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Stahnsdorf Im Eimer über die Straße
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Im Eimer über die Straße
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15:02 11.03.2019
Jörg Dorowski und sein Team errichten in Güterfelde eine 350 Meter lange Barriere zum Schutz der Kröten. Quelle: Linus Hoeller
Güterfelde

 Eine undurchdringliche Barriere entsteht derzeit entlang der Landesstraße 77 in Güterfelde auf einer Länge von rund 350 Metern – zumindest für Kröten. Denn ohne die Hilfe der Stahnsdorfer Naturschützer um den Leiter der Fachgruppe Herpetologie des Nabu Potsdam und Organisator der Aktion in Güterfelde, Jörg Dorowski, würden viele der kleinen Amphibien auf der Fahrbahn im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben.

Kröten wandern zweimal im Jahr

Kröten leben gewissermaßen ein Doppelleben. Den Großteil ihrer Zeit verbringen sie im Wald, auch östlich der L 77. Zur Paarung begeben sich die Tiere allerdings gemeinsam zurück zum Gewässer, in dem sie als Kaulquappen aufgewachsen sind – beispielsweise dem Güterfelder Haussee. Auf dieser Wanderung wollen zweimal jährlich unzählige Kröten die Straße am Ortsausgang von Güterfelde überqueren. Der Naturschutzbund (Nabu) will die Kröten schützen. Auf beiden Seiten der Straße werden daher jedes Jahr Krötenzäune aufgestellt, an denen im Abstand von etwa zehn Metern Eimer im Boden versenkt sind. Die Kröten kommen auf ihrer Wanderung an der Barriere an und krabbeln dann solange an ihr entlang, bis sie in einem der Eimer landen. Mindestens einmal am Anfang eines Tages werden die Eimer von Freiwilligen kontrolliert, die nachtaktiven Amphibien gezählt, gesammelt und auf die andere Straßenseite gebracht.

Tendenz ist rückläufig

„Vor ein paar Jahren hatten wir innerhalb weniger Wochen bis zu 2000 Tiere gesammelt“, erinnert sich Dorowski. Doch die Tendenz sei stark rückläufig. „Im vorigen Jahr haben wir nur etwa fünfhundert bis sechshundert Kröten gezählt“, meint er. Weltweit gehen die Zahlen der Amphibien und mit ihnen auch der Erdkröten, wie sie in Stahnsdorf zu finden sind, stark zurück. Gründe dafür sind menschliche Einflüsse, etwa die Zerstörung von Lebensräumen oder Umweltverschmutzung, die für Amphibien mit ihrer besonders porösen Haut besonders schädlich ist. Doch auch die globale Ausbreitung eines gefährlichen Pilzes macht den Amphibien zu schaffen. Ob die fallenden Zahlen in Stahnsdorf ebenfalls auf diese Faktoren zurückzuführen sind, ist allerdings nicht sicher. „Eventuell haben die Kröten auch einfach ihre Hauptrouten geändert und sind jetzt in einem anderen Wald zuhause“, hofft Dorowski.

Zehn Helfer errichteten die Barriere

Um die verbleibenden Amphibien zu schützen, scheuen die rund zehn freiwilligen Helfer des Nabu keine Anstrengungen. Am Wochenende zogen sie einen Zaun auf der Seeseite der Straße. Auch Jan Brödner (57) war mit dabei. Er ist seit rund dreißig Jahren für den Naturschutz aktiv. „Ich bin aus dem Bedürfnis dazu gekommen, was Gutes für die Natur zu tun“, meint er. „Gerade in der DDR stand es ja nicht gut um die Umwelt.“ Antje Schwarze (45) engagiert sich seit sieben Jahren für die Kröten. „Es macht einfach Spaß, denn man ist an der frischen Luft und in der Natur, und tut ja dabei was Gutes.“

Mehr junge Leute sollen mithelfen

Naturschutz sei gerade in den heutigen Tagen besonders wichtig findet Jörg Gretzmacher (60). „Die Erde ist Milliarden von Jahren alt, aber allein in den letzten 20 Jahren wurde so viel kaputt gemacht.“ Deswegen würde er sich freuen, wenn sich noch mehr Leute in dem Projekt engagieren würden: „Besonders schön wäre es, wenn junge Leute mithelfen würden, und auch in Schulen auf die Aktion aufmerksam gemacht würde.“ Freiwillige werden jederzeit gebraucht. Während die Zäune stehen, müssen die Eimer jeden Tag kontrolliert werden, denn auch andere kleine Tiere wie etwa Mäuse, Frösche oder Blindschleichen verirren sich hinein. Wann genau die Krötenwanderung in diesem Jahr beginnt, kann nicht genau vorhergesagt werden. Die Zäune stehen jedenfalls schon mal. Das Spektakel der Natur kann jetzt also jede Nacht beginnen.

Von Linus Höller

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