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Stahnsdorf Grab von Hans Otto gerettet
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Grab von Hans Otto gerettet
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01:15 30.08.2018
Die letzte Ruhestätte für Hans Otto auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Güterfelde ist jetzt ein Ehrengrab. Quelle: Stephan Laude
Güterfelde

Man muss schon suchen auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof in Stahnsdorf. Auf dem Gräberfeld III ist es schließlich zu entdecken: das Grab von Hans Otto. Es ist nicht überwuchert wie fast alle Gräber dort. Doch es war auch noch keine dieser kleinen terrakottafarbenen Platten mit der Aufschrift „Ehrengrab Land Berlin“ in den Boden eingelassen. Aber das ändert sich. Der Berliner Senat hat die letzte Ruhestätte des Schauspielers jetzt auf die Liste der Ehrengrabstätten gesetzt. Die Zuständigkeit des Senats rührt daher, dass der Waldfriedhof zum Land Berlin gehört, verwaltet vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf.

Hans Otto, nach dem seit 1952 das Theater in Potsdam benannt ist, zähle zu den bedeutsamsten Schauspielern des deutschsprachigen Theaters der 1920-er und 1930-er Jahre, erklärte der Senat in seinem Beschluss. Nach Ottos Debüt 1921 in Frankfurt am Main folgten Engagements in Gera, Zeitz und Hamburg. Hans Otto galt als Idealbesetzung für Rollen jugendlicher Helden. Gegen Ende der 1920er Jahre gehörte er dem Ensemble des Staatlichen Schauspielhauses Berlin an. Er wirkte außerdem am Lessing-Theater und zuletzt am Staatstheater am Gendarmenmarkt mit.

Daneben engagierte sich Otto politisch und sozial: Er war Mitglied der KPD, Vorsitzender des Arbeiter-Theater-Bundes in Berlin und Vertrauensmann der Gewerkschaft der Deutschen Bühnenangehörigen. Kurz nach der Machtübernahme der Nazis wurde Otto von der neuen Leitung des Schauspielhauses gekündigt. Seine politische Tätigkeit setzte er illegal fort. Im November 1933 wurde er von der SA verhaftet und gefoltert. Nach einem Verhör stieß man den 33-Jährigen im dritten Stock aus dem Fenster. Es sollte wie ein Suizid aussehen. Propagandaminister Joseph Goebbels verbot die Bekanntgabe des Todes und die Teilnahme an der Beisetzung.

Hans Otto wurde im November 1933 von den Nazis gefoltert und im dritten Stock eines Hauses aus dem Fenster gestoßen. Es sollte wie ein Suizid aussehen. Quelle: Archiv

„Dass der Senat das Grab von Hans Otto nun zum Ehrengrab erklärt hat, ist für mich eine der besten Nachrichten in diesen Tagen“, sagt dazu Lutz Boede von der Potsdamer Wählergruppe „Die Andere“. Seit langem setzt sie sich für die Anerkennung der Ruhestätte Ottos als Ehrengrab ein. „Damit ist nicht nur eine besondere Ehrung für einen ganz besonderen Humanisten, Künstler und Antifaschisten verbunden. Es geht praktisch auch um die Rettung der Grabstätte vor der Zerstörung“, erklärt der Kandidat für die Wahl zum neuen Potsdamer Oberbürgermeister.

Auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof finden Beisetzungen nur noch auf Grabstellen mit vorhandenem Nutzungsrecht statt. Dass das Grab von Hans Otto Ende der 1950-er Jahre – nach Ablauf der Liegezeit von 25 Jahren – nicht beseitigt wurde, sei nur dem Umstand geschuldet, dass der Platz nicht gebraucht wurde, sagt Boede. Später habe das Hans-Otto-Theater die Grabpflege übernommen. Einen wirklichen Schutz gibt es aber nun erst mit der Aufnahme in die Ehrengräber-Liste. „In 50 Jahren wird der Friedhof eine Parkanlage sein, in der die Gräber weitgehend verschwunden sind“, schätzt Boede ein. Übrig blieben dann nur noch die gesetzlich dauerhaft geschützten Kriegsgräberstätten und die Ehrengräber. Er sei sehr froh, dass dazu auch Ottos Grab gehöre.

Bisherige Ehrengräber auf dem Waldfriedhof in Güterfelde

Erwin Barth, Gartenarchitekt, entwarf auch den Waldfriedhof, gestorben 1933

 .

 

 

 

Neben dessen Grab kamen 22 weitere Ruhestätten – alle auf Berliner Gebiet – neu auf die Liste der Ehrengräber. Der rot-rot-grüne Senat hat sich damit offenkundig von der zögerlichen Haltung der Vorgängerregierungen verabschiedet. Selbst die Verlängerung des Ehrengrab-Status für die letzte Ruhestätte des SPD-Reichstagsabgeordneten Rudolf Breitscheid auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf schien keine Selbstverständlichkeit zu sein. Aber er ist jetzt auf 20 Jahre verlängert worden. Das Gleiche betrifft das Grab des Maler Lovis Corinth. „Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht“, sagte Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt. Er hofft, dass dies Ausdruck einer „Bewusstseinsschärfung“ des Senats sei.

Auch der Ehrenstatus für das Grab des Malers Lovis Corinth auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf ist um weitere 20 Jahre verlängert worden. Quelle: Archiv

Die Berliner Ehrengräber sind grundsätzlich nicht auf Dauer als solche eingestuft. Nach 20 Jahren ist eine Verlängerung nötig. Auch wenn die nicht erfolgt, bedeutet das nach Darstellung des Senats aber keine Aberkennung eines Ehrengrabs, sondern nur eine Nichtverlängerung. Allerdings trägt das Land Berlin dann nicht mehr die Pflegekosten. Die sind aber überschaubar. Für die Pflege des Grabes von Lovis Corinth betragen sie 420 Euro jährlich, für das Grab von Rudolf Breitscheid, das kleiner ist, 220 Euro. Im Gegensatz zu den „normalen“ Ehrengräbern gibt es für die Ehrengräber von Ehrenbürgern – auf dem Südwestkirchhof ist das Heinrich Zille – keine Befristung, wie Ihlefeldt erläutert.

Von Stephan Laude

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