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Staffelübergabe an der Eismaschine

Kleinmachnow Staffelübergabe an der Eismaschine

Der Kleinmachnower Eismacher Peter Klassen (76) reicht Geschäft und Restaurant an seinen Sohn Michael (34) weiter. Seit 1951 gibt es die Eisdiele, sie ist eine Institution in Kleinmachnow. Das Geheimnis des Erfolgs: Veränderung! Inzwischen röstet der Junior die Nüsse selbst und bezieht echte Vanille aus Madagaskar.

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Sind nicht immer einer Meinung, aber haben den selben Eisgeschmack: Peter Klassen (76) und sein Sohn Michael (34), der das Geschäft nun übernimmt.

Quelle: Konstanze Kobel-Höller

Kleinmachnow. Seit schon 53 Jahren verkauft Peter Klassen (76) den Kleinmachnowern Erdbeer-, Vanille- und Schokoladeneis (und noch viel mehr) – ab 1. Januar kommt die nächste Generation zum Zug: Sohn Michael Klassen (34) übernimmt den Laden. „Das schieben wir schon seit Jahren vor uns her, sowas macht man ja nicht so nebenbei“, sagt der Senior. „Alle reden davon, dass sie Probleme mit der Übergabe haben – ich sag immer, ich habe meinen Nachfolger selbst geschaffen“, ergänzt er noch schmunzelnd.

Seit zehn Jahren führen die beiden das Restaurant schon gemeinsam, davor arbeitete Michael Klassen fünf Jahre lang im Golfclub Wannsee, wo er zum Koch ausgebildet wurde. Doch hier, in Kleinmachnow, möchte er sein: „In Berlin würde man möglichst viele Leute reinziehen wollen, aber hier kann man sich noch etwas mehr selbst verwirklichen“, sagt er. „Gastronomie ist ja nicht nur Kochen und Essen hinstellen, sondern auch viel Kreativität, Emotionen und Gestaltung.“

Und schon in der gemeinsamen Zeit hat er einiges verändert im Eiscafé und Restaurant. „Der Sohn macht nicht mehr Masse, sondern nur mehr bio und glutenfrei“, sagt der Vater. „Er verwendet Hemme-Milch, röstet die Nüsse selbst, kauft die Pistazien aus Sizilien und nur echte Vanille aus Madagaskar – wissen Sie was das kostet? 600 Euro das Kilo! Aber es läuft und wird gut angenommen, obwohl alles auch etwas teurer geworden ist.“

Vom Bier-Sorbet bis zum Zimt-Cranberry-Eis

Rund 20 Sorten Eis wurden im Sommer angeboten, etwa 70 Liter am Tag davon verkauft, darunter auch „verrückten Sorten“ wie Bier-Sorbet zum Herrentag, Basilikum-Eis, Avocado-Tomate, Gurke-Limette oder Sorten, die mit Ingwer kombiniert werden.

Da Klassen Wert auf saisonale Eissorten legt, gibt es schon seit mehreren Wochen kein Erdbeereis mehr.

Dafür sind in diesem Jahr Weihnachtssorten geplant: Zimt-Cranberry, Mandel-Dattel, Walnuss-Karamell und Lebkuchen.

Im Restaurant liegt der Schwerpunkt auf einer Auswahl von Burgern in selbst gebackenen Brötchen, aber auch Martinsgänse gibt es bis Neujahr (und werden auch nach Hause geliefert) oder andere Speisen, die vom österreichischen Koch zubereitet werden.

Michael Klassen hat die Liebe zum Job nicht erst finden müssen: „Das ist meine Berufung, meine Lebensaufgabe“, sagt er. Und der Vater erzählt: „Das war ein Schock, als der Sohn Koch werden wollte. Aber es war genau richtig so.“ Dennoch – Konfliktpotenzial gibt es immer wieder: „Wenn ich was Neues mache, sagt er immer, das ist nichts“, erzählt Michael Klassen. „Aber ich lasse ihn immer machen, denn er macht es ja sowieso und wichtig ist immer, was rauskommt“, ergänzt der 76-Jährige. „Jede Generation macht es anders, wir haben es ja auch anders gemacht. Und richtig angebrüllt haben wir uns noch nicht.“

Der Junior ergänzt: „Immer so medium.“ Dabei ist Klassen selbst ein Meister im Verändern – ob vor oder nach der Wende, immer wurde renoviert, entwickelt – verändert. So ermöglichte ihm ein Tiefkühlraum ab den 1970er Jahren, frisches Erdbeereis auch außerhalb der Saison anzubieten. Jedes Jahr wurde gebaut, vor zwei Jahren war die Küche dran, voriges Jahr wurden die Toiletten saniert. „Das ganze Objekt wird mit Herzblut vorangetrieben“, sagt Klassen. Als er ein Jahr lang mal nicht gebaut habe, hätten ihn die Maler gefragt, ob er krank sei, erzählt er.

Die Geschichte des Eiscafés beginnt rund 30 Jahre, nachdem Kleinmachnow zur Gemeinde wurde: Klassens Großonkel Peter Müller hat es 1951 hier eröffnet. Als der kinderlose Cafébesitzer 1964 starb, wurde das Lokal schließlich von Peter Klassen und seiner Mutter übernommen. Die beiden waren 1945 mit dem letzten Zug in einem Viehwaggon aus dem pommerischen Bad Kolberg (Polen) in Deutschland angekommen.

Wenn sie streiten, dann wird es selten laut

Wenn sie streiten, dann wird es selten laut: Senior und Junior wissen, wie man ein Geschäft erfolgreich führen kann.

Quelle: Kobel-Höller

Vier Jahre alt war Klassen, als er in der Lutherstadt Wittenberg seine neue Heimat fand. Hier ging er zur Mittelschule und hier wurde er zum Elektromonteur ausgebildet. Nach der Armee kam er dann 1963 nach Kleinmachnow – und hier schloss sich dann der Kreis: Schon im Jahr danach wurde er zum Eiscafé-Besitzer. Auch seine Frau Renate – mittlerweile in Rente und nur noch zum Espressotrinken und Schokoeis-Essen im Café – gab ihren Beruf als Erzieherin für das Eiscafé auf, um sich zum Koch und Gaststellenleiter ausbilden zu lassen. Klassen lernte seinen neuen Beruf lieben: „Die Leidenschaft ist gewachsen im Laufe der Jahre – wenn man so einen Laden hat, muss man dafür brennen!“ Angefangen hat er mit einer Eismaschine aus dem Jahr 1933, für die im Sommer noch die Raten bezahlt wurden, und einer kleinen Verkaufsluke.

Im Februar 1977 übernahm er den Laden dann ganz, nach der Wende folgten die Schankgenehmigung und der Bierausschank, sowie die Erlaubnis, auch auswärts zu servieren, bei Schulfesten oder als Caterer. Außerdem gründete Klassen die Dehoga Brandenburg mit, die ihm inzwischen auch die silberne und die goldene Ehrennadel verliehen hat, und seit 40 Jahren ist er IHK-Mitglied – auf diese Dinge legt der Gastwirt Wert.

Von Konstanze Kobel-Höller

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