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Potsdam-Mittelmark Seit 15 Jahren zieht er über die Dörfer
Lokales Potsdam-Mittelmark Seit 15 Jahren zieht er über die Dörfer
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19:39 02.01.2018
Andreas Uecker ist seit 15 Jahren Pfarrer in Bliesendorf und schätzt die Atmosphäre in der Kirchengemeinde. Quelle: Luise Fröhlich
Bliesendorf

Auf dem Weg durch die Dorfstraße bleibt der Blick unweigerlich am Bliesendorfer Pfarrhaus hängen. Ein ganzes Stück zurückgesetzt, öffnet der hundert Jahre alte Bau das Tor zu einem einzigartigen Ensemble aus Kirche, Friedhof, einer großen Wiese mit Backofen und jeder Menge Platz für Feste und Veranstaltungen. Im Pfarrhaus lebt seit 2003 Pastor Andreas Uecker mit seiner Familie. Der 55-Jährige ist im Vergleich zu anderen Kollegen im Umkreis unbefristet ins Amt gewählt worden. Erst später wurden die Pfarrämter auf zehn Jahre begrenzt. Andreas Uecker geht nach 15 Jahren in der evangelischen Kreuz-Kirchengemeinde Bliesendorf noch lange nicht die Luft aus. „Die Zeit vergeht sehr schnell und ist geprägt von vielen Vorhaben, die noch umgesetzt werden können“, sagt der Theologe.

Zu den wichtigsten Vorhaben zählt der Pfarrer den Gospelchor, das Asylcafé und die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Konfirmanden. All das gehe nicht nur auf sein Bemühen zurück, sondern vor allem auf das der Gemeindemitglieder. „Die großen Vorhaben kommen aus der Gemeinde selbst. Sie trägt sich sozusagen aus sich heraus. Die Mitglieder organisieren vieles selbst“, berichtet Andreas Uecker. Der Pfarrer sieht daher nicht sich selbst im Zentrum, sondern die vielen Aktiven und Freiwilligen. „In der Gemeinde herrscht eine sehr schöne Atmosphäre, geprägt von bedachtsamen Umgang miteinander in dem Wissen, dass das, was der andere macht und leistet, wertvoll ist.“

Auch der Vater war Pfarrer

Fragt man Andreas Uecker nach dem Grund für sein Interesse an der Theologie, bezieht er sich auf den Philosophen Immanuel Kant. Dieser habe festgestellt, dass es zwei Dinge gibt, die man staunend bewundert: das Himmelsgestirn und das menschliche Herz. In der Theologie habe er mit beidem zu tun, sagt der Pfarrer. Sein Vater war ebenfalls Pastor und er spielte schon als Kind Orgel. Von 1981 bis 1986 studierte er in Greifswald Theologie. Als einer der letzten Studienjahrgänge konnte er dort die Vorlesungsreise „Die Theologie von Martin Luther“ von Professor Ernst Kähler hören, wie er auch im aktuellen Gemeindebrief schreibt. Drei Jahre später war Andreas Uecker als Privatassistent von Ernst Kähler tätig und wohnte mit in seinem Haus. In dieser Zeit begann er seine Promotion und half dem Professor bei Veröffentlichungen.

Am 1. August 1989 trat der dreifache Vater seine erste Pfarrstelle in der Uckermark an. Bis 2003 war er in Angermünde und Crussow tätig. „Da habe ich reichlich bauen können – drei Pfarrhäuser und sieben Kirchen“, erzählt er. Umso mehr wusste Andreas Uecker die Leistung seines Vorgängers in Bliesendorf zu schätzen, als er zu Beginn des neuen Amtes gut sanierte Kirchen vorgefunden hat. Die Umstellung von der Uckermark auf Potsdam-Mittelmark sei spürbar gewesen. „Das Kulturangebot ist hier gedrängter und die Gemeinden stehen vor ganz anderen Herausforderungen“, berichtet Andreas Uecker. In der Uckermark haben ihn vor allem Dritte-Welt-Arbeit und das Thema „Gerecht Bauer sein“ beschäftigt. Für Kultur habe ein Theater gesorgt, das meist im Sommer über die Dörfer gezogen sei.

