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Sein EU-Praktikum hebelte Rivalitäten aus

Fliesenleger-Azubi aus Brück Sein EU-Praktikum hebelte Rivalitäten aus

Tim Mandau ist ein Handwerker, der gern anpackt. Er macht in Brück eine Ausbildung zum Fliesenleger. Im vergangenen Jahr hat er ein Praktikum im Ausland gemacht und dafür jüngst den Europass erhalten. Die Erfahrung macht sich allerdings nicht nur im Lebenslauf gut, sondern hat dem 18-Jährigen etwas Wichtiges fürs Leben mitgegeben.

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Tim Mandau ist Azubi in Brück. Im Ausland konnte er Erfahrungen sammeln.
 

Quelle: Christin Iffert

Brück.  Tim Mandau ist ein junger Mann, der gern anpackt und etwas mit seinen eigenen Händen schafft. Deshalb lässt er sich in seinem Heimatort Brück zum Fliesenleger im Meisterbetrieb Hüther ausbilden. Da Lehrjahre nach dem Volksmund bekanntlich Wanderjahre sind, hat er ein Praktikum im Ausland gemacht. Dafür hat er jüngst den „Europass Mobilität“ bekommen. Das ist ein anerkanntes Zertifikat der Europäischen Union, das die Kompetenzen aus dem Praktikum dokumentiert.

Der 18-Jährige war im vorigen Herbst mit zehn weiteren Lehrlingen und Wolfgang Klemenz vom Lehrbauhof in Oranienburg drei Wochen in der norditalienischen Provinz Mantua. Dort haben die Azubis im Rahmen eines Erasmus-Programms in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Potsdam Teile eines ehemaligen Klosters wieder neu aufgebaut, historische Gemäuer wieder hochgezogen. Das frühere Franziskanerkloster ist heute eine Schule an der in Italien unterschiedliche Berufe ausgebildet werden.

Die Steine waren um die 500 Jahre alt

Die Reise ins europäische Ausland ist für den 18-Jährigen eine große Bereicherung und eine ganz andere Erfahrung. Gearbeitet wurde mit unterschiedlichen Materialien. Beispielsweise wurde weniger Zement verwendet, dafür aber Kalk zum Mörteln. „Außerdem haben wir mit Steinen gearbeitet, die zum großen Teil 500 bis 600 Jahre alt sind“, erklärt Mandau. Die haben natürlich keine Einheitsgrößen und müssten wie ein Puzzle zusammengestellt werden.

Das ehemalige Kloster in Mantua ist renovierungsbedürftig

Das ehemalige Kloster in Mantua ist renovierungsbedürftig. Lehrlinge haben eine Mauer wieder hochgezogen.

Quelle: privat

Der Azubi hat für die Reise einen kleinen, finanziellen Eigenanteil geleistet, um die Erfahrung im Ausland machen zu können. Außerdem mussten Berufsschule und Meisterbetrieb noch mitspielen und ihn für die Dauer des Aufenthaltes freistellen. Mandaus Chef, der Fliesenlegermeister Jens Hüther aus Brück, musste nicht lange überlegen. „Die Erfahrungen sind wichtig für die Zukunft. Die Lehrlinge können bei einem solchen Aufenthalt Horizont und Wissen erweitern“, erklärt der Firmenchef. Außerdem sei die Europäische Union wichtig. Gerade Unternehmen könnten davon profitieren, wenn ihre Mitarbeiter dort etwa die Gegebenheiten auf der Baustelle kennenlernen, die sich von denen im Heimatland unterscheiden. Einen Austausch würde er deshalb jederzeit wieder unterstützen – auch mit Blick auf das eigene Interesse an Aufträgen, die über die Landesgrenzen hinausgehen.

Jens Hüther ist Fliesenleger und hat einen eigenen Meisterbetrieb

Jens Hüther ist Fliesenleger und hat einen eigenen Meisterbetrieb. Seine Lehrlinge würde er bei einem Auslandspraktikum immer wieder unterstützen.

