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Potsdam-Mittelmark Stadtchronist bilanziert Festjahr
Lokales Potsdam-Mittelmark Stadtchronist bilanziert Festjahr
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18:03 28.12.2017
Als Theodor Fontane nahm Stadtchronist Baldur Martin am Festumzug zum 700-jährigen Bestehen der Stadt Werder teil. Quelle: Tom Klement
Werder

Stadtchronist Baldur Martin (77) hatte im Festjahr Werders viele Strippen in der Hand. Nach etlichen besonderen Veranstaltungen gehen die Feierlichkeiten zum 700. Geburtstag der Blütenstadt nun langsam zu Ende. Im MAZ-Interview blickt Baldur Martin zurück auf ein spannendes und arbeitsreiches Jahr.

Herr Martin, für Sie schließt sich jetzt ein längeres Kapitel. Seit wann geistert das Stadtjubiläum schon in Ihrem Kopf herum?

Baldur Martin: 1992 habe ich für den Heimatverein einen kurzen Abriss einer Chronik geschrieben und wusste deshalb, dass 2017 700 Jahre Werder gefeiert werden und dass man das vorbereiten müsste. Da gab es andere Beispiele wie etwa Neuruppin, die vier Jahre vorher angefangen haben. Deshalb haben wir uns 2010 das erste Mal im Heimatverein damit beschäftigt. Wir haben viele Dinge diskutiert, über offene Stellen in der Geschichte, die noch aufgenommen werden müssten. 2013 haben wir gesagt, wir müssen jetzt konkret werden. Der Heimatverein konnte die Vorbereitung und Organisation aber wegen zu wenig aktiver Mitglieder nicht leisten. Deswegen haben wir den Verein „700 Jahre Werder (Havel)“ gegründet, über den alles, was außerhalb der Stadtverwaltung war, laufen konnte.

Was stand für den Verein an erster Stelle?

Baldur Martin: Werders Chronik deutlicher herauszuarbeiten, war für uns zunächst vordringlich. Wir haben uns auf sieben Bände geeinigt und haben viele Werderaner als Autoren einbeziehen können, aber auch für die Materialsammlung. Inzwischen sind fünf Bände erschienen, am sechsten arbeite ich gerade und der letzte wird im nächsten Frühjahr herauskommen. Mit den Bänden wuchs das Interesse der Leute an der Geschichte. Der Eintritt in die heiße Phase begann dann mit den Beschlüssen der Stadtverordneten 2016.

Wie kam es zu der Entscheidung statt einer Festwoche ein ganzes Jahr zu feiern?

Ich habe die Grundrisse des Festprogramms als Vorschlag ausgearbeitet und im Festkomitee haben wir uns damit auseinandergesetzt und darüber gesprochen, in welchem Zeitraum wir es machen. Letztlich hat sich das Komitee für das ganze Jahr entschieden, aber es war natürlich klar, dass wir dann auch etwas bieten müssen. Möglichst vielseitig, für die Werderschen, aber auch etwas, womit Werders Festjahr auf die Region ausstrahlt und dort bekannt wird.

Los ging es am 29. Januar mit einem Festkonzert des Filmorchesters Babelsberg auf der Bismarckhöhe. Wie haben Sie sich vor dem Auftakt gefühlt?

Ich war in tausend Ängsten. Wir hatten 50 Karten verkauft und 400 Stühle gestellt. Ich habe am Nachmittag ständig aus dem Fenster geguckt, bis ich die ersten Leute hochlaufen sah. 16 Uhr sollte es losgehen, um 15 Uhr standen die ersten vor der Tür, aber bis 15.30 Uhr waren es nicht mehr geworden. Ich habe schon überlegt, ob wir Stühle raus stellen sollen. Und dann, wenn ich dran denke, kommen mir immer noch die Tränen, innerhalb von zehn Minuten stand plötzlich eine Schlange aus dem Haus raus, über den ganzen Hof bis die Treppe runter. Plötzlich waren keine Plätze mehr frei. Wir hatten 460 Leute drin und am Ende gab es stehende Ovationen.

