Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark So kämpft die Polizei gegen Planenschlitzer
Lokales Potsdam-Mittelmark So kämpft die Polizei gegen Planenschlitzer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:28 10.11.2015
Mathias Kaiser (l.) und Peter Winning bei einer Fahrzeugkontrolle an der A 2. Quelle: fotos (3)Frank Bürstenbinder
Anzeige
Ziesar

Wenn es Nacht wird in Buckautal Süd, bleiben die Lampen aus. Der im Dunkeln liegende Lkw-Parkplatz ist hoffnungslos überfüllt. Brummi-Fahrer rücken zusammen. Nicht mehr als eine Schulterbreite beträgt der Abstand zwischen den Fahrerhäusern. Nach acht Stunden am Lenkrad haben sich die müden Trucker in ihre Kabinen verkrochen. In den Schlaf gesungen vom Sound der Autobahn.

Heikles Pflaster

Planenschlitzer sind kein neues Phänomen. Aber die Zahl der Angriffe auf Laster steigt steil an. In diesem Jahr gab es bisher 300 Fälle auf den Autobahnen der Polizeidirektion West. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es nur 65 Angriffe.

Ein besonders heikles Pflaster ist die Autobahnraststätte Buckautal Süd an der A 2 bei Ziesar. Die Beleuchtungsanlage auf dem Lkw-Parkplatz ist zum großen Teil außer Betrieb. Lichtscheue Gestalten können sich schnell wegducken. Doch auch auf den kleinen Parkplätzen herrscht weitgehend Finsternis.

Im finsteren Labyrinth der Sattelzüge sind zwei Männer unterwegs: Mathias Kaiser (33) und Peter Winning (54). Die beiden Beamten in schusssicheren Westen lassen die Lichtkegel ihrer Taschenlampen über die Aufbauten wandern, schauen unter Laster, leuchten in Fahrerhäuser und behalten Kleintransporter im Auge, die sich unter 40-Tonner gemischt haben. Sie suchen nach verdächtigen Gestalten, verdächtigen Autos und verdächtigen Spuren, wie sie scharfe Teppichmesser hinterlassen, die durch Kunststoff gleiten.

Auf Streife im Labyrinth der Sattelzüge. Quelle: Frank Bürstenbinder

Eigentlich tut Kaiser bei der Motorradstaffel Dienst, eskortiert schon mal hohe Gäste. Winning kommt von der Verkehrsüberwachung, wo geblitzt und gelasert wird. Nun sind beide in einem dunklen Mercedes C-Klasse mit Tarnkennzeichen auf Streife, um die Kollegen von der Autobahn zu unterstützen. Warum? Die Polizeidirektion West hat den sogenannten Planenschlitzern den Kampf angesagt.

Spektakuläre Planenschlitzer-Fälle

Hunderte Kochtöpfe gestohlen – 50.000 Euro Schaden

Planenschlitzer stehlen 100 Fahrräder

Räder im Wert von 1,3 Millionen Euro gestohlen

Diebe richten Schaden von 60.000 Euro an

„Bisher gab es in diesem Jahr 300 Angriffe auf Lkw. So viele wie noch nie“, berichtet Bernd Berg, Dienstgruppenleiter in der Autobahnpolizeiwache Michendorf. Seine eigenen Leute, pro Schicht acht Kollegen mit vier Wagen, haben auch ohne die Piraten der Autobahn alle Hände voll zu tun; mit Schwerlasttransporten, Unfällen, Fußballfans und der Bewältigung des Flüchtlingsansturms. Und dann noch Parkplätze bewachen? Davon gibt es entlang der 200 Autobahnkilometer in der Polizeidirektion West 25 Stück. Deshalb bekommen die Michendorfer in diesen Wochen Verstärkung aus allen Bereichen der Verkehrspolizei. Das Ziel: Präsenz zeigen, Verfolgungsdruck erhöhen, Täter stellen.

