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Soldaten proben für den Ernstfall

Logistikbataillon 172 Beelitz Soldaten proben für den Ernstfall

Den Blick schärfen, die Wachsamkeit trainieren – der nächste Auslandseinsatz kommt gewiss. Wohin er sie führen wird, ob nach Mali, Afghanistan oder anderswohin, steht zwar noch nicht fest. Die Soldaten und Soldatinnen des Logistikbataillons 172 aus Beelitz bereiten sich in diesen Tagen auf den Ernstfall vor.

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Tödliche Falle: Ein Ausbilder zeigt den Soldaten einen Stolperdraht auf Augenhöhe, der im Ernsfall eine Sprengladung detonieren lässt.

Quelle: Julian Stähle

Beelitz. Hinter Stacheldraht und Absperrungen liegt ein weites, karges Land. Nur eine schmale, hubbelige Straße schlängelt sich durch die staubige Ebene. Sie führt zum Fort, das in den Hügeln errichtet wurde – ein Lager der Deutschen Bundeswehr, wie es überall in den Krisengebieten dieser Welt zu finden sein könnte. In Afghanistan, in Mali, in Somalia. Dieses Lager aber liegt am Rande der märkischen Provinz auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow. Dort bereiten sich 120 Soldaten und Soldatinnen vom Beelitzer Logistikbataillon 172 auf ihren nächsten Auslandseinsatz im Jahr 2017 vor.

Im Sommer wird das Beelitzer Bataillon in Rufbereitschaft versetzt

Wohin es dann geht, ist allerdings noch nicht klar. „Das hängt von der außenpolitischen Situation ab“, sagt Hauptmann Maria Reckließ. In der „Elusa“ – der Einsatzland-unspezifischen Ausbildung – bekommen die Soldaten eine 14-tägige Grundausbildung mit dem Schwerpunkt Konfliktverhütung und Krisenbewältigung. Im Sommer wird das Bataillon in Rufbereitschaft versetzt. „Folgt dann ein Einsatz, haben die Soldaten 30 Tage Zeit, sich vorzubereiten.“ In der „Elsa“ – der Einsatzland-spezifischen Ausbildung – werden sie dann gezielt geschult.

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Die Soldaten des Logistikbataillons Beelitz bereiten sich in diesen Tagen auf einen Auslandseinsatz vor. Sie werden geschult, trainiert und lernen den Umgang mit Waffen und Technik. Im Sommer wird das Bataillon in Bereitschaft versetzt. Wohin der nächste Einsatz im Jahr 2017 führen wird, steht indes noch nicht fest. Das hängt von der politischen Entwicklung ab.

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Eine seltsam gespannte Stille liegt über dem Übungs-Camp. Zwei Bunker, mit leeren Patronenhülsen übersät, weisen den Weg zum Tor. Auf einem der Bunker hat sich ein Scharfschütze in Stellung gebracht und bewacht den Eingang. Alle 20 Meter sind weitere Soldaten postiert.

Drei Zivilisten nähern sich dem Camp und werden kontrolliert

Drei Zivilisten nähern sich dem Camp und werden kontrolliert.

Quelle: Julian Stähle

Drei Männer in Zivil nähern sich dem Checkpoint – Einheimische. Je zwei Soldaten nehmen sie in Empfang, begleiten sie zu einem Container und filzen sie. Einer der Männer muss seine Jacke ablegen, sich zur Wand drehen, die Hände stemmt er dagegen. Ein Soldat tastet ihn nach Waffen, Drogen und anderen unerlaubten Dingen ab. Ein Kamerad steht zum Schutz mit der Waffe im Anschlag dahinter. So machen es die Soldaten auch bei der Fahrzeugkontrolle eines Einheimischen. Auf Englisch befehlen sie ihm, auszusteigen und alle Türen seines Autos zu öffnen. Der Soldat, der den Jeep mit einem Spiegel auf Sprengkörper absucht, behält den Mann im Blick.

Plötzlich kippt die Stimmung – eine Bombe!

Mit solchen Übungen trainieren die Soldaten das, worauf es später im Einsatz an erster Stelle ankommt: sich selbst und die Kameraden zu schützen und mögliche Gefahren zu erkennen. „Ständig ist man mit der Erkenntnis konfrontiert, dass die Gefahr immer wieder auftreten kann“, sagt ein Hauptmann. Da donnert’s auch schon in der Ferne. Motoren! Staub wirbelt auf, Hochspannung im Camp. Ein Konvoi nähert sich dem Lager. Kameraden, die von einer Erkundungstour zurückkommen. Weil der Konvoi aber wegen eine Panne unplanmäßig halten musste, ist auch für ihn am Tor erst einmal Schluss. Nur einzeln lassen die Soldaten die gepanzerten Jeeps, Dingos und Laster ein und kontrollieren sie auf Sprensätze, die ins Lager geschmuggelt werden könnten. Plötzlich kippt die Stimmung. Eine Bombe! Alarm! Das Tor schlägt zu. Das Camp wird evakuiert. – Und das Manöver ist zu Ende. An diesem Tag haben die Beelitzer Soldaten alles richtig gemacht.

