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Zu Joh kommen Bands aus ganz Deutschland

Kanin (Potsdam-Mittelmark) Zu Joh kommen Bands aus ganz Deutschland

Im Flügel eines alten Vierseithofes in Kanin hat sich der Musiker, Sounddesigner und Musikproduzent Joh Weisgerber ein Tonstudio eingerichtet. Dort lassen Bands aus ganz Deutschland ihre Rock-, Pop-, Hip-Hop- oder Weltmusikalben produzieren. Auch Unternehmen bestellen bei ihm Musikclips für Firmenpräsentationen oder die Kinowerbung.

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In seinem Studio in Kanin arbeitet Joh Weisgerber meist an zehn Projekten gleichzeitig.

Quelle: H. Helwig

Kanin. Eigentlich heißt er Johannes Weisgerber. Doch so ruft ihn höchstens noch die Mutter. Seine Bandkollegen sowie die anderen Musiker und Freunde nennen ihn einfach nur „Joh“, wenn sie mit dem 37-Jährigen in seinem Tonstudio in Kanin an ihren Songs und Alben feilen. Joh Weisgerber ist freiberuflicher Musiker, Sounddesigner und Musikproduzent. In der Berliner Backing Group „The Ruffcats“ – einer Begleitband für Rock- und Popinterpreten – zupft Weisgerber seit zwölf Jahren den Bass und hat schon mit dem Bremer Soulsänger Florian Bosum („Flo Mega“) und der ersten Gewinnerin der Castingshow „The Voice of Germany“, Ivy Quainoo, auf einer Bühne gestanden.

„Es war schon früher mein Jugendtraum, Musik nicht nur zu spielen, sondern auch selbst zu produzieren“, sagt Weisgerber. Bereits mit 16 Jahren experimentierte er mit einer kleinen privaten Ausrüstung an musikalischen Klangmustern herum. Sein großes Vorbild ist nach wie vor Ahmir Khalib Thompson, Schlagzeuger der US-amerikanischen Band „The Roots“ und wohl bekannter als „Questlove“.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Stephanie Krusche und Kai Mader, einem Freund aus Potsdam, wollte Weisgerber 2010 ein eigenes größeres Studio mit einem Gästebereich gründen. Der Freund ist nicht mehr dabei und das Studio im Dachgeschoss etwas bescheidener ausgefallen. Bevor es der Musiker vor drei Jahren in Betrieb nehmen konnte, schlug der Blitz ins Haus ein. Weisgerber musste teilweise noch mal von vorn beginnen.

Musiker gehören während der Produktion mit zur Familie

Seine Kontakte als Musiker zu anderen Bands erleichterten ihm den Start als Produzent. Weisgerber nimmt nicht nur deren Rock-, Pop- und Weltmusiksongs und Alben auf, er berät die Musiker auch beim Arrangement, unterstützt sie bei der Gestaltung des CD-Covers und hilft ihnen, ein Label, einen Verlag, für ihre Musik zu finden. Von Werbeflyern für sein Unternehmen hält er nicht viel. „Die liegen nur rum und werden nicht beachtet.“ Die berühmte Mund-Propaganda verhilft ihm zu Aufträgen aus ganz Deutschland. Da Musiker oft in mehreren Bands spielen, bringen sie auch immer wieder andere Musiker mit. Derzeit arbeitet Weisgerber mit einer Hallenser Rockgruppe an deren Album. Während der Produktion gehören die Musiker zur Familie, sind in benachbarten Gästezimmern auf dem früheren Vierseithof in Kanin untergebracht, sitzen bei den Mahlzeiten mit am Wohnzimmertisch und werden von Stephanie Krusche umsorgt. Die Sängerin übernimmt manchmal einen Backgroundpart im Studio.

Mit den Bands allein könnte Weisgerber seine Familie nicht ernähren. Deshalb komponiert und produziert der ausgebildete Sounddesigner auch Musik und Geräusche für die Kinowerbung oder eine Firmenpräsentation. Für Panasonic vertonte er einen Messeauftritt und für die „Rosenheim-Cops“ des ZDF nahm er vor sechs Monaten Schritte sowie Kleiderrascheln auf. „Ich arbeite meist an zehn Projekten gleichzeitig“, sagt Weisgerber. Sein Studio ist komplett computergesteuert. Er kann aber ebenso analog mit Bandmaschinen produzieren. „Das ist wieder groß im Kommen. Der digitale Sound war in den 1990-Jahren der Hype. Doch er klingt auch sehr steril. Der analoge Klang hat mehr Leben. Das kann kein Computer simulieren.“

Vielleicht klappt es ja doch noch mit dem größeren Studio. Joh Weisgerber sucht in Werder nach geeigneten Räumen und würde mit seinem Equipment in die Stadt ziehen, in der seine achtjährige Tochter Lina zur Schule geht. Dann könnte er vielleicht auch sein geplantes Projekt mit Flüchtlingen umsetzen, das er schon einige Zeit vor sich herschiebt. Als Mitglied einer Flüchtlingshilfegruppe in Fichtenwalde hat er sich dort schon nach Interessierten umgesehen.

In Werder dreimal soviel Platz fürs Studio

Joh Weisgerber stammt ursprünglich aus dem Allgäu. 2010 zog er mit seiner Familie in das Wohnprojekt „Lauter Leben“ nach Kanin.

Der Musiker studierte von 2000 bis 2004 in Stuttgart Audiovisuelle Medien und arbeitete in zwei Praxissemestern in Berlin in drei Studios.

Zur Familie gehören neben Partnerin Stephanie Krusche die achtjährige Tochter Lina und der neun Monate alte Sohn Lesander.

Auch Aufnahmen, die aus verschiedenen Gründen beschädigt sind, kann Joh Weisgerber in den meisten Fällen wieder restaurieren.

Das Tonstudio in Kanin hat eine Größe von 32 Quadratmetern.

In Werder hat der Musikproduzent Aussicht auf 100 Quadratmeter. Damit stünde ihm die dreifache Fläche zur Verfügung.

Ein Kontakt mit Joh Weisberger ist unter post@monojo.de möglich.

Von Heinz Helwig

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