Für das Lego-Spielzeug gibt es ein eigenes Zimmer

Der Terminkalender für das bevorstehende Jahr in der Kreuz-Kirchengemeinde Bliesendorf ist dichter und bereits gut gefüllt. Neben einem Pfarrer aus Mainz haben sich auch ein Theologe aus Heidelberg, ein Naturwissenschaftler und ein Politiker angekündigt. Gemeinsam mit den Kindern aus dem Pfarrsprengel Plötzin wird die Gemeinde wieder viel im Wald unterwegs sein und auch Kunstprojekte stehen auf dem Plan, von denen Andreas Uecker aber noch nichts verraten will.

Kirche in Bliesendorf Quelle: Luise Fröhlich

Sonntags zieht der Pfarrer von Kirche zu Kirche. „Die vier Predigtstellen gestalten sich sehr gut. Um 9 Uhr geht es los. Der Sonntagvormittag ist lang genug, um am Nachmittag noch Zeit für mich zu haben“, sagt Andreas Uecker. Die Orte Ferch, Bliesendorf, Kanin und Fichtenwalde liegen je nach Route etwa zwölf Kilometer auseinander. Hat der Pfarrer Feierabend, widmet er sich oft der Kultur. Im Sommer fährt er in der Freizeit außerdem Boot oder Kanu. Im Winter nimmt er sich die Zeit für seine Lego-Leidenschaft, für die er sogar ein eigenes Zimmer hat, oder fährt Fahrrad. „Ich habe mal sehr gut Orgel und Klavier gespielt, in diesem Jahr will ich die Posaune etwas auffrischen“, erzählt er. Wann immer der Pfarrer kann, liest er die Bibeltexte zudem auch auf Hebräisch und Griechisch. Denn dies sei eine gute Möglichkeit, um aus dem eigenen Leben und Denken auszubrechen.

Besonderer Stellenwert für die Zugezogenen

Für die zugezogenen Bliesendorfer habe die Kirche einen besonderen Stellenwert, sagt Andreas Uecker. Sie sei eine innere Heimat und biete vor Ort ein inhaltliches Leben. „Die Menschen kommen zusammen, ohne ein besonderes Interesse zu haben. Die Kirche und die Gemeinde helfen ihnen dabei, Probleme zu bewältigen und sie in schwierigen Zeiten zu tragen“, sagt der Pastor. Im Gegenzug kümmern sich die Menschen aber auch hingebungsvoll um ihre Gotteshäuser. „Überall sind welche, die sich um die Kirchen kümmern und damit meine ich nicht nur das Lüften.“

Historische und einzigartige Kirchenmauern

Eine Besonderheit der Kreuz-Kirchengemeinde ist das Kaniner Gotteshaus. Erbaut im 12. Jahrhundert, gilt sie als eine der ältesten Kirchen Brandenburgs.

In Fichtenwalde, wo Pfarrer Andreas Uecker oft die meisten Gottesdienstteilnehmer zuhören, ist ein Gemeindezentrum an der Kapelle entstanden. 2007 wurde es eingeweiht. Dirk Stach organisiert dort Veranstaltungen, die von durchschnittlich 50 Gästen besucht werden.

Die Fischerkirche Ferch ist ebenfalls ein einzigartiges Bauwerk. Im 17. Jahrhundert wurde sie als schlichte märkische Predigerkirche gebaut.

Die Bliesendorfer Kirche sah der Kaniner ursprünglich ähnlich, wurde aber 1847 umgebaut. Der baufällige Fachwerkturm musste abgetragen werden.

Seit 2012 ist Karin von Schierstedt als Gemeindesekretärin tätig. Der Chef des Kulturforums Schwielowsee Lothar Knappe aus Ferch begleitet jeden Gottesdienst auf der Orgel.

Musikalisch geht es auch dank Antje Ruhbaum zu, die seit 2011 im Bereich Kirchenmusik tätig ist. Saskia Saaro ist Kreisjugendreferentin und Klaus Töpfer ist für die Technik zuständig.

Von Luise Fröhlich

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