Das Logistikbataillon 172

Das in Beelitz stationierte Logistikbataillon 172 versorgt weltweit Truppenteile der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen. Die Soldaten sorgen zum Beispiel für den Nachschub von Munition, Kraftstoff, Verpflegung und Material. Sie warten und reparieren außerdem Fahrzeuge und Geräte.

Das Bataillon umfasst fünf Kompanien mit 900 Soldaten. Kommandeur ist Oberstleutnant Marco Haub.

Etwa sieben Prozent der Soldaten im Logistikbataillon sind Frauen.

Die Kaserne in Beelitz ist nach dem preußischen Reitergeneral Hans Joachim von Zieten (1699-1786) benannt.

Der nächste Auslandseinsatz der Logistiker ist für 2017 angesetzt. Der Einsatzort und die Truppenstärke sind noch nicht bekannt.

Im Jahr 2015 haben die Beelitzer Soldaten erstmals parallel in vier Einsatzländern ihren Dienst geleistet: in Afghanistan, in der Türkei, in Mali und im Kosovo. nf

„Auch wenn ich schon mal dabei gewesen bin, ist die Übung wieder was Neues“, sagt ein Oberstabsgefreiter. „Da konnte ich alles auffrischen.“ In theoretischen und praktischen Übungen lernen die Männer und Frauen, was ihnen im Ernstfall das Leben retten soll – wie man zum Beispiel ein Minenfeld durchquert, was zu beachten ist, wenn ein Konvoi unter Beschuss gerät und wie Sprengfallen zu erkennen sind. Diese sind im Auslandseinsatz eine der größten Gefahren für die Soldaten der Bundeswehr – erst im Januar wurden in Kabul zwei deutsche Soldaten bei solch einem Anschlag verwundet. Gut versteckt und mit unterschiedlichen Zündern versehen, können Sprengfallen überall lauern und auch ferngesteuert gezündet werden. Deshalb lernen die Beelitzer Logistiker, auf Zeichen zu achten, die auf so eine Falle hindeuten können.

In V-Formation geht’s durch den Wald

In V-Formation geht’s durch den Wald.

Quelle: Julian Stähle

Die Soldaten durchstreifen vorsichtigen Schrittes ein Waldgebiet, schauen auf ihre Füße, ducken sich, bleiben hin und wieder stehen. „Ihr müsst denken wie der Feind“, schärft der Ausbildungsleiter ihnen ein. Er weist auf einen kleinen, von Moos überwucherten Höcker. Darunter ist ein Schnellkochtopf verbuddelt. Töpfe, Thermosflaschen, Feuerlöscher – fast alles kann zur tödlichen Sprengfalle umgebaut werden. Für Ahnungslose ebenfalls kaum zu erkennen, ist der über den Weg gespannte Draht, den nur das Gegenlicht verrät. Oder die kleine, unter eine Schicht Erde verborgene Vorrichtung, so dünn wie ein Blatt Papier, die einen Schritt weiter einen Benzinkanister in die Luft jagt. „Der Attentäter hinterlässt Spuren, die müsst ihr erkennen können“, sagt der Ausbilder. „Bodenveränderungen jeglicher Art oder Sprengschnüre.“

Der Kommandeur schaut optimistisch in die Zukunft

Die nächste Gefahr wartet an der Straße. Diese gilt es zu überqueren – so schnell wie möglich, so unauffällig wie möglich. „In der Entschleunigung liegt die Verwundbarkeit“, mahnt der Ausbilder. In Erwartung, jeden Moment schießen zu müssen, halten die Soldaten das G-36 fest umklammert. So pirschen sie sich durch den Wald an die Straße heran und überqueren sie in Windeseile.

Der Kommandeur des Logistikbataillons 172, Oberstleutnant Marco Haub, ist mit der Übung seines Bataillons zufrieden. Er schaut positiv in die Zukunft: „Die Männer haben in Grundzügen alles richtig gemacht. Es ist noch was zu tun, aber ich sehe, dass wir immer besser werden. Und wir haben ein Jahr Zeit um uns vorzubereiten.“

Von Lisa Neumann

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