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Potsdam-Mittelmark Forschungen zum Kriegsende
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00:27 12.06.2015
Der Standortarzt im Offiziersrang, Bamberg, vor Werders einziger Krankenstätte auf der Bismarckhöhe im Jahr 1945. Quelle: Heimatverein
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Werder

Der 2017 bevorstehende 700. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung der Stadt beflügelt besonders auch die regionale historische Geschichtsschreibung. Gerade erschien Band 3 einer in Arbeit befindlichen siebenteiligen Stadtchronik, da wird auch schon im Ergebnis etwa siebenjähriger gründlicher Recherche des Heimatvereins eine beachtliche 200-seitige Dokumentation unter dem Titel „Werder (Havel) 1945 – zwischen fünf vor zwölf und fünf nach zwölf“ vorgestellt.

Die Autoren Kurt Pape (86) und Alfred Schultze (81) sind Ur-Werderaner. Beigestanden hat ihnen als Fachmann der Neu-Werderaner Historiker und heutige Heimatvereinsvorsitzende Klaus Froh. Und so entstand ein Werk über die schwierigen Wochen des Endes der Nazi-Schreckensherrschaft und des Neuanfangs in der Blütenstadt vor 70 Jahren, auf das man sich verlassen kann.

Umfangreiche Einsichten in Materialien von Archiven der Stadt, des Kreises und des Landes, Zuarbeiten von Vereinsmitgliedern wie Günter Paul, Uschi Plank u.a. ermöglichten unter anderem die Veröffentlichung von 44 reproduzierten Schriftdokumenten, vom Führer-Befehl zur „Bildung des Deutschen Volkssturms“ ( 25. September 1944) bis zu den „Werderschen Nachrichten“ vom 21. Juli 1945 mit Angabe der Zuteilungen von Brot, Kaffee-Ersatz, Marmelade, Zucker, Erbsen, Seifenpulver und Kartoffeln. Darüber hinaus unterstreichen etwa 20 historische Fotodokumente die Glaubwürdigkeit der Ausführungen in den zehn Buchkapiteln. Den Autoren dürfte es gelungen sein, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, Behauptungen und Legenden durch gesichertes Wissen zu entkräften oder ganz zu widerlegen.

Erstmals 1317 urkundlich erwähnt

Die Stadt Werder wurde urkundlich erstmals 1317 erwähnt (1375 Werder, 1450 Wehrder, 1580 Werder). Auf der über eine Brücke (1317 erwähnt) zu erreichenden Havelinsel sind unter anderem Funde von slawischen Scherben auf dem Mühlenberg am südwestlichen Ufer des Werders und 3,5 km nordnordwestlich von Werder am westlichen Havelufer bekannt (Siedlungen nur vermutet); im Süden von Werder wird ein slawischer Burgwall angenommen, (ohne archäologischen Nachweis). Der „Kiez“ in der Gegend Fischerstraße war wohl die alte Fischersiedlung.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde 1943 ein kleines KZ-Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet. Diese Häftlinge sowie Kriegsgefangene, die im Lichau-Keller auf der Friedrichshöhe sowie auf einem Havelkahn untergebracht waren, mussten Zwangsarbeit verrichten. Vor dem Krieg und während des Krieges befand sich im Norden der Stadt ein Flugplatz, der zusammen mit Einrichtungen in Wildpark West als Luftkriegsschule III für die Fliegerausbildung diente, bis diese im Mai 1944 nach Oschatz in Sachsen verlegt wurde. Nach Kriegsende ließ sich auf diesem Gelände die Rote Armee nieder (Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland), die zu Zeiten der DDR bis zum endgültigen Abzug 1992 dort stationiert waren. 1945 bei Kriegsende wurde die Brücke zur Inselstadt gesprengt.

Der Leser wird besonders davon beeindruckt sein, wie Werder durch mutiges und vorausschauendes Handeln verantwortungsbewusster Persönlichkeiten vor der Zerstörung bewahrt wurde. Da wird zum Beispiel der Standortarzt im Offiziersrang, Bamberg, hervorgehoben, der Werder mit seiner einzigen Krankenstätte auf der Bismarckhöhe zur„Lazarettstadt“ erklärte und mit Bezug auf die Genfer Konvention die auf seinem Gelände stationierte Gruppe des Volkssturms auflöste. Werders Bürgermeister Mertes, eigentlich als NSDAP-Kreisleiter ein „Vollnazi“, erklärte vor dem Stadtrat, dass er sich auf keinen Fall für die Verteidigung der Stadt“ entschließen würde. Bald darauf führte man ihn ab. So wurde die mit weißen Fahnen dekorierte Stadt am 3. Mai, 18 Uhr, kampflos an die Sowjetarmee übergeben. Nicht einmal eine Fensterscheibe war zerbrochen.

Von Armin Klein

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