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Potsdam-Mittelmark Spinnen in Tremsdorf
Lokales Potsdam-Mittelmark Spinnen in Tremsdorf
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19:40 09.01.2019
Gabi Sußdorf mit einem frisch gesponnenen Faden aus Schafwolle. In Kursen soll das Spinnen mit Handspindel gelernt werden. Quelle: privat
Tremsdorf

Globalisierung und Digitalisierung sorgen für völlig neue Lebenswelten und wecken doch die Sehnsucht, wenigstens ab und an aus dieser temporeichen Moderne auszusteigen und sich gemütlicheren Dingen zuzuwenden. Im kleinen Tremsdorf erlebt jetzt eine der ältesten Techniken der Menschheit eine Renaissance: die des Spinnens. Landfrauen aus der Region wollen das alte Handwerk wiederbeleben und das Ganze auch noch mit der Verwertung eines uralten, wertvollen Rohstoffs verbinden, der einst Menschen in kalten Wintern wärmte, mit dem heutige Zeitgenossen aber nicht mehr viel anfangen können. „Wir wollen beim Spinnen die Wolle von Schafen verarbeiten, die im Naturpark Nuthe-Nieplitz auf der Weide stehen“, sagt Initiatorin Gabi Sußdorf, die in der Alten Schule in Tremsdorf eine Seifenmanufaktur betreibt, aber nicht „auf die Herstellung von Reinigungsmitteln“ reduziert werden will. „Ich sehe mich als Landfrau“, sagt sie. Eine Landfrau, die sich ein gutes Dorfleben wünscht und ihren Teil dazu beitragen will.

Der erste Kurs ist schon ausgebucht

Zum Start des Projekts hat Gabi Sußdorf bereits einen Spinnkurs im Februar organisiert, bei dem eine professionelle Spinnerin und Weberin aus Oranienburg Interessierten beibringen wird, wie mit einer Handspindel verschiedene Spinnfasern verarbeitet werden. Wie groß das Bedürfnis ist, für Stunden das Smartphone mal aus der Hand zu legen und dafür Garn zu spinnen, zeigt diese Nachricht: Der Kurs ist seit Wochen ausgebucht. „Es gibt eine Warteliste, auf der auch schon sieben Leute draufstehen“, sagt Gabi Sußdorf.

Die Wolle soll von Schafen kommen, die im Naturpark Nuthe-Nieplitz weiden. Quelle: privat

Der Plan sieht vor, dass die Landfrauen, die beim Kurs zur Handspindel greifen, danach ihr dort erlangtes Wissen an andere weitergeben. „Wir wollen dann in Tremsdorf eine Spinngruppe etablieren, die das alte Handwerk weiter betreibt.“

Die Spinnerinnen werden dafür mit dem Naturpark Nuthe-Nieplitz zusammenarbeiten. Von den Schafen, die dort weiden, kommt in Zukunft die Wolle, aus der die Frauen Fäden spinnen, diese verzwirnen und in strickbereites Material verwandeln. „Es ist eine schöne regionale Lösung, eine alte Handwerkstradition wiederzubeleben und zugleich eine Möglichkeit zu finden, Schafwolle zu verarbeiten“, sagt die Initiatorin und fügt hinzu: „Schafwolle wird heutzutage oft weggeworfen, weil sich kaum noch jemand findet, der Zeit, Interesse und das handwerkliche Geschick besitzt, daraus etwas zu machen.“

Im Bild ist Rohwolle zu sehen und ein Gerät zum Kardieren der Wolle. Damit können lose Fasern zu einem Vliesstoff ausgerichtet werden. Quelle: privat

Die künftigen Spinnerinnen von Tremsdorf wollen dafür sorgen, dass Schafwolle nicht im Müll landet und etwas Brauchbares daraus angefertigt wird. Entstehen könnten aus der Wolle zum Beispiel Socken, Mützen, Schals, Wandbehänge oder Decken. Beim Kurs im Februar bringt noch die Kursleiterin Svenja Suhr die Wolle mit.

Ein Raum für ländliche Geselligkeit

Treffpunkt der neuen Spinn-Bewegung soll die Alte Schule in Tremsdorf sein. Das Vorhaben „bietet auch Raum für ländliche Geselligkeit, wenn man zum Beispiel in der Alten Schule am Kachelofen gemeinsam spinnt und sich dabei Geschichten erzählt“, so Gabi Sußdorf. „Es geht hier auch um ein schönes Miteinander auf dem Lande, das in vielen Regionen rar geworden ist“, sagt sie.

Die Landfrau, die solche Projekte ehrenamtlich organisiert, hat sich in der Region und nicht nur dort mit Kreationen aus ihrer Tremsdorfer Seifenmanufaktur einen Namen gemacht. Bei ihr entstehen Seifen mit Hintersinn und Zutaten, die mit der Region und wahren Geschichten verbunden sind.

Seife mit Rosenblütenblättern aus dem Garten Hermann Hesses

Für den Biohof Rabe in Körzin hat sie zum Beispiel eine Seife hergestellt, auf deren Zutatenliste Kuhmilch steht. Nicht irgendeine: Es ist die Milch des „Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindes“, das vom Aussterben bedroht ist und auf dem Biohof Rabe noch ein Zuhause hat. Für neun Produkte, die sie unter dem Titel „Seife, Land und Leute – Geschichte(n) zum Waschen“ auf den Markt brachte, wurde sie 2017 zur Grünen Woche in Berlin vom Verband pro agro mit einem Preis in der Kategorie Direktvermarktung ausgezeichnet.

In ihrer Manufaktur hat sie auch eine Seife mit Rosenblütenblättern kreiert, die von Duftrosen aus dem Garten des Dichters Hermann Hesse stammen. Kaufen kann man die Seife im Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen am Bodensee.

Eine eigene Spinngruppe soll entstehen

Das Spinnen ist wie das Weben eine der ältesten Handwerkstechniken. Menschen sollen schon 6000 vor unserer Zeitrechnung gesponnen haben. Das geschah mit bloßen Händen, später mit der Handspindel.

Das Spinnrad, mit dem die Entwicklung des mechanischen Spinnens begann, kam im 13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung auf.

Nach den Einsteigerkursen soll in Tremsdorf eine eigene Spinngruppe entstehen, die sich regelmäßig trifft, um das Handwerk zu pflegen.

Interessierte können sich bei Gabi Sußdorf melden: info@GabiS-Seifenmanufaktur.de

Von Jens Steglich

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