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Potsdam-Mittelmark Vorfahrt für Wildtiere
Lokales Potsdam-Mittelmark Vorfahrt für Wildtiere
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08:28 16.07.2014
2012 wurde die Grünbrücke über die A9 bei Niemegk in Betrieb genommen. In ganz Brandenburg gibt es acht solcher Bauten. Quelle: MAZ-Archiv
Bad Belzig

In aller Seelenruhe trabt das Damwild an der Kamera vorbei, keine Spur von Nervosität ob der lärmenden Lebensgefahr nur wenige Meter unter den Hufen der scheuen Tiere. Auch Wölfe und Füchse, Störche und Hauskatzen sind schon in die Infrarot-Falle auf der Grünbrücke über die A9 bei Niemegk getappt. Für Wildexpertin Kornelia Dobiáš ist klar: Die Millionen-Investition in den 50 Meter breiten Grünstreifen quer über die Autobahn hat sich gelohnt.

„Am Anfang müssen sich die Tiere immer an die neue Möglichkeit gewöhnen, aber dann gehen sie auch ganz mutig darüber“, sagt Dobiáš, die beim staatlichen Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde (LFE) für den Bereich Wildökologie und Jagdwirtschaft zuständig ist. „Das zeigt, dass sie die Grünbrücke als Teil ihres Lebensraumes betrachten.“ Die Grünbrücke bei Niemegk ist eine von acht solcher Bauten in ganz Brandenburg und wurde im Mai 2012 eröffnet. Eine selbstauslösende Kamera mit Infrarotsensoren sollte alle Bewegungen auf der Wildbrücke dokumentieren. „Aber die Anlage wurde schon bald demoliert“, erzählt Kornelia Dobiáš. Erst im August 2013 konnte das Monitoring, also die Video-Überwachung der Brücke, wieder aufgenommen werden.
Aber die beobachteten Wildwechsel zwischen August und Dezember 2013 bestätigen den Eindruck der promovierten Biologin: Am häufigsten nutzt Damwild die Brücke bei Niemegk, 816-mal haben die Tiere die Kamera ausgelöst, das sind 76 Prozent aller Aufnahmen. „Man muss aber sagen, dass es auch häufiger dieselben Tiere sein könnten“, sagt Kornelia Dobiáš. „Wir haben die einzelnen Exemplare ja nicht markiert.“

Drein Fragen an Uwe Riemann ( Sprecher der Jägerschaft Niemegk)

1. Läuft den Niemegker Jägern jetzt mehr Wild vor die Flinte?

Nein, ich persönlich habe durch die Wildbrücke keinen Unterschied feststellen können, obwohl meine Jagd ganz in der Nähe liegt. Auch von anderen Jägern habe ich nichts dergleichen gehört. Trotzdem finde ich die Brücke eine tolle Sache, auch wenn wir Jäger anfangs skeptisch waren, ob sie an der richtigen Stelle errichtet wurde.

2. Was sollte mit der Stelle bei Niemegk nicht stimmen?

Wir dachten, die Hauptwildwechsel würden weiter südlich stattfinden. Da hätte man uns Jäger auch mal fragen können, wir kennen das Verhalten der Tiere schließlich genau. Aber inzwischen zeigt sich, dass sich das Wild den neuen Übergang eingeprägt hat. Dieses Wissen wird ja von einer an die nächste Generation von Tieren weitergegeben.

3. Profitieren die Jäger von einer Grünbrücke?

Ja, die Autobahn hat die Reviere der Tiere durchschnitten. Über Generationen kann es dann zu Inzuchterscheinungen beim Wild kommen. Die Tiere werden zum Beispiel anfälliger für Krankheiten. Mit einer Wildbrücke ist sichergestellt, dass frisches Blut in die Populationen kommt. Insofern haben wir Jäger nichts dagegen, wenn weitere Wildbrücken gebaut werden.

Interview: Martin Küper

Auch bei Rotfüchsen mit 138 und Rehwild mit 91 Bildern ist die Brücke offenbar sehr beliebt. Immer wieder laufen aber auch Feldhasen, Waschbären, Marder und Hauskatzen vor die Linse. Besonders erfreut ist Kornelia Dobiáš allerdings über einen neuen Gast: „Seit Januar dieses Jahres haben wir auch mehrere Querungen von Wölfen beobachtet.“ Für sie ein Beweis für die Funktionalität der Grünbrücken.

Geführt von Wildzäunen entlang der Autobahn, entdecken die Tiere einer Region die Wildbrücken nach und nach für sich. „In Brandenburg haben wir im Gegensatz zu anderen Ländern immer noch große zusammenhängende Waldgebiete“, erklärt Kornelia Dobiáš. „Und die Brücken sind ein guter Beitrag, um der Zerschneidung der Landschaft entgegenzuwirken.“ Die Brücken könnten helfen, lange Zeit getrennte Lebensräume wieder zu verbinden und so die Natur zu stärken. Selbst Flugtiere wie Fledermäuse nutzten die grüne Ruhezone, um die Autobahn zu überqueren.

Das Monitoring mit den Kameras – das übrigens vom Naturschutzverein WWF finanziert wird – soll helfen, den Nutzen der Brücken zu belegen und damit auch der Politik gute Argumente für deren Bau zu liefern. Je nach dem, wie umfangreich die Bauarbeiten ausfallen, kann eine Grünbrücke zwischen drei und acht Millionen Euro kosten – Ausgaben, die vor dem Wähler gerechtfertigt sein wollen.
Über mangelndes Interesse der Bevölkerung kann sich Kornelia Dobiáš allerdings nicht beklagen, im Gegenteil: „Gerade wenn eine Brücke neu ist, sind die ersten Besucher häufig Menschen.“

Das belegen nicht zuletzt die Bilder der Kamera in Niemegk: Wandergruppen und selbst Quadfahrer sind darauf zu sehen. „Irgendwann legt sich dann das Interesse und die Tiere können die Brücken für sich erobern“, sagt Kornelia Dobiáš. „Aber echte Wildnis haben wir in Brandenburg ohnehin nicht mehr, die Tiere sind an den Menschen gewöhnt und lassen sich davon nicht abschrecken.“ Damit das auch so bleibt, wird im Umkreis von 300 Metern um die Grünbrücken nicht gejagt. Ein striktes Verbot gibt es nicht, stattdessen einigen sich die zuständigen Förstereien mit den Jagdpächtern auf eine Jagdruhe. Für Kornelia Dobiáš ein Zeichen, dass die Bauwerke auch bei den Waidmännern auf Akzeptanz stoßen: „Wenn ich mit Jägern über das Thema spreche, erlebe ich ohnehin eher Zustimmung und Interesse daran, was an den Grünbrücken so passiert“, erzählt die 52-Jährige.

Von Martin Küper

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