Da würde sich eine Wiederholung sicher anbieten.

Wir sind jetzt im Gespräch, weil wir einige Veranstaltungen aus dem Festjahr fortsetzen wollen. Das soll unter anderem eine Konzertreihe sein und die wird im März wieder durch das Filmorchester Babelsberg eröffnet. Das Thema heißt diesmal „Klassik im Film“.

Sehr erfolgreich war ja auch die Volkshochschulreihe „Historisches Werder“.

Das ist richtig. Die Räumlichkeiten am Bahnhof sind auf maximal zwölf bis 15 Teilnehmer ausgerichtet, darauf waren die Organisatoren eingestellt. Aber sie hatten auf Anhieb 30 Anmeldungen und mussten in einen anderen Raum gehen, in den 60 Leute reinpassen. Alle sechs Veranstaltungen waren ausverkauft. Das war schon eine Sache, die sich in Werder rumgesprochen hatte, das war vorher nicht zu erwarten. Die Volkshochschule möchte das im nächsten Jahr auf jeden Fall fortsetzen.

Stimmt es, dass sich der katholische und der evangelische Pfarrer erst durch Sie und den ökumenischen Gottesdienst persönlich kennen gelernt haben?

Ich habe beide getrennt angesprochen, beide haben zusagt. Bei dem Treffen habe ich dann tatsächlich festgestellt, dass sie sich überhaupt noch nicht kannten. Es war im Frühjahr, wir haben vor der Tür gestanden, zusammen mit Probst Müller aus Potsdam und uns erstmal bekannt gemacht. Beide hatten Vertreter des Kirchenrates dabei und es war zuerst etwas steif. Dann haben wir uns verständigt, wie wir es uns vorstellen könnten, und so ging es gleich los mit der Liturgie. Ich wies darauf hin, wir machen das im Freien und auf der Bühne und es muss ein bisschen offen und locker sein und es muss gesungen werden. Darauf konnten wir uns einigen. Probst Müller hat am Ende Gitarre gespielt und Pfarrer Thimme Saxofon, und die Gemeinden haben gesungen. Gerechnet hatten sie mit 200 Besuchern, am Ende waren es etwa 400 Gäste.

Der Festumzug war der Höhepunkt der Festwoche und vielleicht auch des ganzen Jahres. Allerdings gab es auch Debatten zur Entscheidung des Festkomitees, dass die Nazi- und die DDR-Zeit weggelassen wurden. Möchten Sie rückblickend auf den Umzug etwas sagen?

Nur zwei Dinge. Der Festumzug wäre nicht zustande gekommen, wenn die Werderschen nicht so begeistert mitgemacht hätten. Jeder, den ich angesprochen habe, hat sofort zugesagt, auch die Vereine. Dadurch ist es wirklich ein Erfolg geworden. Im Nachhinein hat die Stadt ein Begleitheft rausgegeben mit mindestens einem Foto zu jedem Bild des Festumzuges und auch der Bildband von Tom Klement zeigt noch mal, wie eindrucksvoll das Ganze war.

Was bleibt übrig vom Festjahr in Werder?

Ich muss sagen, dass es sehr anstrengend für die Akteure war, aber natürlich auch spannend. Die Werderschen oder die Werderaner sind eigentlich sehr heimatverbunden und interessieren sich schon immer für ihre Geschichte. Es hat Spaß gemacht, weil man das gemerkt hat und weil es auch nachhaltig ist. Für die Mitarbeit im Heimatverein konnten tatsächlich neue Mitglieder gewonnen werden. Die 700-Jahr-Feier sollte nur ein Anstoß sein. Ich hoffe, dass die Geschichte Werders in den nächsten Jahren weiterleben wird.

Von Luise Fröhlich

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