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Potsdam-Mittelmark Skurril: Internetkurse ohne Internet
Lokales Potsdam-Mittelmark Skurril: Internetkurse ohne Internet
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00:21 12.10.2017
Funk-Asyl im Caputher Rewe-Markt: Die Michendorfer PC-Gruppe war am Bäckerstand den Geheimnissen von Smartphone und Tablet auf der Spur. Quelle: Jens Steglich
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Michendorf

„Wenn das WLAN nicht zu uns kommt, gehen wir zum WLAN.“ Bernhard Ehrentraut leitet seit Jahren für den Kulturbund Michendorf im Wilhelmshorster Gemeindezentrum Computer- und Smartphone-Kurse. Man könnte sagen: Er tut das unter erschwerten Bedingungen – ohne W-Lan und Internet-Anschluss. „Das ist wie Fahrschule ohne Auto“, sagt Ehrentraut.

Weil die internetlosen Online-Fans seines PC-Kurses schon länger vergebens auf den Durchbruch in die virtuelle Welt warten, haben sie jetzt aus Protest eine neue Form ihres Lehrgangs ins Leben gerufen – einen „Computerkurs On The Road“. Den Kurs verlagerten sie am Montag kurzerhand in den Rewe-Markt nach Caputh. Was die Frauen und Männer mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren in ihrer Heimatgemeinde Michendorf bisher nicht bekommen, gibt es im Rewe-Markt reichlich und für Jedermann – kostenloses WLAN. „Wir geben den Michendorfern gern Funk-Asyl bei uns“, sagt Marktbetreiber David Pohle.

„Tal der Ahnungslosen“

Am Tisch zwischen Bäcker und Gemüseregal bringt Kursteilnehmer Horst Halling (77) die Botschaft an seine Kommune auf den Punkt: „Wir wollen ja nur, was alle anderen schon haben.“ Auch Menschen in Afrika, wie Hannelore Baum betont, die schon E-Mails vom schwarzen Kontinent erhielt. Im Wilhelmshorster Gemeindezentrum ginge das nicht – am PC Mails versenden oder empfangen. Die Heimatgemeinde nennt sie daher „Tal der Ahnungslosen“ – in Anlehnung an Dresden, das zu DDR-Zeiten den Titel trug, weil dort kein Westfernsehen zu empfangen war.

Zugang zum Internet zu haben, „ist inzwischen fast ein Grundbedürfnis“, sagt Hannelore Baum und verweist auf den Schlusssatz, der in den Medien nach wichtigen Nachrichten zu hören ist: „Mehr Informationen dazu finden Sie im Internet.“ Kurskollegin Gabriele Kittelmann formuliert es so: „Ältere Leute sollen am Ball bleiben und am Leben teilhaben. Das geht heute nur mit Internet-Kentnissen. Wenn du sie nicht hast, bist du abgehängt.“

Internet möglicherweise ab 2018

Eine Herausforderung an das Improvisationsgeschick nennt es Bernhard Ehrentraut, PC- und Smartphone-Kurse ohne WLAN und Internet-Anschluss zu geben. Seine Schützlinge haben trotzdem einiges gelernt. Horst Halling etwa, der wunderbare Bilder malt, ist im Kurs zu einem Talent für Bildbearbeitung geworden. Er kreiert am Computer jetzt digitale Kunst, die schon in einer Ausstellung in Wilhelmshorst zu sehen war. „Internet hat eine positive Ausstrahlung, wenn es funktioniert“, sagt er. Die Leute im internetlosen PC-Kurs nennt er eine tolle Truppe, in der auch gern gelacht wird. Zum Beispiel, wenn ein Kursteilnehmer ruft: „Meine Maus funktioniert nicht.“ Dieses Problem konnte schnell behoben werden. Die Maus war noch in der durchsichtigen Originalverpackung verschweißt und funktionierte nach dem Auspacken prächtig.

„Wir nehmen es mit Humor, sagen aber in Richtung Gemeinde: Macht eure Hausaufgaben“, so Kursleiter Bernhard Ehrentraut. „Wir würden uns freuen, wenn wir 2018 Internet haben. Dann fliegen die Sektkorken“, kündigt er an.

Wenn alles gut läuft, könnte das sogar klappen. Für WLAN und schnelles Internet in den Gemeindezentren gab es laut Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) bisher „vertragliche und technische Hindernisse“. Eine Hürde: Der Vertrag mit der Telekom sieht eine Versorgung der Gemeinde und ihrer Mitarbeiter vor, verbietet aber, Dritten einen Zugang zu verschaffen, so Mirbach. „Diesen Vertrag wollen wir kündigen oder anpassen.“ Ziel sei es, „alle Gemeindezentren mit kostenfreien WLAN auszustatten“, sagt er.

Von Jens Steglich

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