Quelle: Christin Iffert

Siesta nicht nur zum Mittag, sondern auch beim Arbeitsschutz

An die Arbeitsweise und Mentalitäten musste sich Tim Mandau in Italien erst einmal gewöhnen. „Mittags ist Siesta. Nach dem Mittagessen passiert dann bis zum späten Nachmittag nichts. Das kannten wir so natürlich nicht“, erinnert er sich. Außerdem hielt man es mit dem Arbeitsschutz nicht so genau. Während man in Deutschland klare Vorgaben einhält, sind die Italiener etwas lockerer. Da wird der Helm mitunter erst aufgesetzt, wenn Kontrolleure des Arbeitsschutzes anrücken. „Die kamen anfangs täglich.“

Seit 1994 fährt der Lehrbauhof regelmäßig mit Auszubildenden nach Mantua. „Eigentlich sollte das Projekt, wenn es nach den Italienern gegangen wäre, nur sechs oder sieben Jahre dauern“, erklärt der verantwortliche Betreuer vom Lehrbauhof, Wolfgang Klemenz. Dann hätte das Bauwerk fertig sein sollen. Ein optimistisches Ziel, das von Anfang an unrealistisch war. „Ich habe damals schon gesagt: Wenn wir bis zu meiner Rente dort fertig werden, können wir glücklich sein.“

Ausbilder erlebte Erdbeben 2012 live vor Ort

Mehr als zwei Jahrzehnte später scheint sich die Einschätzung des Ausbilders, der inzwischen 63 Jahre ist, zu bewahrheiten. Nachdem 2012 ein Erdbeben auch noch Gemäuer, alte Kreuzgewölbe einstürzen und den Giebel des Klosters absenken ließ, hängt der Zeitplan weiter hinterher. Damals war Klemenz mit anderen Lehrlingen sogar zufällig vor Ort. „Das Beben der Erde wirkte, als würde ein schwerer Laster an einem Haus vorbei fahren. Die Gläser wackelten ein wenig.“ Die Schäden waren für Italien verheerend. In diesem Jahr gab es hohe Verluste, weil beispielsweise 400000 Parmesan-Laibe zerstört wurden.

Auch die Fassade wurde während des Aufenthaltes bearbeitet

Auch die Fassade wurde während des Aufenthaltes bearbeitet.

Quelle: privat

Nach dem jüngsten Besuch in Mantau ist das Gewölbe der Schule beinahe zur Hälfte fertiggestellt. „Die Jungs haben im Herbst richtig angepackt“, sagt Klemenz. Dabei sei die Arbeit schwer. Eigentlich eine richtige„Drecksarbeit“, meint Klemenz. Im Team könnten sie das aber gut stemmen. Außerdem spiele es keine Rolle, dass die Auszubildenden nicht alle Maurer-Lehrlinge waren. „Im ersten Lehrjahr ist die Grundausbildung bei uns am Lehrbauhof weitgehend ähnlich.“

Rivalität zwischen Maurern und Fliesenlegern

Wolfgang Klemenz zehrt noch heute davon, mit welcher Begeisterung die Lehrlinge um Tim Mandau in Italien arbeiteten und sich gleichzeitig von der Kultur oder auch dem Essen beeindrucken ließen. Neben dem Arbeitsalltag konnten sie auch Sehenswürdigkeiten erkunden, Menschen kennenlernen. „Ich war überrascht, wie herzlich wir dort aufgenommen wurden. Da nahm es einem auch niemand übel, dass wir die Sprache nicht sprechen konnten“, ergänzt Mandau. Außerdem hat der Azubi im zweiten Lehrjahr etwas ganz Wichtiges fürs Leben mitnehmen können: Früher hat es „so ein bisschen Rivalität zwischen Maurern und Fliesenlegern gegeben.“ Die Reise aber hat zusammengeschweißt – „Teamarbeit eben“.

Von Christin Iffert

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