Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Stadtgaukler singen Sabinchens Klagelied

Klausdorf Stadtgaukler singen Sabinchens Klagelied

Gutes tun und dabei nicht den Spaß aus den Augen verlieren. Beim Klausdorfer Sommertheater war zu erleben, dass beides gut zusammenpasst. Die Spenden des Tages, bei dem sich vieles auch um den aktuellen Sabinchenstreit in Treuenbrietzen drehte, kommen nun der hiesigen Kirche zu Gute.

Voriger Artikel
Ruhlsdorfer Straße wird Baustelle
Nächster Artikel
4 Kandidaten bewerben sich für Landratsposten

Mit der Sabinchenmoritat mischen sich die Stadtgaukler in die aktuelle Debatte ein.

Quelle: Foto: Uwe Klemens

Klausdorf. „Nur bringt das nicht die reine Erfüllung, so alleine. Es wird gleich amüsanter, betreibt’s man miteinander“. Die Zeilen aus einem Lied des Eröffnungsgottesdienstes in der Klausdorfer Kirche nahmen vorweg, was vor dem Portal des Gotteshauses beim „Klausdorfer Sommertheater“ folgen sollte.

Nicht einsam, sondern gemeinsam ließen es sich Einwohner und Gäste einen Sonntagnachmittag lang gut gehen. Die immer mal wieder herumgereichte Spendenbüchse verriet den Anlass des Festes. Denn die gerade mal vor 109 Jahren erbaute Kirche ist lange schon und wohl noch lange sanierungsbedürftig.

„Die Stadt, die den Grund und Boden besitzt und der deshalb auch die Kirche gehört, hat kein Geld“, erläutert Lothar Schäfer, der Chef des 2010 gründeten Fördervereins Klausdorfer Kirche ist und direkt neben dem Gotteshaus wohnt. Würde es den mittlerweile aus 32 Mitgliedern bestehenden Verein nicht geben, stünde die Kirche möglicherweise schon nicht mehr oder wäre wegen Einsturzgefährdung des Turmes gesperrt. „Um an Spendengelder zu kommen, haben wir uns das Klausdorfer Sommertheater ausgedacht, das es nun schon zum sechsten Mal gibt“, erzählt Schäfer, dessen Frau Kerstin die Vereinskasse verwaltet.

75 000 Euro konnten dank Fördermitteln inzwischen in die Kirche investiert werden. 15 000 davon hat der Verein eingesammelt. Turmsanierung, Dachreparatur des Schiffes und eine neue Eingangstür konnten davon bestritten werden. Doch die Vorhabenliste, mit der die Kirche wieder auf Vordermann gebracht werden soll, ist noch lang. Das Sommerfest vor ihrem Portal wird es schon deshalb wohl noch lange geben.

Rangelei um den Platz auf dem Sockel

Der Streit um die Zukunft der Sabinchenfigur vor dem Treuenbrietzener Rathaus währt schon lange und hat mittlerweile die Einwohner entzweit.

Bereits 2007 gab es die ersten Bestrebungen, die Skulptur zu verbannen und durch eine Kopie des verschwunden Kurfürsten zu ersetzen, der hier einst stand.

Im Jahr 2009 fassten die Stadtverordneten einen entsprechenden Beschluss, der wegen Protesten aus der Bevölkerung nicht umgesetzt wurde.

Die Widerherstellung des historischen Zustandes ist das Hauptargument der „Kurfürstlichen“. Der Erhalt des Sabinchens als identitätsstiftende Figur lautet der Gegenvorschlag.

Neben mehreren Ausweichplätzen für das Sabinchen ist mittlerweile auch der Vorschlag im Gespräch, beide Figuren vor dem Rathaus zu platzieren.

Zu den Mitstreitern der ersten Stunde, die den Wiederaufbau des Gotteshauses als Akteure des Sommertheaters unterstützen, gehören sowohl die Spielleute des Bardenitzer Landtheaters als auch die Treuenbrietzener Stadtgaukler, sind ihre Heimatorte doch nur einen Steinwurf von Klausdorf entfernt. Während die Bardenitzer mit ihrem „Tapferen Schneiderlein“ Märchenhaftes in die Gegenwart holten, hielten es die Treuenbrietzener in ihren aufwendig geschneiderten Kostümen eher mit den Problemen der Gegenwart.

Die „Sabinchenmoritat“ kennt man natürlich auch in Klausdorf. Dass sich in der neuesten Fassung der alten Geschichte der handfeste Stadt-Streit um das Schicksal der Sabinchenskulptur verbirgt, darf als Geniestreich der Amateurtruppe gelten, die sich damit in die heiße Debatte einmischt. In einem gelungenen Mix aus Schelmerei und Scharfsinn lassen sie die Argumente der Sabinchengegner der Reihe nach Auf- und Wegtreten.

Zu ihren Verbündeten zählen der Komponist Friedrich Heinrich Himmel, der als bedeutendster Sohn seiner Heimatstadt Treuenbrietzen gilt, die ziemlich ramponierte Dame auf ihrem Denkmalsockel im Stadtpark, Madame Breite Straße und das ächzende Gebälk der sogenannten Hakenbuden an der Rückseite des Rathauses. „Wir bleiben Sabinchen treu, denn wir sind echte, treue Brietzener“, lautete dann auch das eindeutige Bekenntnis der Stadtgaukler.

Von Uwe Klemens

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg