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Potsdam-Mittelmark Sie konnte das Leid durch Nazis nicht ertragen
Lokales Potsdam-Mittelmark Sie konnte das Leid durch Nazis nicht ertragen
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11:43 15.09.2017
Bürgermeister Matthias Schimanowski (Pro Brück) gratulierte der 100-jährigen Hildegard Kunick, die weder Hörgerät noch Brille braucht.  Quelle: Victoria Barnack
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Trebitz

 Hildegard Kunick wurde am 14. September 1917 in Westpreußen geboren. Wie bei vielen Kindern ihrer Generation prägte der Krieg ihr Leben. Über ihre Geschichte redet sie nicht gern. Nicht weil sich die Frau, die am Donnerstag ihren 100. Geburtstag feiern konnte, schämen müsste, „sondern weil sie bescheiden ist“, sagt ihr ältester Sohn Bernhard. Denn er weiß: Was seine Mutter geleistet hat, ist außergewöhnlich.

Hildegard Kunick verließ Polen mit 22 Jahren, als Hitler kam. Ihre Mutter war früh gestorben. „Als ältestes Kind musste sie für den Lebensunterhalt sorgen“, berichtet Bernhard Kunick. In Polen war das damals nicht mehr möglich. Seine Mutter war mehrsprachig aufgewachsen und verdiente das Geld der Familie fortan als Dolmetscherin auf dem Arbeitsamt.

Sie entging knapp der Deportation, weil sie helfen wollte

„Das Elend der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter erlebte sie dort täglich“, berichtet der Sohn. Irgendwann wollte Hildegard Kunick nicht mehr dasitzen und zuhören, sondern handeln. Für ihr Engagement landete sie im Gefängnis. „Der Deportation entkam sie nur knapp“, sagt der Sohn. Den Mitinsassen der Zelle sei es schlimmer ergangen – daher wohl auch die Bescheidenheit der Hundertjährigen. Noch heute sagt sie oft: „Ich habe doch alles, was ich brauche. Anderen Menschen geht es viel schlechter als mir“, berichteten die Gäste zum 100. Geburtstag. „Und das trotz Mindestrente“, ergänzt ihre Enkelin Anke.

Statt ins KZ musste Hildegard Kunick nach Landsberg zur Zwangsarbeit. Von dort aus flüchtete sie – zu Fuß und schwanger – Richtung Westdeutschland. Ohne Schuhe und mit einem Kleinkind im Arm kam sie bis nach Belzig. „Dort verschaffte ihr ein Pfarrer den Aufenthalt in Trebitz“, erzählt Sohn Bernhard. Leichter wurde es auf dem Dorf jedoch nicht. „Flüchtlinge waren ungern gesehen“, erzählt er. Hildegard Kunick berichtete ihren Kindern und Enkeln immer wieder von einer Geschichte: Einmal habe sie in Brück eine ältere Frau angesprochen, die ein große Kiepe voll Salat auf dem Rücken trug. Hildegard Kunick bat um ein wenig Salat. Die Antwort der Frau: „Der Salat ist für die Gänse.“

Bescheidenheit ist der Schlüssel zum langen Leben

Weil Hildegard Kunick weiß, wie schwer es damals war, wird sie traurig, wenn Menschen heute schlecht über die neuen Flüchtlinge in Deutschland reden. Das Leben habe sie viel gelehrt in den vergangenen 100 Jahren. „Uns Kindern sagt sie immer: Seid anständig zu allen Menschen, man weiß nie, wie es mal kommt“, erzählt ihr Sohn, der seiner Mutter für die Werte am dankbarsten ist, die sie ihm und seinem Bruder mit auf den Lebensweg gab. Dankbarkeit, Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft - das sind wohl die Schlüssel zu ihrem langen Leben. Denn auf die Frage nach ihrem Geheimrezept antwortet die Hundertjährige: „Ich habe nie groß geföllert in meinem Leben. Ich war immer ein zufriedener Mensch und habe immer das Gute im Menschen gesehen.“ Und ergänzt: „Und mein Glaube an Gott.“

Eine Belohnung hielt das Leben für Hildegard Kunick schließlich doch noch bereit: In Trebitz traf sie ihre große Liebe wieder. Den jungen Soldaten hatte sie während des Kriegs in Frankfurt an der Oder kennen und lieben gelernt, aber ebenso schnell wieder aus den Augen verloren. „Das war ein großer Zufall und großes Glück für sie“, sagt Sohn Bernhard, der aus der ersten Ehe seiner Mutter stammt, „mit ihm hatte sie die 25 schönsten Jahre.“ Bis heute lebt Hildegard Kunick bei der Familie der inzwischen verstorbenen Liebe ihres Lebens in Brück.

Von Victoria Barnack

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