Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Spendenaufruf an Mediziner in Bad Belzig

Eine Griechin im Fläming Spendenaufruf an Mediziner in Bad Belzig

Während der Krise in Griechenland wurde Zisula Cordaches krank – wegen der Berichterstattung in den deutschen Medien. Mittlerweile bündelt die Flämingerin ihre Kräfte, baut in ihrem maritimen Heimatland solidarische Gemeinschaften und Krankenhäuser auf. Dafür erhofft sie sich Unterstützung aus Bad Belzig.

Voriger Artikel
Nachbar löscht Küchenbrand
Nächster Artikel
Bürgermeister verschweigt Wahltermin


Quelle: S. Popp

Bad Belzig. In Griechenland geboren, im rumänischen Exil aufgewachsen, seit mehr als 40 Jahren in Deutschland lebend – Zisula Cordaches hat vieles erlebt. Mittlerweile wohnt sie seit 20 Jahren im Bad Belziger Ökodorf Zegg, doch die griechische Heimat vergisst Zisula Cordaches nicht. „Ich bin mindestens einmal im Jahr dort“, sagt sie, „zum Beispiel zur Parlamentswahl im Januar und auch jetzt nach dem Höhepunkt der Krise. Denn jetzt muss dort vieles neu aufgebaut werden.“

Die 68-jährige Cordaches engagiert sich in Griechenland besonders für zwei Projekte. „Mir liegen Solidargemeinschaften sehr am Herzen“, sagt Cordaches, „zudem helfe ich beim Aufbau von sozialen Kliniken.“ Die Unterstützung der 68-Jährigen besteht dabei vor allem aus Hilfe beim Aufbau von Netzwerken. „Ich reise viel, fahre zu Konferenzen, mache auf diese Projekte aufmerksam“, erklärt sie. Erst vor wenigen Wochen kamen 80 internationale Gäste in eine Gemeinschaft nach Nordgriechenland. Binnen zehn Tagen bauten sie eine Pflanzenkläranlage auf, die an die Kläreinrichtung des Bad Belziger Zegg angelehnt ist und gruben Bewässerungsschächte für die Gemüsefelder. „Das ist für mich ein echtes Hoffnungsprojekt“, sagt Zisula Cordaches, „denn es zeigt, was man alles erreichen kann.“

Vieles muss neu aufgebaut werden

Solidarische Gemeinschaften sind Siedlungen, die sich selbst und ihr Umland mit regionalen Produkten versorgen können, ohne weitere Zwischenhändler einzubinden. Dadurch ist der Preis für den Verbraucher niedriger, während der Erzeuger gleichzeitig mehr verdient. Diese Erzeugerwirtschaft gibt es in Deutschland, auch im Fläming sind Hofläden und Erzeugergemeinschaften nicht unbekannt. Anders steht es mit den sozialen Kliniken. „Das sind Einrichtungen für Menschen, die keine Krankenversicherung mehr haben oder – wie Flüchtlinge – noch nie eine hatten“, sagt Zisula Cordaches.

Krise seit 15 Jahren

Griechenland steckt nicht erst seit neuestem in der Krise. Schon 1990 betrug die Staatsverschuldung 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Im Jahr 1999, zum Start des Euros in den Banken, war Griechenland noch nicht Teil der Währungsunion.

Ein Jahr später jedoch erfüllte das Land dann – zumindest auf dem Papier – die Kriterien und gehört somit seit 2001 zur Eurozone.

Im Jahr 2004 wird klar: die Zahlen waren gefälscht, Griechenland hätte nie den Euro bekommen dürfen.

Mediziner aller Fachrichtungen und freiwillige Helfer behandeln in den Kliniken nach Feierabend kostenslos Bedürftige. „Solche Aktionen gibt es hierzulande leider nur selten“, sagt Cordaches. Sie hofft auf Unterstützung von Medizinern aus Bad Belzig für die griechischen Kliniken und will gleichzeitig appellieren, auch in Deutschland aktiv zu werden. „Es gibt viele Wege, auf denen Ärzte oder Krankenhäuser helfen könnten“, so die Griechin, „und sie würden so vielen Menschen damit helfen.“

„Kann Vorbild für andere Länder sein“

Sowohl die sozialen Kliniken als auch die Erzeugergemeinschaften sieht sie auch als Modelle für ihre heutige Heimat – für Deutschland. „Durch die Krise in Griechenland haben die Menschen dort gelernt, dass sie neue Strukturen schaffen müssen“, erklärt Cordaches, „ich denke, diese Strukturen können ein Vorbild sein für alle Länder, denn sie können künftige Notstände verhindern.“ Natürlich gebe es Erzeugergemeinschaften aber „immer noch verdienen zu viele Zwischenhändler das Geld, dass den Erzeugern zusteht und dass die Bürger auch lieber beim Bauern bezahlen würden.“

Die griechische Krise mit immenser Staatsverschuldung, mehrfachen Neuwahlen und ständigem Streit innerhalb der Europäischen Union sieht Zisula Cordaches noch nicht als gänzlich überwunden an. „Aber Tsipras hat den Menschen ihre Würde zurückgegeben“, meint Cordaches, „vor einigen Jahren habe ich auf den griechischen Straßen nur traurige, deprimierte Gesichter gesehen. Mittlerweile gibt es endlich wieder Hoffnung.“ Alexis Tsipras von der linken Syriza-Partei ist seit Januar griechischer Ministerpräsident. „Ich habe Bewusstseinsveränderungen wie diejenige im griechischen Volk noch nie gesehen“, sagt Tsipras-Wählerin Cordaches.

Von Saskia Popp

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg