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Potsdam-Mittelmark Seltener Nachwuchs in Locktow
Lokales Potsdam-Mittelmark Seltener Nachwuchs in Locktow
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00:34 11.07.2015
Wichtiges Kennzeichen: Norbert Eschholz (links) und Stefan Ernicke beringen ein Turmfalken-Küken. Quelle: St. Specht
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Locktow

Und am Dorfrand brüten die in Brandenburg schon verschwundenen Steinkäuze. „Sensationell ist das“, findet Norbert Eschholz, Leiter der Vogelschutzwarte in Baitz. „Die Arbeit, die Stefan Ernicke hier leistet, ist unbezahlbar für den Vogelschutz“, lobt Ornithologe Eschholz. Der Locktower Stefan Ernicke ist seit Jahren passionierter Vogelzüchter, lässt auf Hochzeiten seine Tauben steigen und kümmert sich täglich um bedrohte Arten. Kein Wunder, dass sich die Vögel ausgerechnet in Locktow so wohl fühlen.

Wenn der Angestellte aus der Landwirtschafts-Abteilung des Landkreises nach Feierabend durch seinen Ort zieht, gibt es viel zu tun. Immer wieder schaut er nach, ob die Turmfalken schon beringt werden können. Als es endlich so weit war, machte sich der Zweimetermann mit Eschholz auf den Weg in den engen Turm der Kirche. Oben strahlten beide Männer um die Wette. „So etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt Eschholz. Tatsächlich hatten zwei Turmfalkenpaare nebeneinander gebrütet und für insgesamt elffachen Nachwuchs gesorgt.

Perfektes Alter

„Das ist deshalb so ungewöhnlich, weil jedes Paar eigentlich viel Platz für sich beansprucht. Scheinbar waren die Nisthilfen aber so verlockend, dass die beiden Paare nicht widerstehen konnten“, erklärt Ernicke. Beringt haben die beiden Männer nur den Nachwuchs eines der beiden Paare. Die anderen waren schon zu alt. „Ich habe Angst, dass die Jungvögel aus dem Turm springen und sich dabei verletzen“, erläutert Eschholz.

Die erst wenige Wochen alten Jungtiere des anderen Paares hatten das perfekte Alter für die Beringung. „Zu jung dürfen sie auch nicht sein. Die Beine müssen schon fest sein, damit sie sich aufgrund des Ringes nicht verformen“, sagt Eschholz. Noch ein kurzer Blick auf die schönen Tiere, dann geht es wieder runter.

Nachwuchs schnell gestorben

Nächster Stopp ist das Storchennest am Dorfrand. Als Ernicke vor zwei Jahren die Nisthilfe errichtet hatte, hielten nicht wenige Locktower das Projekt für chancenlos. Zu dicht an der Straße, meinten sie. Doch nach zwei Jahren wird das Nest bewohnt. Auch wenn der Nachwuchs nach wenigen Wochen gestorben ist, sieht Ernicke den Platz auf einem guten Weg, sich als Storchennest zu etablieren.
Wenige Meter entfernt befindet sich das Heiligtum des Hobby-Ornithologen. Auf einem privaten Grundstück durfte er eine kleine Station zur Aufzucht von Steinkäuzen errichten. Die Tiere waren in Brandenburg bereits ausgestorben.

In der Nuthe-Nieplitz-Niederung und in den Belziger Landschaftswiesen starteten 2010 Projekte zur Wiederansiedelung der kleinen Eulenart. Erste Erfolge sind da. Nach Angaben von Eschholz gibt es in Brandenburg derzeit zehn wilde Steinkauzpaare. In Locktow leben gleich zwei von ihnen. „Das Grundstück ist perfekt“, findet Eschholz. „Es ist sehr ruhig gelegen, es gibt genügend Bäume, Gras und Wasser sind in der Nähe und sogar ein Holzdiemen steht hier.“ Auf dem Holzdiemen sitzt Mutter Kauz und betrachtet die Besucher aufmerksam. Die beiden Männer strahlen keine Gefahr aus und so bleibt sie gelassen sitzen.

Kauzpaar an Menschen gewöhnt

Ernicke und Eschholz betreten einen umfunktionierten Bauwagen. Nach wenigen Augenblicken hält Ernicke einige flauschige Küken in der Hand. „Die sind erst wenige Tage alt“, sagt er. Und dann berichtet er Eschholz von seinem jüngsten Coup: Ist das Kauzpaar auf dem Grundstück Teil des Auswilderungsprogramms und damit halbwegs an Menschen gewöhnt, so brütete in direkter Nachbarschaft ein wildes Steinkauzpärchen. Auf einen seiner täglichen Rundgänge bemerkte er, dass die Eier dieses Paares schon ausgekühlt waren. Von den Eltern keine Spur. „Ich habe die Eier genommen und sie dem anderen Kauzpaar untergeschoben“, sagt Ernicke und grinst. „Es hat funktioniert, alle Tiere sind wohlauf.“

Die beiden Vogelexperten fachsimpeln über Kauze in Brandenburg, über Turmfalken und auch über schöne Störche. Dann fährt Norbert Eschholz weiter. Stefan Ernicke bleibt noch einen Moment sitzen. „Für mich gibt es nichts Schöneres, als hier zu sitzen und Vögel zu beobachten. Wenn dann noch meine Verlobte neben mir sitzt ist der Tag perfekt.“

Von Stefan Specht

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