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Eine Sportlegende feiert 80. Geburtstag

Fichtenwalde Eine Sportlegende feiert 80. Geburtstag

Karl-Heinz Boek ist in Fichtenwalde eine Sportlegende. Zweimal gründete er die Sportgemeinschaft im Ort und trainierte zu DDR-Zeiten mehrere spätere Landes-. Bezirks- und Kreismeister im Kraftsport. Nach der Wende waren seine Erfahrungen beim Aufbau des Kreissportbundes Potsdam-Mittelmark sehr hilfreich. Nun ist Karl-Heinz Boek 80 Jahre alt geworden.

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Für seine Verdienste um den Sport erhielt Karl-Heinz Boek unzählige Auszeichnungen. – Mit 80 Jahren will der „Macher“ nun etwas ruhiger leben.

Quelle: H. Helwig

Fichtenwalde. Er sei stets mehr der theoretische und weniger der aktive Sportler gewesen, behauptet Karl-Heinz Boek von sich selbst. Doch keine falsche Bescheidenheit – der Fichtenwalder hat Sportgeschichte geschrieben, sowohl in der DDR, als auch in fast drei Jahrzehnten danach. Wollte man alle seine Verdienste um den Sport und alle seine Auszeichnungen einzeln aufzählen, ließe sich eine Zeitungsseite problemlos füllen. Nicht nur ein dritter Platz bei einer DDR-Meisterschaft im Gewichtheben lässt seitdem die Kraftsportwelt beim Namen Fichtenwalde aufhorchen. Boek gründete zweimal die Sportgemeinschaft (SG) Fichtenwalde, brachte Landes-, Bezirks- und Kreismeister hervor, kennt Udo Beyer und „Täve“ Schur persönlich und hat den späteren brandenburgischen Generalsekretär der CDU, Steeven Bretz, sowie den bekannten Beelitzer Bäckermeister Tobias Exner in deren Jugend trainiert. „Kalle“, wie ihn seine Freunde nennen, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Dass der gebürtige Berliner einmal in seiner ehemaligen Schule in Fichtenwalde, in die er 1943 eingeschult worden war und die jetzt der Sportverein als Kraftraum nutzt, hoffnungsvolle Kraftpakete zu Ruhm und Edelmetall führen würde, hätte sich Boek wohl nicht träumen lassen. Aus gesundheitlichen Gründen zog der Vater von Berlin-Charlottenburg nach Fichtenwalde und lebte mit der Familie zunächst in einer Laube. Er brauchte frische Luft und Ruhe. Der Cousin nahm Karl-Heinz Boek immer zu den Fußballspielen ins Berliner Olympiastadion mit, bis Boek 1953 schließlich selbst ehrenamtlich Mannschaftsleiter einer Elf in Fichtenwalde wurde. Beruflich hatte er sich für eine Bäckerlehre entschieden. Nicht ganz ohne Drängen der Familie, denn damit war der Broterwerb im wahrsten Sinne des Wortes immer gesichert.

Ab 1960 arbeitete Boek im Kreis- und später im Bezirksvorstand Potsdam des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR mit und kümmerte sich dort um den Sportlernachwuchs. „In jedem Menschen steckt ein gewisses Talent. Die Kunst ist es aber, herauszufinden, welches Talent es ist.“ Als sich der vormalige Sportverein in Fichtenwalde auflöste, gründete Boek 1965 die SG Fichtenwalde.

Obwohl er Beruf und Ehrenamt meist gut miteinander verbinden konnte, stieß er bei Letzterem manchmal doch an physische und psychische Grenzen, gibt Boek zu. Ohne die Unterstützung seiner Frau Edeltraut sowie seiner drei Kinder Anke, Michael und Steffen, der selbst DDR-Jugendmeister war, hätte er es wohl nicht geschafft, sich noch einmal auf die Schulbank zu setzen und ein Sportlehrerstudium zu absolvieren. „Ich hatte kein Abitur und habe mir alles hart erarbeiten müssen. Nach der Arbeit habe ich mich hingesetzt und gebüffelt.“

