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Potsdam-Mittelmark Solidarität seit sieben Jahrzehnten
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00:35 21.09.2015
Stellvertretende Pflegedienstleiterin Veronika Demko (links), Landesvorsitzender Bernd Niederland und Gerlind Pruß, Mitarbeiterin der Bad Belziger Sozialstation in Feierlaune Quelle: Saskia Popp
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Bad Belzig


Bernd Niederland hat etwas zu feiern, doch er verzichtet dankend auf ein Glas Sekt. Der frühere Bundesgeschäftsführer und heutige Landesvorsitzende der Volkssolidarität stößt auf den 70. Geburtstag und den Tag der offenen Tür seines Wohlfahrtsverbandes lieber mit einer Tasse Tee an – der feierlichen Stimmung im feierliche geschmückten Garten der Sozialstation Bad Belzig tut das keinen Abbruch.

Gerlind Pruß kümmert sich im Regionalverband Potsdam-Mittelmark seit 16 Jahren um die Mitglieder der Volkssolidarität. „Der Regionalverband reicht von Ziesar bis Nuthetal“, so Gerlind Pruß. Ihre Arbeitstage haben häufig mehr als acht Stunden, denn „richtig abschalten kann man nicht“, wie die 48-Jährige sagt. Den Klienten der Volkssolidarität gibt Pruß Hilfe im Alltag, sie sorgt für Sozialberatung, bietet eine Rentensprechstunde an und organisiert Reisen.

Angebote vor allem für ältere Menschen

„Wir machen vor allem Tages- und Halbtagesreisen in die nähere Umgebung“, sagt Gerlind Pruß, „die Reisenden sind oft mehr als 80 Jahre alt, zum Teil auch dement, da sind mehrtägige Ausflüge oder ausgedehnte Wandertouren nicht machbar.“Ihre Kollegin Veronika Demko hat als stellvertretende Pflegedienstleiterin, „einen Bürojob“, wie sie sagt. Demko vermisst die Arbeit an den Patienten. „Deshalb nutze ich Gelegenheiten wie diesen Tag der offenen Tür gern, um mal wieder mit den Klienten zu sprechen.“ Die Angebote des Regionalverbandes Mittelmark richten sich vor allem an ältere Mitbürger. „85 Prozent unserer Mitglieder sind im Rentenalter“, sagt Landesvorsitzender Bernd Niederland.

Eines dieser Mitglieder ist die 93-jährige Elisabeth Matthee. Seit knapp zwei Jahren lebt die ehemalige Kindergärtnerin im altersgerechten Wohnen im Klinkengrund. Besonders gefallen ihr die sozialen Angebote der Volkssolidarität. „Man ist nicht allein“, sagt Elisabeth Matthee, „von Montag bis Donnerstag bin ich jeden Tag hier, mache Sport, gehe zum Kaffeekränzchen.“

70 Jahre Volkssolidarität

1945 in Dresden sorgte die Volkssolidarität in ihren Anfangstagen vor allem für Kriegsgefangene und Menschen, die wegen des Zweiten Weltkriegs ihr Heim verloren hatten.

Die Organisation war DDR-Massenbewegung mit entsprechendem finanziellen Hintergrund: Zwei Drittel des Etats steuerte die Staatskasse bei.

Heute hat der Regionalverband Mittelmark etwa 7000 Mitglieder. Er beschäftigt 110 Mitarbeiter in Altersheimen, Kitas und der häuslichen Betreuung, die meisten als Pflegekräfte.

Der hohe Altersschnitt im Regionalverband bringt jedoch auch Probleme mit sich. „Die Existenz der Volkssolidarität hängt nicht nur von den Mitgliedern ab, aber diese sind ein tragendes Element“, erklärt Bernd Niederland. Seiner Beobachtung nach werde die Wohlfahrtsorganisation fast ausschließlich als Altenpflegeeinrichtung wahrgenommen, „dabei ist das nicht richtig“, sagt Niederland. Er wünscht sich, dass mehr auf junge Menschen zugegangen wird, schließlich seien solche Bestrebungen durchaus von Erfolg gekrönt. „Unsere jüngste Ortsgruppe ist durchschnittlich 60 Jahre alt“, sagt Bernd Niederland.

Wo sich die Menschen wohlfühlen

Für die Zukunft der Bad Belziger Niederlassung wünschen sich Niederland und die Mitarbeiterinnen Sozialarbeiter und -pädagogen, um noch besser auf junge Menschen zugehen zu können. Elisabeth Matthee hat es sich derweil mit ihren Freundinnen und einem Stück Kuchen gemütlich gemacht. „Zum Glück kann ich hier gleich meinen Blutzucker messen lassen“, scherzt sie angesichts des Tortenbuffets. Die Seniorin fasst zusammen, was viele Bewohner und Klienten empfinden: „Man muss sich wohlfühlen. Und hier kann ich das.“

Von Saskia Popp

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