Auf den Parkplätzen der Raststätte Buckautal gibt es besonders viele Angriffe auf Lkw. Quelle: Frank Bürstenbinder

Unauffällig mischen sich Mathias Kaiser und Peter Winning mit ihrem Mercedes in den fließenden Verkehr. Denn auch Planenschlitzer sind mobil. Parkplätze werden angesteuert. Verdächtige Beobachtungen werden über Funk mit den Kollegen ausgetauscht. Ein Golf mit polnischem Kennzeichen fällt den Polizisten auf. Die drei jungen Insassen sind in Richtung Potsdam mit 60 Stundenkilometer schneller unterwegs, als erlaubt. Die Polizei hinterher. Auf der Autobahn 10 bei Groß Kreutz wird das Trio gestellt. Eine saftige Geldstrafe ist fällig. Aber mit Planenschlitzern haben diese Jungs nichts zu tun. Vermutlich eben sowenig wie der Russe in einem Audi Q 7, der verdächtig langsam seine Runden um die Wagenburg der Trucker auf dem Rastplatz Buckautal Nord dreht.

Die Täter sind verdammt schnell

Angeblich auf der Suche nach einem Parkplatz. „Alles Kleinkram. Ich war schon acht Mal dabei. Aber geschnappt habe ich noch keinen Planenschlitzer“, meint Kaiser nicht ohne Bedauern. Kein Wunder, die Täter sind verdammt schnell.

Und die Szene verfügt über ein gut organisiertes Netz aus Schleppern, Schleusern und Spionen. Ladeflächen werden oft auf Bestellung geentert, die Beute in Fluchtfahrzeuge umgeladen.

Wenn die Fahrer später wieder aufwachen, fehlen Fernseher, Fahrräder, Computer, Sportschuhe und Kosmetika. In anderen Fällen lassen Autobahn-Piraten nach Probeschnitten die Finger von Damenbinden und Büchsenbier. Zwar hat die Kripo DNA-Spuren gesichert, die Handschellen klicken deshalb noch lange nicht. Es fehlen die Täter. Ist der Kampf gegen Planenschlitzer, Dieseldiebe und Autoknacker überhaupt zu gewinnen?

Alkoholkontrolle bei einem Fahrer, der zu schnell unterwegs war. Quelle: Frank Bürstenbinder

Polizei setzt auf mehr Präsenz – die Szene ist bereits aufgescheucht

Am Ende wird es wohl auf eine temporäre Verdrängung der Ganoven hinauslaufen. Zusätzliche Beamte in Uniform und Zivilfahnder bestreifen die Autobahnen 2,9, 10 und 110. Zunächst bis Ende des Jahres will die Polizeidirektion West an mehr Präsenz in den Nächten festhalten. Das bleibt nicht unbemerkt.

Nach den scheinbar unbekümmerten Schlitzer-Orgien der vergangenen Wochen ist die Szene aufgescheucht. Die kann nicht so weiter machen wie bisher.

Das ist schon ein kleiner Erfolg für Polizisten wie Mathias Kaiser und Peter Winning. Mit ihnen müssen Planenschlitzer auf Autobahnen und dunklen Parkplätzen rechnen.

Von Frank Bürstenbinder

Polizei Vorgetäuschte Panne auf L 40 - Wieder Betrüger bei Güterfelde unterwegs

Zwei Männer täuschten am Wochenende eine Autopanne auf der Landesstraße 40 bei Güterfelde vor und animierten Autofahrer zum Anhalten. Ein Frau aus Cottbus wollte helfen und geriet in die Falle. Zum Glück war die Polizei schnell vor Ort.

09.11.2015

Nach einem Kahlschlag auf einem Grundstück in der Nachbarschaft bangen Anwohner in Kleinmachnow um die „grüne Lunge“ im Ort. Die Gemeinde erteile zu viele Fällgenehmigungen, sagen sie. Die Verwaltung konzentriere sich innerhalb des Generationswechsels der Altbäume auf den Ausgleich durch Nachpflanzungen, heißt es dagegen aus dem Rathaus.

09.11.2015
Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow gedenkt der vertriebenen und getöteten Juden - Von Kleinmachnow direkt in den Ghetto-Tod

22 Stolpersteine erinnern an jüdische Einwohner, die von den Nazis aus der Gemeinde Kleinmachnow vertrieben oder zu Tode gebracht wurden. Eine von ihnen ist Susanne Peuse, die im Juni 1941 deportiert und noch am gleichen Tag in Warschau ermordet wurde. Heute erinnert ein kleiner Stolperstein im Zehlendorfer Damm 138 an die Frau. Er wurde am Montag gereinigt.

10.11.2015
Anzeige