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Sie holen junge Mütter aus der Isolation

Familienzentrum Wusterwitz Sie holen junge Mütter aus der Isolation

Mit den Kursangeboten des Familienzentrums Wusterwitz möchte Sozialpädagogin Miriam Wlodarski auch junge Mütter aus der Isolation nach der Geburt holen. Die Psychologin Jeannette Ziemer sagt offen, sie komme um ihrer selbst willen zu dem Kurs. Für ihren Sohn soll es auch schön sein, doch vor allem möchte sie unter Menschen kommen.

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Miriam Wlodarski vom Familienzentrum Wusterwitz mit Jeannette Ziemer (r.). Die bespielt ihren Sohn und genießt vor allem die Gemeinschaft.
 

Quelle: Marion von Imhoff

Wusterwitz.  Der Raum ist behaglich geheizt und mit blauen Polstern ausgelegt. Darauf liegen drei Babys, lutschen an Peddigrohrbällen und bunten Tüchern. Dazu singen ihre Mütter das Lied von der Schlange, die einen Freund findet. Maja, Fiene und Lauri besuchen an diesem Dienstagvormittag die Entfaltungsgruppe. Doch der Babykurs des Familienzentrums Wusterwitz ist eigentlich vor allem für ihre Mütter da. Das sagen diese ganz offen. Denn in deren Leben ist nichts mehr so wie es vorher war seit der Geburt ihrer Kinder, auch wenn sie dieses Neue genießen.

„Es geht mir nicht darum, Lauri hier zu fördern, sondern raus zu kommen“, begründet die 37 Jahre alte Psychologin Jeannette Ziemer aus Kirchmöser ihre Teilnahme am Entfaltungskurs. „Dass Lauri hier auch Eindrücke gewinnt, ist schön, aber es ist nicht mein Ziel, dass er hier etwas lernen soll“, sagt die gebürtige Hallenserin.

Jeannette Ziemer kommt erst seit drei Wochen mit ihrem heute sieben Monate altem Sohn zu dem Kurs der Sozialpädagogin Miriam Wlodarski. „Lauri mag das Autofahren nicht, deswegen bin ich lange nicht herausgekommen. Da ist mir schon die Decke auf den Kopf gefallen.“ Mütter aus der Isolation nach der Geburt ihrer Kinder zu holen, ist ein wichtiger Ansatz für Miriam Wlodarski, die selbst zwei Söhne hat und die Situation aus eigenem Erleben kennt.

Gefördert vom Landkreis und Amt Wusterwitz

Das Familienzentrum Wusterwitz wird finanziert vom Landkreis Potsdam-Mittelmark und dem Amt Wusterwitz.

„Wir haben ein offenes Ohr für schwierige Lebenslagen“, heißt es auf dem Flyer, der für Elterncafé und Familienfrühstück wirbt.

 Jährlich besuchen etwa 40 Mütter und zwei bis drei Väter mit ihren Kindern die Kurse. Infos: familienzentrum.amt-wusterwitz.de

Jeanette Ziemer spricht den beiden anderen Müttern an diesem Tag aus der Seele. „Für mich war es wichtig, schnell nach der Geburt des Kindes hierher zu kommen“, sagt die Wusterwitzerin Anja Köhlmann, die als stellvertretende Leiterin eines ambulanten Pflegedienstes arbeitet und nun in einjähriger Babypause ist. „Ich komme mal raus, kann mit anderen Menschen sprechen. Dass wir hier untereinander sind, das ist mir wichtig, es geht gar nicht so sehr um Maja.“ Die vier Monate alte Maja liegt auf einer weichen Decke vor ihrer Mutter und übt die Bauchlage. Neugierig schaut sie Lauri an, der auf sie zurobbt.

Anja Köhlmann mit ihrer Maja (l) und Madleen Rösler, die ihrer elf Monate alten Tochter Fiene assistiert, am Dienstagmorgen in der Entfaltungsg

Anja Köhlmann mit ihrer Maja (l.) und Madleen Rösler, die ihrer elf Monate alten Tochter Fiene assistiert, am Dienstagmorgen in der Entfaltungsgruppe des Familienzentrums Wusterwitz. Es ist ein Angebot an Eltern von Kindern im ersten Lebensjahr.

Quelle: Marion von Imhoff

Dass die Kinder hier direkt in Kontakt und Interaktion treten, ist die Ausnahme. „Babys in dem Alter sind noch in ihrem eigenen Kosmos, die spielen für sich und genügen sich selbst“, sagt Miriam Wlodarski. Nebenbei erklärt die gebürtige Berlinerin, die in Potsdam studiert hat und der Liebe willen, wie sie sagt, nach Wusterwitz kam, einen vorsichtigen Griff zur ersten Hilfe bei Säuglingen, wenn sich diese verschluckt haben.

Madleen Rösler ist wohl das letzte Mal dabei mit ihrer elf Monate alten Tochter Fiene. Am Donnerstag beginnt deren Eingewöhnung im Kindergarten. „Als wir hier das erste Mal herkamen, hing Fiene nur an meinem Rockzipfel, alles war ihr zu laut“, berichtet die Kinderkrankenschwester. „Seitdem wir regelmäßig hierherkommen, ist es für sie viel leichter. Beim Einleben im Kindergarten wird das sicher helfen.“

Von Marion von Imhoff

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