereich ein, die U 313 gerät in Schräglage. „Die Besatzung sammelte sich dann im vorderen Bereich, um das Boot zu stabilisieren“, sagt er. Die Pumpsysteme konnten sie nicht einschalten, weil die Verfolger über ihnen das Geräusch gehört hätten. Hier zeigt Rynkowski, der gelernte Dreher, sein Tüftel-Talent. Er kommt auf die Idee, die kleine Handpumpe zu nutzen. Literweise pumpt er Wasser heraus – immer dann, wenn die Explosionsgeräusche der Wasserbomben jeden Laut überdecken. Nach den Wasserbombenangriffen melden die Engländer, die U 313 sei versenkt worden. In der Kriegszeit galt das Boot drei Mal als versenkt. „Angehörige, die Feindsender hörten, trugen schon Trauer.“

Nach Rathenow abkommandiert

Dass er vor dem ersten Kriegseinsatz noch einmal nach Hause durfte, war einem Unfall bei einer Übungsfahrt geschuldet. Ein Motorschiff hatte das aus dem Wasser ragende Seerohr beschädigt. Rynkowski wurde nach Rathenow abkommandiert, um ein neues zu besorgen. Bei seinen Zwischenstopp daheim in Luckenwalde bringt er Mehl und Zucker aus dem U-Boot mit. „Mutter machte daraus einen Kuchen.“ Nach den ersten Bissen verziehen sie alle ihr Gesicht, nur er nicht. Der Kuchen schmeckte nach Diesel, wie alle Lebensmittel aus dem U-Boot, das oft tagelang unter Wasser lag und dann nur über einen Schnorchel mit Luft versorgt wurde.

Die seltenen Landgänge waren eine Chance zum Luftholen und brachten manchmal Erkenntnisse, die das schiefe Weltbild erschütterten. „Wir waren Kinder, die bei den Nazis erzogen wurden“, sagt Rynkowski. Bei einem Landgang in Hammerfest (Norwegen) begegnen den Seeleuten junge Frauen, die deutsch sprechen. „Es sind schnell Pärchen entstanden.“ Rynkowski fragt die Frau an seiner Seite: „Wie heißt du?“ Sie antwortet: Swetlana. Swetlana kam aus Kiew, konnte gut deutsch, besuchte eine Universität, bevor sie von Deutschen in ein Lager nach Norwegen verfrachtet wurde. Beim Ausgang brachte sie dem jungen Deutschen an ihrer Seite die Erkenntnis, „dass die im Osten keine Untermenschen sind“.

Ein Stück Menschlichkeit

„Was mich heute noch freut: Wir hatten uns damals noch so viel Menschlichkeit bewahrt, dass wir Seeleute sowjetischen Kriegsgefangenen in einem U-Boot-Bunker Büchsenbrot zugeschoben haben“, sagt Rynkowski

Der Seemann geriet später in englische Kriegsgefangenschaft. Er gehörte zu den fünf Spezialisten, die an der Küste vor England bis zum Schluss auf den U-Booten bleiben mussten. Er ging als letzter von Bord, bevor die U 313 mit anderen deutschen U-Booten bei der Operation „Deadlight“ versenkt wurde. Nach der Kriegsgefangenschaft kehrt Gerhard Rynkowski 1947 in die Heimat zurück. Der Tüftler, der an Bord der U 313 einige Probleme löste und zum Beispiel die Lötlampe an Bord mit 70-prozentigen Rum wieder in Gang bekam, zeigte wieder sein Improvisationstalent. Um die Ernährung zu sichern, sollen die Bulldogs wieder klar gemacht werden. Rynkowski entdeckt in T-34-Panzern Schrägrollenlager, die in die Bulldogs passen. Aus Autodecken schneidet er Keilriemen heraus. Er war dabei so überzeugend, dass sie ihn später zum Landwirtschaftsmaschinen-Inspekteur in der Luckenwalder Kreisverwaltung machen.

Noch heute an der Arbeitsbank

In seinem Leben nach der U 313 war Rynkowski auch Geschäftsführer der Potsdamer Verkehrswacht und baute für Kinder Co-Karts. Noch heute steht er an der Dreh- und Drechselbank. Einen Flaschenöffner mit gedrechseltem Holzgriff schenkte er Matthias Esselbach. Der Langerwischer will über das Leben des U-Boot-Fahrers ein Buch schreiben. Gemeinsam besuchen sie Ende 2017 in Laboe bei Kiel das Marinemuseum. Rynkowski steht noch einmal in einem U-Boot ähnlicher Bauart. „Er kennt immer noch jede Schraube und jedes Ventil“, sagt Esselbach und fügt hinzu: „Ich hätte nicht für möglich gehalten, als Pazifist ein U-Boot zu betreten und die Erzählungen eines Matrosen interessant zu finden.“ Der Matrose, der heute in Wittbrietzen in der Buchholzer Straße 33 wohnt und einen Wartburg mit dem Kennzeichen PM-RU 313 fährt, wird am Donnerstag 93 Jahre alt.

Von Jens Steglich

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