Eine seiner großen Leidenschaften waren Sportreportagen. Noch heute schwärmt Karl-Heinz Boek von Heinz-Florian Oertel und Dirk Thiele. Der Gewichtheberverband der DDR kürte ihn zu seinem Sprecher, aber auch bei anderen Sportarten kommentierte Boek gern die Wettkämpfe. „Ich habe mich nie als bloßer Ansager gefühlt. Ich wollte auch ein Unterhalter sein“. Boeks Sportfreunde schätzen sein unablässiges heiteres Gemüt. Als er allerdings einmal bei einem Gewichtheberwettkampf einen belgischen kahlköpfigen Teilnehmer ein wenig übermütig als „Lockenkopf“ ankündigte, hob der Verbandspräsident dann doch warnend seinen Zeigefinger. Bei einem Beetzsee-Cup bei Brandenburg an der Havel hat Kanu-Olympiasiegerin Birgit Fischer 1998 den leidenschaftlichen „Sportreporter“ karikiert.

Boeks Lieblingssportarten sind der Straßenradsport und die Leichtathletik. Bei einer Internationalen Friedensfahrt gehörte er zu den Organisatoren einer Etappenstation in Potsdam, die vom Friedensfahrtkomitee als Beste ausgezeichnet wurde. Später fuhr er selbst einmal in einem Trosswagen mit.

Als sich der DTSB der DDR 1990 auflöste, drohte auch die SG Fichtenwalde zu zerfallen. Noch einmal konnte Karl-Heinz Boek seine Sportler motivieren, den Sportverein neu zu gründen. „Wir machen jetzt mehr Breitensport, für jeden etwas, vor allem aber für Kinder und Jugendliche“, entschied er. Auch bei dem Neuaufbau des Kreissportbundes Potsdam-Land beziehungsweise -Mittelmark waren seine Erfahrungen sehr hilfreich. „Jetzt gibt es natürlich viel bessere materielle Voraussetzungen für den Sport. Doch wir haben nach der Wende zu viele gute Trainer gehen lassen“, resümiert Boek.

Dass „Täve“ Schur nicht in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen wird, ärgert den Fichtenwalder wohl mehr als die Friedensfahrtlegende selbst, die die Ablehnung sportlich nahm. „Der ’Täve’ ist ein feiner Mensch. Wenn einer es verdient hat, dann er.“

„Ich bin nicht mehr der große Macher“, räumt Karl-Heinz Boek etwas betrübt ein. Allmählich melden sich nun doch einige „Alterszipperlein“. Es sei eine schöne Zeit gewesen, aber nun wolle er doch etwas ruhiger leben. Mit etwa 30 Senioren trifft Boek sich zweimal in der Woche im Kraftraum zum Seniorenfitnesssport. Der muss allerdings heute mal ausfallen, denn im Café Neuendorff in Fichtenwalde ist die Geburtstagstafel sicher schon gedeckt.

Die SG Fichtenwalde hat 400 Mitglieder in 13 Gruppen

Karl-Heinz „Kalle“ Boek wurde am 12. Mai 1937 in Berlin-Charlottenburg geboren.

In seiner aktiven Zeit hat der Fichtenwalder nach eigener grober Schätzung mehr als 800 Sportler trainiert.

Seine Kraftsportler holten zu DDR-Zeiten bei verschiedenen Kreis- und Bezirkswettkämpfen 1210 Medaillen nach Fichtenwalde.

Fünf DDR-Meister sowie 395 Kreis- und Bezirksmeister waren zuvor von Karl-Heinz Boek trainiert worden.

Nach der Wende 1989 hatte die SG Fichtenwalde nur noch 110 Mitglieder in fünf Sportgruppen. Aktuell zählt der sie 400 Mitglieder – Tendenz steigend – in 13 Sportgruppen.

Die Seniorengruppe des Vereins kann derzeit wegen der begrenzten Anzahl an Übungsstationen im Kraftraum keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen. Mit dem Bau der neuen Sporthalle in Fichtenwalde soll im Anbau auch ein größerer Kraftsportraum entstehen.

Von Heinz Helwig

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